11.05.2010

„Alles schwarz-weiß, oder was?“

Foto: Cactus Junges Theater
Foto: Cactus Junges Theater
Foto: Cactus Junges Theater
Von Kabasia Chuwa-Moliki (Cactus Junges Theater)

Seit seiner Gründung 1992 als Theater gegen Rassismus hat Cactus Junges Theater immer wieder interkulturelle Theaterprojekte durchgeführt. Zentrales Anliegen war dabei von Anfang an die gesellschaftliche Einbindung und Teilhabe von Menschen mit Migrationshintergrund. Mit der Veranstaltungsreihe „Alles schwarz~weiß, oder was?“ machte Cactus Junges Theater einen weiteren Schritt auf dem Weg, Fragen nach Identität, Zugehörigkeit, Werten, Respekt, Integration, Deutschsein und Multikulturalität nachzugehen und neu zu lesen.

Die Idee zu „Alles schwarz~weiß, oder was?“ wurde im interkulturellen Beirat von Cactus Junges Theater geboren. Der Beirat wurde 2006 ins Leben gerufen, um laufende Cactus Produktionen durch ein interkulturelles ehrenamtliches Team zu begleiten. Im Sommer 2007 begannen dann Konzeption und Projektplanung der Reihe. Ihr Titel sollte ausdrücken, dass schwarz-weißes Denken scherenschnittartige Bilder schafft, auch von Menschen – sortiert, kontrastiert und allzu oft nach Schema F. Aber was ist dazwischen, darin, dahinter? Was liegt jenseits von Klassifizierungen nach Hautfarbe, Pass und Herkunftsland? Und wie geht deutsch sein? Wer kann entscheiden, wann jemand es ist und warum muss das überhaupt entschieden werden?

Die Reihe „Alles schwarz~weiß, oder was?“, die von Mai bis November 2008 durchgeführt wurde, fokussierte die Auseinandersetzung mit der Lebenssituation schwarzer Deutscher: Schwarze Deutsche sind meist nicht nur hier aufgewachsen, sondern auch hier geboren und werden doch in vielen Bereichen als Fremde im eigenen Land behandelt. Die Reihe wollte mit Workshops, Lesungen, Vorträgen, Gesprächen, Theater und der Ausstellung „Homestory Deutschland“ (ISD e.V./ bpb) vor allem die Präsenz Afrikas in Deutschland sichtbar und eine Auseinandersetzung aus historischer und zeitgenössischer Perspektive möglich machen. Das gelang besonders im Rahmen der „Homestory“-Ausstellung im Stadtmuseum Münster, die ein großes altersübergreifendes Publikum erreichte. Auch die ausstellungsbegleitenden Angebote für Schüler wurden sehr gut angenommen. Gerade bei kulturell heterogenen Klassen ergab sich viel Diskussionsbedarf. Anknüpfend an die spezifische Lebenssituation schwarzer Deutscher wurde in den Gruppen auch der Komplex Nationalität und Multikulturalität, Fremdsein und Deutschsein allgemein thematisiert. Die jüngere Zielgruppe konnte außerdem über themenspezifische Filme im Rahmen eines Schülerkinos sowie einen Rapworkshop mit dem Künstler Adé Bantu sehr gut erreicht werden. Beide Angebote leisteten einen wichtigen Beitrag zur Sensibilisierung für einen respektvollen toleranten Umgang mit Alterität.

Für ältere Mitmenschen konzipierte Cactus Veranstaltungen wie „People of Color: Bilder in unseren Köpfen“, eine Lesung mit Noah Sow und anschließender Diskussion zum Thema Rassismus in Deutschland, oder die Expertendiskussion „Mehrheimisch: multikulturell leben in Deutschland“. In den Publikumsgesprächen wurde die Notwendigkeit deutlich, über produktive Umgangsstrategien mit kultureller Vielfalt in Deutschland intensiv nachzudenken und antirassistische Aufklärungsarbeit zu leisten. Andere Veranstaltungen boten einen künstlerischen Zugang zum Thema (z.B. Lesung mit der Autorin Aminata Forna), um so ergänzend eine emotional-kreative Perspektive zu ermöglichen. Dieser Ansatz erwies sich als sehr sinnvoll; viele positive Rückmeldungen erreichten die Veranstalter. Einen Höhepunkt im kreativen Bereich stellte das Theaterstück „s/w remix“ dar. Weiterführende Angebote dienten dann vor allem dem Erfahrungsaustausch, der Vernetzung und der Selbstreflexion schwarzer Deutscher.

Durch die Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen wie der VHS Münster, ortsansässigen Schulen, der Uni Münster, dem Internationalen Zentrum der Uni „Die Brücke“, Mama Afrika e.V., ESE e.V., aber auch überregionalen Initiativen erzielte die Veranstaltungsreihe eine große Außenwirkung. Schließlich konnte auch der Projektzeitrahmen von sieben Monaten in Verbindung mit einer guten Berichterstattung in der Lokalpresse wesentlich dazu beitragen, dass ein größeres und nachhaltiges öffentliches Interesse und ein themenspezifisches Bewusstsein geschaffen wurden.



 

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