„Gewalt ist keine Lösung“ – Das Gewaltpräventionsprojekt von Feuerwehr und Polizei

Foto: Filmszene "Abzocken auf dem Spielplatz" (Haus der Prävention)Foto: Filmszene "Abzocken auf dem Spielplatz" (Haus der Prävention)
Foto: Preisverleihung "Aktiv für Demokratie und Toleranz" des BfDT (Haus der Pävention)
Von Leo Keidel („Haus der Pävention“ der Polizeidirketion Waiblingen)

Die Initiative „Gewalt ist keine Lösung“ aus dem Rems-Murr-Kreis ist im Wettbewerb „Aktiv für Demokratie und Toleranz 2008“ ausgezeichnet und mit 4.000,- € gefördert worden. Die Projektidee stammt aus dem Jahr 2007. Damaliger Auslöser war, dass durch die rasch steigende Anzahl von Handys mit Video- und Fotofunktion ein neues Phänomen an Schulen auftrat: „Happy Slapping“. Das sind Straftaten, die mit dem Handy gefilmt und auf dem Schulhof bzw. im Internet verbreitet werden. Außerdem reizten die in den öffentlichen Medien dargestellten spektakulären Vorfälle an anderen Schulen zur Nachahmung. Laut der polizeilichen Kriminalstatistik waren aber nur wenige Fälle angezeigt worden.

Hier setzt unser Gewaltpräventionsprojekt an. Der Gedanke etwas gegen die fortschreitende Verbreitung von Gewaltvideos auf Handys zu unternehmen, entstand im Rahmen einer Projektarbeit bei der Ausbildung von Jugendleitern der Freiwilligen Feuerwehr. Anhand eines an einer Schule gedrehten Videofilms der Jugendfeuerwehr sollte das Problem öffentlich und vor allem im Schulunterricht thematisiert werden. In enger Zusammenarbeit mit der Polizeidirektion Waiblingen und dem Kreismedienzentrum wurde 2008 ein komplettes Medienpaket mit 6 Filmsequenzen zu den Themen Mobbing, Raub, Verbreitung von Gewaltvideos, Zivilcourage etc. sowie umfangreichen Unterrichtsmaterialen inklusive rechtlicher Grundlagen entwickelt.

Mit dem Medienpaket sollen Pädagogen und andere mit der Erziehung von Kindern und Jugendlichen betrauten Personen in die Lage versetzt werden, die bisherige Problematik von Jugendgewalt sowie der aktuellen Erscheinungsformen in Verbindung mit neuen Medien wie Handy und Internet zu erkennen und zusammen mit den potenziellen Betroffenen konkrete Lösungsmöglichkeiten und eine sinnvolle Nutzung der Medien zu erarbeiten. Es ist inhaltlich so aufgebaut, dass es als ideale Ergänzung zu dem bereits bundesweit an alle Schulen verteilten Gewaltpräventionsmedium „Abseits“ genutzt werden kann. Seit Februar 2009 sind die 400 kostenlosen Exemplare der Erstauflage an allen Schulen im Rems-Murr-Kreis sowie sämtlichen Polizeidirektionen und Jugendfeuerwehren des Landes Baden-Württemberg verteilt worden. Für 15,- € zzgl. Versandkosten können Interessierte ein Exemplar der 2. Auflage erwerben (Bezugsadresse s.u.), Bestellungen erfolgten bereits aus fast allen Bundesländern sowie dem benachbarten deutschsprachigen Ausland.

Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang das gemeinsame Vorstellen des Projekts durch Vertreter der örtlichen Jugendfeuerwehr und der Polizei. Dies wurde in den Schulen sowohl von den Pädagogen als auch den Schülern sehr positiv aufgenommen, führte zu einer lebhaften Diskussion über die Filminhalte und gab die Initialzündung zur vertiefenden Nachbereitung im eigentlichen Schulunterricht. Jedes Präventionsprogramm an Schulen kann nur erfolgreich implementiert werden, wenn ein direkter Zugang zur Zielgruppe besteht und es nicht lediglich auf dem Postweg zur Verteilung gelangt!

Im zweiten Teil unseres Präventionsprojekts stehen das Ehrenamt und die soziale Verantwortung in der Gemeinschaft im Vordergrund. Unter dem Motto „Helfen macht Spaß“ bietet die Jugendfeuerwehr einen Schnuppertag in der örtlichen Feuerwehr für Schulklassen an, um deren viele Facetten (bergen – retten – löschen etc.) darzustellen. Insbesondere soll dies gegenüber Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die bisher fast nicht in der Feuerwehr vertreten sind, transparent gemacht werden. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern wird der Brandschutz in Deutschland ehrenamtlich als „Freiwillige Feuerwehr“ wahrgenommen, in der jeder Interessierte willkommen ist. Als dritter Baustein werden Zivilcourage-Trainings für die Jugendlichen innerhalb der
Freiwilligen Feuerwehr durchgeführt, mit dem Ziel das richtige Verhalten in schwierigen Alltagssituationen zu erlernen (Interner Linkwww.aktion-tu-was.de). Dies wird auch in dem Videofilm am Beispiel Mobbing bzw. Verbreitung von Gewaltvideos auf dem Schulhof aufgezeigt.

Für die Öffentlichkeitsarbeit haben wir zusätzlich eine Informationswand inklusive Schauvitrine gestaltet, die seit Februar 2009 als Wanderausstellung in Rathäusern, Schulen, Kreditinstituten, Vereinen gezeigt wird, z.B. auf dem 14. Deutschen Präventionstag in Hannover, um die Problematik auch außerhalb der Schule und der Feuerwehr bei der breiten Bevölkerung offen anzusprechen und über sie aufzuklären.

Neben dem Videoprojekt wurde zusätzlich ein bundesweiter Wettbewerb mit Unterstützung von Sony Ericsson zur kreativsten Nutzung des Medienpakets ausgelobt. Als Sieger konnte die Judoabteilung des TSV Tauberbischofsheim am 01. Juli 2009 öffentlich geehrt werden. Die Jugendlichen erhielten jeweils ein neues Handy des Sponsors als Anerkennung für ihr Engagement gegen Gewaltvideos auf dem Handy. Wir sind stolz darauf, dass unser Projekt offensichtlich auch außerhalb von Feuerwehr und Polizei Nachahmer findet und Anregungen für andere Jugendliche gibt, ebenfalls aktiv zu werden!

Weitere Informationen und Bestellungen unter Interner Linkwww.haus-der-praevention.de und www.wn@polizei.bwl.de!




 

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