Der Grenzdenkmalverein Hötensleben

Foto: Workcamp vor dem ehemaligen Tagebau Wulfersdorf (Grenzdenkmalverein Hötensleben)
Von René Müller (stellv. Vorsitzender Grenzdenkmalverein Hötensleben)

Hötensleben ist leider der einzige verbliebene authentische Grenzabschnitt der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Der Grenzdenkmalverein Hötensleben engagiert sich für den Erhalt eines Teils der ehemaligen Grenzsicherungsanlagen als Denkmal. Wir kämpfen damit wider das Vergessen der Verbrechen, die im DDR-Regime begangen wurden. Die martialischen und unmenschlichen Grenzsicherungsanlagen sind ein eindrucksvoller Beleg für die SED-Diktatur. Sie sollen für die heranwachsende Jugend erhalten bleiben und sie für diesen Teil der deutschen Geschichte sensibilisieren, damit niemals eine weitere Diktatur auf deutschen Boden entstehen kann. Die Jugend, aber auch alle anderen Bevölkerungsschichten, sollen dadurch zu einem politischen Engagement animiert werden, damit die Demokratie in Deutschland erhalten bleibt und eine Diktatur nie wieder eine Chance erhält.

Der Grenzdenkmalverein setzt sich nicht nur für den Erhalt des Denkmals ein, wir setzen auch Zeichen durch Veranstaltungen und Aktionen. Wir führen Gedenkveranstaltungen und Baumpflanzungen durch, unterstützen das jährliche Musikfestival „Rock am Denkmal“, organisieren Lesungen oder Theaterveranstaltungen. Ein weitere Schwerpunkt unserer Arbeit sind thematische Denkmalführungen. Dabei werden alle Alters- und Interessengruppen angesprochen. Auch die wissenschaftliche Aufarbeitung der Geschichte liegt dem Verein sehr am Herzen. Achim Walther hat zwei sehr beachtete Publikationen („Die Heringsbahn“ und „Die eisige Nacht“) veröffentlicht. Das Spektrum unserer Arbeit ist sehr groß, so dass unser Engagement sehr weit reichend ist und durch unser internationales Workcamp sogar alle Erdteile erreicht.

Mit dem „Mauerfall“ am 9. November 1989 wurde die DDR-Grenze an zahlreichen Stellen passierbar. Der Tag der deutschen Einheit am 3. Oktober vollendete die Wiedervereinigung Deutschlands und das endgültige Ende der Mauer. Beide Ereignisse sind für unsere zeitnahe Geschichte von entscheidender Bedeutung. Leider zeigt die Erfahrung, dass unserer Jugend diese Bedeutung selten bewusst ist. Der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler sprach bei seinem Besuch am Denkmal in Hötensleben diese Problematik an: Signale müssten gesetzt werden! Es sei schon erschütternd, dass junge Leute aus anderen Ländern oftmals mehr Interesse an der deutschen Geschichte und einem daraus entstehendem Engagement hätten, als ein Großteil der Jugend unseres Landes.

Demokratie muss als Lebensform begriffen und gewählt werden. Gerade junge Leute sollten sich politisch engagieren, um aktiv und bewusst ihre Zukunft gestalten zu können. Zum Engagement gehört Interesse, und nicht nur an der eigenen Person. Dieses Interesse möchte der Grenzdenkmalverein wecken. Mit unseren Veranstaltungen wollen wir ein Bewusstsein für diese Thematik schaffen, das sich in politisches Engagement verwandeln soll. Ein wichtiger Schritt dahin ist unser jährliches Workcamp, das in diesem Jahr bereits zum 15. Mal stattfand.

Vom 9. bis 11. Juli waren die Anreisetage für die diesjährigen dreizehn Workcampteilnehmer. Das Interesse im Ausland war wieder sehr groß und die Gruppe bunt gemischt. Die Freiwilligen kamen aus Spanien, Frankreich, England, Mexiko, Südkorea, der Türkei, Serbien, der Ukraine und zum ersten Mal war auch eine Isländerin dabei. Alle begegneten sich sehr aufgeschlossen, schnell entstand ein gutes Gruppengefühl. Ihre Aufgabe waren vor allem Instandhaltungsarbeiten am Grenzdenkmal. Aber auch beim „Rock am Denkmal“ halfen die Camper beim Auf- und Abbau. Natürlich fand sich aber auch die Zeit, wieder richtig abzurocken.

Wie in jedem Jahr ist der Kontakt zwischen den Einheimischen und den Teilnehmern des Camps sehr wichtig. Hier wird im kleinen Stil Völkerverständigung betrieben. Die Feuerwehr geht dabei mit großem Engagement voran, auch der Verkehrsgarten Völpke ist jedes Jahr sehr engagiert, genauso wie der Schützenverein und der Sportverein. Aber auch die Hötenslebener, ob nun im Verein organisiert oder nicht, sind immer wieder mit Unterstützung dabei. Sie bringen zum Beispiel Kuchen, Obst und Gemüse aus ihrem Garten ins Camp. Wulf Biallas organisiert regelmäßig eine Tour durch die Tagebaulandschaft der Region, bei der auch viel Wissen vermittelt wird. Die für die Teilnehmer immer überwältigenden Tagebaue zwischen Schöningen und Helmstedt sind aber nur ein Teil der Aktivitäten neben ihrer Arbeit im Camp. In diesem Jahr wurde auf Einladung von Herrn Ackerman (FDP) der Bundestag besucht. Die Fahrt nach Quedlinburg, der „ersten Hauptstadt Deutschlands“, ist ebenfalls ein fester Bestandteil des Workcamps. Geocaching stand nach dem Erfolg vom letzten Jahr auch auf der Liste.

Gerade zwischen der Jugend vor Ort und den Teilnehmern entstehen immer sehr gute Kontakte. Während der drei Wochen wird der Jugendtreff meistens ins Workcamp verlegt oder am Abend finden Veranstaltungen im Jugendclub statt. Es gibt immer Trennungstränen zum Abschluss. So war es ein prall gefüllter Kalender in diesen drei Wochen. Eine Zeit, die die Camper immer in würdiger Erinnerung behalten werden.



 

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