29.06.2012

Projekt Music Kids: Musik als Sprache der Kinderseele

von Hannelore Lay

Musik und Masken bei der "Zauberflöteninsel" (Foto: Brinker)
Foto: Schultheater im Königsmantel (Foto: Brinkler)Foto: Schultheater im Königsmantel (Foto: Brinkler)
Plakat "Zauberflöteninsel" (Foto: Brinkler)
Sicher kommt Ihnen das bekannt vor: Welchen Sinn hat Kunst für unser Leben? Wozu ist Musik gut? Was nützt es, wenn wir miteinander singen? Macht Musik schlau?

Immer öfter stellen wir uns solche oder ähnliche Fragen, wenn wir uns auch in der Stiftung beim Thema „Erziehung und Bildung“ mit kulturellen Inhalten beschäftigen. Noch nie zuvor standen Kunst und Kultur unter einem vergleichbaren Rechtfertigungsdruck wie heute. Sogar die Hirnforschung wird bemüht, den Nutzen von Musik für die Synapsenbildung in der Entwicklung der kindlichen Intelligenz zu belegen. Vergleichsstudien messen Unterschiede der Lernerfolge mit und ohne musikalische Früherziehung. Aber ich frage mich: ist es das, worum es wirklich geht?

Meine Freunde und ich in der Stiftung Kinderjahre bezweifeln das und gehen einen anderen Weg. Wir halten musikalische Ausdrucksformen vom Gesang über die rhythmisch-tänzerische Bewegung bis zum Spielen eines Instruments für ein urmenschliches Bedürfnis nach emotionalem Ausdruck. Und das gilt über alle Kulturen und geschichtlichen Epochen hinweg. Musik ist die Sprache der Seele. Dabei sind wir oft verunsichert, wenn wir den reinen Gefühlsausdruck eines Gesangs oder Tanzes außerhalb konventioneller, kultureller Aufführungsorte erleben dürfen. Wir sind immer weniger darauf gefasst, dass uns jemand mit echten Empfindungen gegenübertritt, anstatt sich der Formeln und Chiffren der verschiedenen Sprach- und Ausdruckskonventionen zu bedienen.

Auch wir bei der Stiftung Kinderjahre mussten erst lernen, jenseits von Bildungs- und Kulturkonventionen den völlig freien Ausdruck ganzheitlicher, musikalischer Darbietungsformen anzunehmen und zu begreifen. Ohne die Beifall heischende Bühnenaufführung als Ziel, ohne festen Lernstoff, Noten und Leistungsprüfungen ging es bei unserem Musiktheaterprojekt an der Elbinselschule nur um eins: benachteiligten Kindern schlicht Aufmerksamkeit und Zuwendung zu schenken. Im Ergebnis haben wir diese Freisetzung von Gefühlen und individuellen Wesensäußerungen als glückliche Form kindlicher Suche, Selbstfindung und Selbstvergewisserung im Spiel erlebt. In der Praxis angeleitet von Profis des Musiktheaters, entwickelten die Kinder wie von selbst Teamgeist und Respekt und das Gefühl von Eigenwertigkeit. Die „Zauberflöteninsel“ in Anlehnung an Mozarts bekannteste Oper wurde so nicht zu einem erbaulichen Schultheater-Stück, sondern zu einem Erlebnis von lustvoller Musikdarbietung ohne Zwang, aus einem inneren Bedürfnis nach Ausdruck durch Musik.

Im zweiten Schritt erlebten wir, wie Kinder sich musik-theatralisch in freier Assoziation und Inspiration mit Geschichte, Gegenwart und Zukunft auseinanderzusetzen. Zwar stand auch hier ein musikpädagogisches Konzept Pate, doch nicht Zwang, sondern die Fähigkeit zur Freiheit und das Erleben eigenen Ausdrucks war der Sinn dieser Projektphase. Jetzt gehen wir den letzten Schritt und bereiten eine Kinderoper „In 80 Jahren um die Welt“ vor, die auch bei der Internationalen Gartenschau 2013 in Hamburg eine Rolle spielen soll.

Interner LinkHomepage "Stiftung Kinderjahre"


 

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