17.07.2014

Botschafter für Demokratie und Toleranz 2014 - Storch Heinar

Interview mit Julian Barlen

"Storch Heinar" mit Julian Barlen und BfDT-Beiratmitglied Christian Lange (Foto: BfDT)Julian Barlen, Storch Heinar und BfDT-Beiratmitglied Christian Lange bei der Auszeichnung zum "Botschafter für Demokratie und Toleranz 2014" (v.l.n.r)
Die ultimative Marschmusik-Kapelle "Storchkraft" mit Storch Heinar und Julian Barlen (2.v.l., Foto: Barlen)
Die satirische Bildungskampagne Storch Heinar und seine Kapelle "Storchkraft" richten sich an Jung und Alt und engagieren sich für eine nachhaltige Stärkung einer positiven und selbstbewussten Demokratie durch kulturelle und gesellschaftspolitische Bildung, lokale Vernetzung und langfristig angelegte "Mitmachangebote". Beheimatet in Mecklenburg-Vorpommern ist das feste Team von Storch Heinar in der ganzen Bundesrepublik Ansprechpartner für Workshops in Schulen sowie prominenter Gast bei Kundgebungen und Fachkonferenzen für die Förderung zivilgesellschaftlichen Engagements. Außerdem werden im Internet Kleidungsstücke mit humoristischen Anspielungen auf aktuelle rechtsextreme sowie historische nationalsozialistische Semiotik angeboten. Etwaige Erlöse aus dem Bekleidungsverkauf fließen in die redaktionelle Arbeit gegen Rechtsextremismus. Nicht nur die hohe Reichweite der Kampagnen-Webseite und des Netzwerkes im "Social-Web" sprechen für den Einfluss, den der oberschnabelbarttragende Storch Heinar hat, auch die Reaktionen der Rechtsextremisten sind ein eindeutiges Zeichen dafür.

Lesen Sie mehr dazu im Interview mit Julian Barlen:

Wie entstand die Idee zu diesem Projekt?

Storch Heinar ist 2008 als ehrenamtlich betriebenes und rein spendenfinanziertes Projekt gegen rechtsextreme Kultur und für eine selbstbewusste Demokratie aus dem Ei geschlüpft. Ursprünglich wollten Storch Heinar und seine Unterstützer/-innen "nur" mittels einer eigenen "Interner LinkKlamottenbude"  die in rechtsextremen Kreisen beliebte und identitätsstiftende Modemarke "Thor Steinar" aufs Korn nehmen. "Thor Steinar" wurde und wird u.a. auch in einschlägigen "Neonazi-Läden" vertrieben, die immer auch ein Treffpunkt der rechtsextremen Szene sind. Storch Heinar versteht sich dementsprechend auch als Protestform gegen die Verbreitung einer rassistischen Ideologie – quasi "über die Ladentheke".

Neben dem Modelabel Storch Heinar bieten Sie auch Workshops an Schulen und Bildungseinrichtungen an. Erzählen Sie doch kurz von Ihrer vielfältigen Arbeit.

Heute zieht Heinar u.a. mit seiner ultimativen Marschmusik-Kapelle "Storchkraft" auf Schulprojekttagen, Konzerten, Demos, usw. durch die Lande, weckt Neugierde und lädt alle Menschen dazu ein, einmal herzhaft über ewiggestrige Neonazis zu lachen. Ganz nebenbei machen er und seine "Storchenstaffel" selbstverständlich eines deutlich: Moderne Rechtsextremisten müssen daran gehindert werden, mit zeitgenössischer Mode, Musik und Lebensart auf politischen Stimmenfang zu gehen. Und das nicht mit der Faust in der Tasche, sondern einem Lächeln auf dem Schnabel – für eine selbstbewusste und fröhliche Demokratie.

Sie besuchen auch ganz gezielt rechtsextreme Veranstaltungen und Demonstration. Welche Reaktionen erhalten Sie?

Erfreulicherweise stellen Storch Heinar und seine Mitstreiter/-innen immer wieder fest, dass Rechtsextremisten große Mühe haben, dem politischen Mittel des Humors und der Satire etwas entgegen zu setzen. Oftmals bleibt Neonazis das Lachen sprichwörtlich "im Halse stecken". Lauter schreien und aggressiver werden können Extremisten immer. Der klaren demokratischen und partizipativen Botschaft von Storch Heinar können sie jedoch selten etwas erwidern.

Möchten Sie Ihr Bildungs- und Aufklärungsangebot weiter ausbauen? Wo liegen zurzeit ihre Schwerpunkte?

Storch Heinar ist sehr dankbar für die vielfältige Unterstützung und Anerkennung seiner Arbeit gegen die "braune Brut". Diesen demokratischen Wind unter seinen Flügeln möchte er auch in den kommenden Jahren engagiert z.B. für die Fortsetzung seiner Schulprojekttage nutzen. Auch gilt es gemeinschaftlich daran zu arbeiten, dass die rechtsextreme NPD bei Wahlen keine Erfolge verzeichnen kann. Nächste Gelegenheit ist die Landtagswahl Ende August 2014 in Sachsen. Heinar und Co. stehen in den Startlöchern und wollen dabei helfen, die rechtsextreme NPD nach zwei Legislaturperioden wieder aus dem sächsischen Landesparlament zu werfen.

Weitere Informationen finden Sie Interner Linkhier.