28.11.2013

Preisverleihung in Köln an zehn Preisträger aus Nordrhein-Westfalen

Wettbewerb „Aktiv für Demokratie und Toleranz 2007“

Pressemitteilung




Am Freitag, den 28. November 2008, wurden zehn Projekte aus Nordrhein-Westfalen als Preisträger im bundesweiten Wettbewerb „Aktiv für Demokra-tie und Toleranz 2007" geehrt.


Logo: Stadt Köln
Das von den Bundesministerien des Innern und der Justiz im Jahr 2000 gegründete bundesweite „Bündnis für Demokratie und Toleranz - gegen Extremismus und Gewalt (BfDT)" hat im Wettbewerb 2007 insgesamt 76 Initiativen und Projekte für vorbildliches, nachahmenswertes zivilgesellschaftliches Engagement für Demokratie und Toleranz als Preisträger ausgewählt. Die Preise sind mit 1.000 bis 5.000 € dotiert. Gemeinsam mit dem Oberbürgermeister der Stadt Köln, Fritz Schramma, sowie Dr. Marion Gierden-Jülich, Staatssekretärin im Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen, hat Dr. Gregor Rosenthal, Geschäftsführer des BfDT, die Preisträger in einer öffentlichen Preisverleihung im Rathaus der Stadt Köln ausgezeichnet und gewürdigt.

Staatssekretärin Gierden-Jülich: „Nordrhein-Westfalen ist - glücklicherweise - keine Hochburg des Rechtsextremismus. Aber es gibt sie auch bei uns, gewalttätige Übergriffe gegenüber Menschen ausländischer Herkunft. Rechtsextremistische Gruppen treiben mancherorts ihr Unwesen. Deshalb ist es wichtig, Extremismus und Gewalt immer wieder aufs Neue die kalte Schulter zu zeigen und zu sagen: 'Nicht mit uns'! Besonders erfreulich ist es daher zu sehen, dass sich viele Bürgerinnen und Bürger in unserem Land gemeinsam stark gegen Rechtsextremismus machen. Und auch das Land zeigt Engagement: Jüngst haben wir die Landeskoordinierungsstelle gegen Rechtsextremismus geschaffen. Sie hilft, die Zivilgesellschaft vor Ort gegen Rechtsextremismus zu stärken. Das zeigt ganz klar: Bürger und Staat ziehen hier am selben Strang."

Oberbürgermeister Schramma appelliert an die Verantwortung jedes einzelnen: „Die Preisträger geben mit ihren Projekten wertvolle Beispiele dafür, wie wir Demokratie und Toleranz befördern können. Die unterschiedlichen Organisationsformen und die thematische und methodische Vielfalt der Initiativen zeigen sehr schön, dass es eigentlich für jeden möglich sein müsste, seine eigene Art des Engagements zu finden. Es liegt jetzt an uns, sich von den ausgezeichneten Projekten inspirieren zu lassen und selbst etwas dafür zu tun, dass wir weiterhin in einem demokratischen und toleranten Gemeinwesen leben."

BfDT-Geschäftsführer Dr. Gregor Rosenthal betonte die Vorbildfunktion der Preisträger: „Demokratie und Toleranz sind keine Selbstverständlichkeit - die Politik ist vor allem auch auf das stetige Engagement der Bürgerinnen und Bürger angewiesen. Die heutigen Preisträger können uns allen in den eigenen Bemühungen Ansporn und Vorbild sein, indem sie zeigen, dass man mit Überzeugung und Herzblut das eigene Lebensumfeld positiv verändern kann."




Die nordrhein-westfälischen Preisträger sind:

Frauenbüro, Fachstelle für Gewaltprävention, Fachstelle für Integration der Stadt Düsseldorf, Aktionsname: „Ehrensache(n)"

Vor dem Hintergrund des Mordes an der Kurdin Hatan Sürücü in Berlin und der anschließenden Berichterstattung zum Ehrenmordprozess wurde im Jahr 2006, koordiniert durch unterschiedliche Institutionen der Stadt Düsseldorf, die Initiative „Ehrensache(n)" ins Leben gerufen. Ziel der Initiative ist es, ein Netzwerk zum Thema Gewalt gegen Mädchen und Frauen im Namen der Ehre und Zwangsverheiratungen aufzubauen, präventive Maßnahmen für Frauen mit Migrationshintergrund zu etablieren sowie die Öffentlichkeit für die Themen zu sensibilisieren. Die Initiative stellt ein gutes Beispiel für die Vernetzung unterschiedlicher öffentlicher Institutionen und zivilgesellschaftlicher Akteure zur Bewältigung eines gesellschaftlich brisanten Themas dar und nimmt so eine Vorbildfunktion ein.

Prämiert mit einem Ehrenpreis

 

Alfred-Hitz-Hauptschule Duisburg, Aktionsname: „Jugendprojekte gegen Gewalt, Friedhofsprojekt, Gedenkstätte Majdanek"

Die Alfred-Hitz-Hauptschule engagiert sich seit mehreren Jahren regelmäßig für vielfältige politische und kulturelle Projekte. Schwerpunkte sind hierbei die Bereiche Gewaltprävention, Geschichtsaufarbeitung und Integration. Drei der aktuellen Projekte der Schule möchten wir beispielhaft herausheben: Unter dem Titel „angry young man" wurde ein Gewaltpräventionsprogramm für Jungen initiiert. Das zweite Beispiel ist ein Friedhofsprojekt, in dem die Schüler einer Klasse an Nachmittagen die Gräber russischer Soldaten und ukrainischer Zwangsarbeiter/innen pflegen und zum Thema Aufarbeitung der NS-Zeit diskutieren. Das dritte Beispiel ist eine deutsch-polnische Begegnung nahe der polnischen KZ-Gedenkstätte Majdanek. Ziel war es hier, für einige Tage gemeinsam mit polnischen Schülern die deutsch-polnische Geschichte zu reflektieren und Vorurteile abzubauen. Die Alfred-Hitz-Hauptschule - eine „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" - sowie die beteiligten Schüler/innen überzeugten durch ihr langfristiges Engagement, das über den normalen Schulalltag bei weitem hinausgeht.

Prämiert mit 5000 €



Medienprojekt Wuppertal e.V., Aktionsname: „Jung + Moslem in Deutschland"

Im Projekt „Jung und Moslem in Deutschland" engagierten sich ca. 200 Jugendliche in der Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit zum Thema „interkulturelles Zusammenleben". Sie produzierten dabei Aufklärungsmittel für die Jugendbildungsarbeit. In dem Zeitraum von Januar 2005 bis November 2006 entstanden so 25 sehr persönliche und authentische Filme von und über das Leben von in Deutschland lebenden jugendlichen Moslems und ihrer Haltung zur moslemischen Religion. Angeleitet von Medienpädagog/innen und Filmemacher/innen entstanden authentische und differenzierte, meist biografische Interviews mit jungen Moslems verschiedener Glaubensrichtungen, verschiedener nationaler und kultureller Herkunft und verschiedenen Geschlechts. Dem Medienprojekt Wuppertal gelingt es auf vorbildliche Weise, differenziert von und über das Leben in Deutschland lebender jugendlicher Moslems zu berichten. Es stellt Klischees nicht nur in Frage, sondern klärt auf. Die Professionalität der Filme ist beeindruckend; sie werden als interkulturelles Bildungsmittel für Schulen, Jugendeinrichtungen und Fachstellen bundesweit eingesetzt.

Prämiert mit 3000 €



Dürener Bündnis gegen Rechtsextremismus, Aktionsname: „Dürener Bündnis gegen Rechtsextremismus"

Die zunehmenden Aktivitäten der NPD sowie freier rechtsextremer Kameradschaften im Raum Düren gaben im Dezember 2006 den Anstoß, das Dürener Bündnis gegen Rechtsextremismus zu gründen. Es setzt sich aus über 600 Einzelpersonen, den Kreisverbänden der demokratischen Parteien sowie diversen Vereinen, Initiativen und Organisationen zusammen. Die Aktionen des Bündnisses beschäftigen sich mit den Schwerpunkthemen Bildung, Aktion und Aufklärung, Jugend und Schule, Integration sowie Kultur und Sport. Im Ergebnis sind bis heute mehrere Gegenveranstaltungen zu rechtsextremen Kundgebungen organisiert, kreisweite Informationsstände etabliert sowie eine informative Homepage mit redaktionellen Beiträgen erstellt worden. Des Weiteren werden u. a. Seminare zur kritischen Auseinandersetzung mit dem Programm der NPD angeboten, Musikveranstaltungen organisiert und ein aktuelles Verzeichnis der Stadtbücherei Düren zu Materialien zum Thema Rechtsextremismus erstellt. Das Dürener Bündnis bietet nicht nur die Möglichkeit der Beteiligung für die Bürger/innen der Region, sondern soll auch eine Funktion als überregionales Netzwerk einnehmen.

Prämiert mit 3000 €

 

Diakonisches Werk des Ev. Kirchenkreises an Sieg und Rhein, Troisdorf, Aktionsname: „Forumtheater für Bürgerbeteiligung und interkulturellen Dialog"

Das Forumtheater „inszene" nutzt die besonderen Ausdrucksformen und -möglichkeiten des Theaters für die Anti-Rassismusarbeit und zur Förderung von Zivilcourage. Das Projekt ist Teil der Integrationsagentur des Diakonischen Werks des Ev. Kirchenkreises an Sieg und Rhein. In mehreren Szenen werden den Zuschauer/innen Situationen präsentiert, in denen Probleme des Zusammenlebens brennpunktartig aufscheinen. Im Anschluss wird das Publikum integriert und aufgefordert, aktiv in das Geschehen einzugreifen und Lösungs- bzw. Handlungsvorschläge auszuprobieren. Die Vorschläge werden im Anschluss auch an die zuständigen Behörden (z.B. Ausländeramt) herangetragen. Auf diesem Wege konnte z. B. ein Dialogprozess zwischen muslimischen Frauen und den Ratsfraktionen der Stadt in Gang gesetzt werden, bei dem die Frauen ihren Bedarf an Sport- und Schwimmmöglichkeiten speziell für Frauen zum Ausdruck brachten. Das Forumtheater besticht besonders durch die Verbindung von Theater und alltäglichen Problemen, wobei es der Initiative auf vorbildliche Weise gelingt, Dialogprozesse zwischen Bürger/innen mit und ohne Zuwanderungsgeschichte in Gang zu setzen.

Prämiert mit 2000 €



AWO Jugendmigrationsdienst Soest, Aktionsname: „Freiwilligendienste von jungen Menschen mit Migrationshintergrund in den Jugendmigrationsdiensten"

Das Projekt wurde im Jahr 2005 initiiert und soll jungen Menschen mit Migrationshintergrund, die erste positive Integrationserfahrungen gemacht haben, die Möglichkeit geben, ihre Erfahrungen und Fähigkeiten im Rahmen eines Freiwilligendienstes anderen jungen Migrant/innen zur Verfügung zu stellen. Die zwölf freiwillig engagierten Jugendlichen ergänzen die Angebote der AWO im Soester Süden, speziell der englischen Siedlung, die durch einen hohen Anteil von deutschen Aussiedlerfamilien und Menschen unterschiedlicher Herkunftsländer gekennzeichnet ist. Die Angebote reichen von persönlicher Patenschaft, Hausaufgabenhilfe, Sprachförderung bis hin zu Tanz-, Frauen- und Kreativgruppen. Des Weiteren nahm die Projektgruppe an der Organisation von Veranstaltungen, wie z.B. der Wanderausstellung „Volk auf dem Weg - Geschichte und Gegenwart der Deutschen aus Russland", der Feier des Weltfrauentages oder dem Begegnungsabend für Jugendliche des AWO-Bewohnerzentrums teil. Bei diesem Projekt überzeugte sowohl das ehrenamtliche Engagement der Freiwilligen als auch der integrative Ansatz, die eigene Erfahrung als Migrant/in in der deutschen Mehrheitsgesellschaft weiter zu geben.

Prämiert mit 2000 €



Arbeitskreis Lern- und Gedenkort Jawne Köln, Aktionsname: „Arbeitskreis Lern- und Gedenkort Jawne Köln"

Der Arbeitskreis betreut am historischen Ort der im Nationalsozialismus zerstörten ‚Jawne' - dem ersten jüdischen Gymnasium im Rheinland - die ‚Kindergedenkstätte Löwenbrunnen' und einen Ausstellungsraum, in dem 2006/2007 eine neue Dauerausstellung zur Geschichte der Jawne und jüdischer Kindheit und Jugend in Köln entstanden ist. Seit 1990 erinnert der historische Ort an die Geschichte jüdischer Kindheit in Köln und an die Deportation von 1100 Kindern während des Nationalsozialismus. Der ursprünglich durch die private Initiative eines engagierten Ehepaares entstandene Erinnerungsort wird mittlerweile von einer ehrenamtlich arbeitenden und international zusammengesetzten Gruppe in verschiedenen Arbeitskreisen betreut. Die Darstellungen bieten insbesondere Kindern und Jugendlichen Zugänge zur Geschichte, da sie nicht nur die Zerstörung, sondern auch die ganze Vielfalt jüdischen Lebens vor der NS-Zeit in Deutschland wiedergeben. Die Aktivitäten beeindrucken vor allem durch das rein auf Ehrenamt beruhende Engagement des Arbeitskreises.

Prämiert mit 2000 €



Caritasverband für die Region Krefeld e. V., Aktionsname: „ZUG - Zuwanderer engagieren sich."

Im Rahmen des Projektes „ZUG" engagieren sich Menschen mit Zuwanderungsgeschichte sozial in der Stadt Krefeld. Auf diese Weise sollen die Integrationsbedingungen in der Stadt verbessert sowie aktive Teilnahmemöglichkeiten an gesellschaftlichen Prozessen erschlossen werden. Im Projekt werden die überwiegend russisch sprechenden Zuwanderer verschiedenen Alters mit den Möglichkeiten ehrenamtlicher sozialer Tätigkeiten vertraut gemacht und zur Übernahme eines sozialen Engagements ermutigt. Auf diesem Weg ist ein vielseitiges Angebot von Migrant/innen für Menschen mit und ohne Migrationshintergrund entstanden. Angeboten werden u. a. Ausflüge in die Umgebung, die Heranführung an regionale Kulturangebote und diverse Beratungsmöglichkeiten. Die Freiwilligen werden während ihrer Tätigkeit intensiv durch den Fachdienst für Integration und Migration der CARITAS begleitet. Zur Weiterentwicklung und Vernetzung der unterschiedlichen Aktivitäten werden regelmäßig Evaluationen durchgeführt. Das Projekt erzielt eine hohe integrative Wirkung, indem es den Rezipienten nicht nur verschiedene Angebote unterbreitet, sondern diese aktiv einbezieht.

Prämiert mit 1000 €



Deutsch-Ausländischer Freundeskreis Sendenhorst, Aktionsname: „Unterstützung und Integration von Flüchtlingen in Sendenhorst"

Hinter dem Projekt „Unterstützung und Integration von Flüchtlingen in Sendenhorst" des Deutsch-Ausländischen Freundeskreises steht eine mittlerweile 17-jährige kontinuierliche Arbeit, die derzeit von sieben Ehrenamtlichen getragen wird. Initialzündung zur Gründung des Projekts war die in großen Teilen der ortsansässigen Bevölkerung von Ressentiments und Ablehnung geprägte Stimmung gegen Flüchtlinge, die 1990 nach Sendenhorst kamen. Seither sorgt die Initiative dafür, dass diese Vorbehalte abgebaut werden, sich einheimische und ausländische Mitbürger begegnen und den Flüchtlingen Beratungs- und Hilfsangebote unterbreitet werden. Positiv ist neben dem langjährigen Engagement hervorzuheben, dass es dem Verein gelungen ist, sich sowohl mit Nichtregierungsorganisationen (z.B. Pax-Christi-Gruppe, amnesty international) als auch behördlichen Stellen (Jugend-, Ausländeramt, Stadtverwaltung etc.) zu vernetzen. Die Arbeit des Vereins ist vielfältig. Wie unverzichtbar er inzwischen geworden ist, lässt sich auch daran erkennen, dass seine Arbeit seitens der Stadt als wichtiges Standbein innerhalb der Integrations- und Flüchtlingsarbeit angesehen wird.

Prämiert mit 1000 €



Schalker Fan-Initiative e.V., Aktionsname: „RepuBlick auf Schalke"

Die Schalker Fan-Initiative e.V. (Schalke 04) beteiligte sich mit dem Theaterstück „RepuBlick auf Schalke" am Wettbewerb. Inspiriert wurde das Projekt durch die bei der WM 2006 sichtbar gewordene Integrationskraft des Fußballs. Das Theaterstück zeigt, wie ein friedvolles Miteinander möglich ist. An der Erarbeitung und Umsetzung des Stücks beteiligten sich Jugendliche unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft. Begleitet wurden sie in ihrer Arbeit von einem elfköpfigen Team professioneller Betreuer/innen. Die Jugendlichen konzipierten das Stück selbst und schufen auch die Requisiten, das Bühnenbild und die Kostüme in Eigenregie. Das Stück behandelt den Nachbarschaftsalltag in einem typischen Gelsenkirchener Viertel, in dem Menschen verschiedenster Kulturen zusammenleben. Bei aller Differenz entdecken sie jedoch bald, dass sie die Leidenschaft für den Fußball miteinander verbindet. Den Erfolg der Inszenierung unterstreichen nicht nur die vier restlos ausverkaufen Vorstellungen im Gelsenkirchener Consol Theater, sondern auch das Gastspiel bei der „Mondiali Antirazzisti" in Bologna 2007. Das Projekt beweist eindrucksvoll, wie mühelos und spielerisch sich vermeintliche Gegensätze miteinander vereinen lassen.

Prämiert mit 1000 €



Kontakt und weitere Informationen


Bündnis für Demokratie und Toleranz
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Nina Lippmann
Stresemannstraße 90, 10963 Berlin
Telefon: 030/236 34 08-13
E-mail: lippmann@bfdt.de


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