07.08.2014

Ausstellung „Kicker, Kämpfer und Legenden“

Plakat: Kicker, Kämpfer und Legenden
Fußball ist der Lieblingssport der Deutschen. Wenige wissen jedoch, dass ihm eine wichtige Tradition fast vollständig verloren gegangen ist: Die der zahlreichen jüdischen Fußballer, Trainer, Journalisten und Funktionäre, die den Fußball populär und zu dem gemacht haben, was er heute ist. Die Ausstellung „Kicker, Kämpfer und Legenden“ widmete sich diesem vergessenen Bereich und brachte die Fußballstars von einst zurück auf den Platz. Von Februar bis Juli 2010 war sie in der Geschäftsstelle des Bündnisses für Demokratie und Toleranz (BfDT) in Berlin zu sehen.

“Kicker, Kämpfer und Legenden“ zeichnete die Karrieren und Lebenswege der großen Männer des jüdisch-deutschen Fußballs nach. So zum Beispiel die von Kurt Landauer, dem jüdischen Präsidenten und dem jüdischen Trainer Richard „Little“ Dombi des FC Bayern München. Als sie 1932 zum ersten Mal den deutschen Meistertitel für ihren Verein errangen, wurden sie wie Helden gefeiert. Nur ein Jahr später endete ihre Karriere schlagartig: Die Nationalsozialisten veranlassten, dass jüdische Sportler, Trainer und Funktionäre aus den Vereinen ausgeschlossen wurden. Walther Bensemann, der 1900 die ersten internationalen Spiele organisiert, bei der Gründung des DFB mitgewirkt und die Fußballzeitschrift „Der Kicker“ ins Leben gerufen hatte, wanderte daraufhin in die Schweiz aus. Ihr Schicksal teilten alle Juden und Jüdinnen in Deutschland mit ihnen: Bis November 1938 durften Juden und Jüdinnen nur noch in jüdischen Vereinen spielen. Danach wurden alle Sportaktivitäten für sie verboten.
Unvergleichlich deutlich machte die Ausstellung die Mechanismen der planvollen Ausgrenzung bestimmter Bevölkerungsgruppen unter dem NS-Regime. “Kicker, Kämpfer und Legenden“ erweckt ein Bild der Geschichte des Fußballs zum Leben und regt gleichzeitig zur Auseinandersetzung mit dem dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte an. Die Ausstellung leistete damit nicht nur einen Beitrag zur Erinnerung und Würdigung legendärer Fußballikonen, die so ihren verdienten Platz in der Historie einnahmen. Sie führte auch den Nationalsozialismus in seinem falsch verstandenen Deutschtum und seiner Absurdität vor.

Ursprünglich vom Centrum Judaicum in Auftrag gegeben, gibt es mittlerweile eine zweite Ausführung von “Kicker, Kämpfer und Legenden“, die im Besitz der Evangelischen Versöhnungskirche (KZ-Gedenkstätte Dachau) ist.

Interner LinkEvangelische Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau
Interner LinkKZ-Gedenkstätte Dachau
Download-IconInfo-Heft zur Ausstellung "Kicker, Kämpfer und Legenden"