19.05.2016

Preisträger im Wettbewerb "Aktiv für Demokratie und Toleranz" 2015 – Projekt "Initiative für Flüchtlinge in Torgelow"

Interview mit Harald Rinkens

Beim wöchentlichen Fußballspiel wird aus sechs Nationen (Eritrea, Somalia, Mauretanien, Marokko, Ghana, Deutschland) ein Team. (Foto: Harald Rinkens)Beim wöchentlichen Fußballspiel wird aus sechs Nationen (Eritrea, Somalia, Mauretanien, Marokko, Ghana, Deutschland) ein Team. (Foto: Harald Rinkens)
Die AG Willkommenskultur Torgelow (seit Oktober 2015 "Willkommenskultur Torgelow n. e. V.") engagiert sich seit November 2013 für Geflüchtete in der Stadt Torgelow (Vorpommern). Anfangs richtete sich das Engagement an Bewohner einer Gemeinschaftsunterkunft im Stadtteil Drögeheide, mittlerweile ist das Angebot offen für alle ca. 500 Geflüchteten der Stadt. Ihr Anspruch ist es, Menschen zu helfen, die Hilfe brauchen, vernünftige Freizeitangebote zu gestalten, Deutschunterricht zu geben und Hilfestellung zu leisten für alle Probleme, die an sie herangetragen werden.
Für diese Aktivitäten wurde das Projekt im Wettbewerb "Aktiv für Demokratie und Toleranz“ 2015 ausgezeichnet.

Wie ist die Initiative für Flüchtlinge in Torgelow entstanden?
Die Initiative ist aus dem Bündnis „Vorpommern weltoffen – demokratisch – bunt“ als Arbeitsgemeinschaft Torgelow im Sommer 2013 hervorgegangen, als die ersten Flüchtlinge angekündigt wurden und die Stadt Torgelow einen Wohnblock als Gemeinschaftsunterkunft ausgewiesen hatte. Seit Oktober 2015 sind wir ein Verein mit dem Namen „Willkommenskultur Torgelow n. e. V.“

Was sind Ihre Ziele und welche konkreten Botschaften versuchen Sie zu vermitteln?
Die Ziele sind Menschen zu helfen, die Hilfe benötigen und alle Mittel und Kräfte dafür einzusetzen, um die Geflüchteten in die Lage zu versetzen, sich möglichst rasch integrieren zu können. Wir versuchen zu vermitteln, dass die Geflüchteten, auch wenn sie anders aussehen und aus anderen Kulturkreisen stammen, die gleichen Nöte, Sorgen und Bedürfnisse haben wie wir alle. Kurz gesagt: Es sind ganz normale Menschen.

Was unternehmen Sie mit den Geflüchteten?
Gefeiert wird das "Zuckerfest" (Ende des Ramadan) im Pfarrgarten der ev. Kirchengemeinde Torgelow mit 90 Gästen, darunter Muslime, Christen und Atheisten. (Foto: Harald Rinkens)Gefeiert wird das "Zuckerfest" (Ende des Ramadan) im Pfarrgarten der ev. Kirchengemeinde Torgelow mit 90 Gästen, darunter Muslime, Christen und Atheisten. (Foto: Harald Rinkens)

Wir bieten folgende Unternehmungen an: Deutschunterricht (insgesamt fünf Kurse für je zehn Personen), zweimal pro Woche Fußball als Freizeitbeschäftigung, Hausaufgabenhilfe für Kinder; Basteln und Malen für Erwachsene und Kinder, eine von Geflüchteten betriebene Fahrradwerkstatt, ein Frauencafé, eine Nähstube, ein Musikraum mit Instrumenten, Mitarbeit in unserem Verein, Einbindung der Geflüchteten in alle möglichen Veranstaltungen, öffentliche Sommerfeste, gemeinsames Feiern des Zuckerfestes (Beendigung des Ramadan) auf dem Pfarrhof der evangelischen Kirchengemeinde, gemeinsame Adventnachmittage, gemeinsames Feiern der Orthodoxen Weihnacht und des orthodoxen Osterfestes, Begleitung zu Ämtern und Behörden.

Was bedeutet die Auszeichnung für Ihr Projekt? Welche Auswirkungen wird der Gewinn auf Ihre Arbeit haben?
Die Auszeichnung bedeutet erst einmal, zumindest vorübergehend, finanzielle Unabhängigkeit. Wir müssen nicht mehr für unsere Projekte um jeden Euro feilschen. Weiterhin bedeutet es, dass wir und unsere Arbeit bekannter werden und dadurch die Spendenbereitschaft steigt.

Welche Visionen haben Sie für die Zukunft?
Wir wollen den Menschen, die in unsere Region kommen und Hilfe benötigen, unsere Unterstützung weiterhin – und zwar so lange wie nötig – zur Verfügung stellen. Als aktuelles Projekt planen wir in der Gemeinschaftsunterkunft einen Gemeinschaftsraum auszubauen, um auch im eigenen Haus gemeinsame Feiern durchführen zu können.