19.05.2015

Yalla Connect - kreative Zusammenarbeit mit FlĂĽchtlingen in Deutschland

“Yalla connect” ist eine Gruppe geflüchteter und herkunftsdeutscher Menschen, die sich gemeinsam dafür einsetzen, dass die Perspektiven von Geflüchteten in den öffentlichen Fokus gerückt werden.

Interview mit Svenja F. vom Yalla Connect Team und dem GeflĂĽchteten Moyad R.

Woher kam die Idee fĂĽr Ihr Projekt?
Moyad R.: Wenn Geflüchtete nach Deutschland kommen, sind sie mit vielen Herausforderungen und Problemen konfrontiert. Wir haben dieses Projekt aus humanitären Gründen initiiert, um deutschen Bürger/-innen einen Einblick in diese Welt zu geben. Indem Geflüchtete ihre Geschichten mit der Öffentlichkeit teilen und von den Problemen, die sie bewältigen müssen, berichten, soll das Verständnis für ihre Themen in der Gesellschaft gefördert werden. Unser Hauptziel ist dabei, dass die Stimmen der Geflüchteten gehört werden.

Die Organisator/-innen von Yalla Connect (Foto: Yalla Connect)Die Organisator/-innen von Yalla Connect (Foto: Yalla Connect)
Svenja F.: Zur Zeit werden sie in unserer Gesellschaft oft überhört, was zum Beispiel an einer Medienberichterstattung zu sehen ist, die meistens die Perspektive der Geflüchteten auslässt – auch wenn es um sie geht. Außerdem vertreten wir die Meinung, dass Nationalität etwas Zufälliges ist, was sich niemand aussuchen kann und womit, je nach Herkunftsland, immense Privilegien oder Benachteiligungen verknüpft sind. Wir wollen diese Ungleichheit reduzieren, indem eine Verbindung zwischen privilegierten und weniger privilegierten Menschen entsteht, um für alle Menschen dieselben Möglichkeiten zur Teilhabe in dieser Gesellschaft zu erreichen.


Erzählen Sie kurz von Ihrer vielfältigen Arbeit mit den Geflüchteten?
Moyad R.: Wir teilen die Probleme und Erfahrungen, individuelle Geschichten und Erlebnisse von Geflüchteten mit der Öffentlichkeit – sei es die Dublin Thematik (europäischer Gesetzesrahmen), die Situation in den Camps oder soziale Themen wie Familienzusammenführungen: Es gibt viel zu sagen. Dies geschah bisher in Form von Texten und Interviews. Wir versuchen derzeit über Vernetzung und Veranstaltungsorganisationen unsere Internetseite bekannter zu machen, um sie als Plattform für Geflüchtete zu etablieren, die sich mitteilen wollen.

Wie funktioniert die konkrete Zusammenarbeit im Projekt? Mit welchen Akteur/-innen aus Zivilgesellschaft und Politik kooperieren Sie dabei?
Die Gruppe von Yalla Connect an einem Workshopwochenende (Foto: Yalla Connect)Die Gruppe von Yalla Connect an einem Workshopwochenende (Foto: Yalla Connect)
Moyaf R.: Wir kommunizieren viel online miteinander und versuchen uns so oft wie möglich zu treffen. Allerdings sind solche Treffen nicht leicht zu realisieren, weil viele der Geflüchteten mittlerweile ihren Transfer zu anderen Heimen hatten bzw. teilweise ihren Aufenthaltsstatus bereits erhalten haben und aus Thüringen in andere Städte gezogen sind.

Svenja F.: Wir kooperieren bisher gar nicht mit Politiker/-innen – wir denken, dass diese Entscheidungsträger/-innen sich selbst eine Stimme in der Gesellschaft verschaffen können und es auch tun. Unser Fokus liegt darauf das Ungleichgewicht in der öffentlichen Debatte zu reduzieren. Gleichzeitig versuchen wir uns mit anderen Strukturen und Vereinen zu vernetzen, die ebenfalls im Bereich Asylpolitik aktiv sind, um so ein Netzwerk aufzubauen und uns gegenseitig zu stützen.

Herr Moyad R., welche persönlichen Erfahrungen haben Sie bei den ersten Schritten in Deutschland gemacht?
Als ich nach Deutschland gekommen bin, wurde ich von der Ausländerbehörde nach Thüringen geschickt. Ich kannte niemanden, aber die Yalla Connect Gruppe zu treffen und in das Projekt involviert zu werden, hat mir beim Ankommen geholfen. Aber abgesehen davon sind die ersten Schritte für die meisten Geflüchteten die härtesten. Dinge wie medizinische Versorgung, der ganze rechtliche Prozess, die richtigen Ansprechpartner/-innen für unterschiedlichste Fragen finden: All das ist sehr schwierig und es gibt kaum professionelle Unterstützung. Es passiert leicht, dass man sich auf Grund von Übersetzungsschwierigkeiten in den Abläufen verliert, etwas von Wichtigkeit übersieht, weil man es nicht besser weiß und insgesamt über die eigene Situation auf Grund der sprachlichen Problematik nicht immer gut informiert ist. Außerdem können wir uns keine Übersetzung leisten, die den aktuellen Status unseres Asylantrags oder den Ablauf der medizinischen Versorgung nachfragen könnte. So können wir nur warten. Es gibt keine bestehende Struktur, die uns hilft mit den deutschen Gepflogenheiten bekannt zu werden und die uns das Ankommen erleichtert.

Können sich geflüchtete Menschen aus anderen Bundesländern auch an dem Projekt beteiligen?
Moyad R.: Ja, sehr gerne. Es gibt unterschiedliche Partizipationsmöglichkeiten, für die geografische Nähe nicht unbedingt notwendig ist!

Weitere Informationen ĂĽber Yalla Connect finden Sie Interner Linkhier.