23.04.2015

PreistrĂ€ger des Wettbewerbs „Aktiv fĂŒr Demokratie und Toleranz“ 2014 – Fußball grenzenlos - 11 statt 88

Interview mit Sven Kaseler

Logo des Projekts "Fußball grenzenlos - 11 statt 88"
Das Projekt "Fußball grenzenlos - 11 statt 88" wird von den Partysahnen e.V. und Augen auf e.V. gleichberechtigt getragen. Partysahnen e.V. beschĂ€ftigt sich seit 1998 mit kultureller Jugendarbeit. Augen auf e.V. ist seit 2004 als politischer Verein in der Demokratie- und Antirassismusarbeit tĂ€tig. Beide Vereine haben ihr TĂ€tigkeitsfeld in Ostsachsen und fĂŒhren seit Jahren auch gemeinsame Projekte durch. Dazu zĂ€hlen die trinationalen Projekte "Tonwoche" und "3Eck-Soccer", welche mit Partnervereinen aus Polen und Tschechien in der Euroregion Neiße durchgefĂŒhrt werden. Das Flaggschiff der Zusammenarbeit beider Vereine ist das grĂ¶ĂŸte antirassistische Event in Ostsachsen – "Fußball grenzenlos".

Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrem vorbildlichen Projekt?
Mit dem Projekt "Fußball grenzenlos" wollen wir ganz allgemein die interkulturelle Begegnung von Menschen aus dem DreilĂ€ndereck - Deutschland - Tschechien - Polen - ermöglichen und das Entstehen eines GemeinschaftsgefĂŒhls im europĂ€ischen Sinne fördern. Kritisches Denken und Handeln im Alltag soll ebenso angeregt werden wie kĂŒnftiges Engagement im Ehrenamt. Durch vorgelebtes respektvolles Miteinander fĂŒr Toleranz soll die EmpathiefĂ€higkeit der Teilnehmenden gestĂ€rkt werden.

Das antirassistische Turnier "Fußball grenzenlos" erfreut sich steigender Beliebtheit - auf der einen Seite bei Jugendlichen, die daran teilnehmen möchten, auf der anderen Seite bei denen, die es verhindern wollen. An diesem internationalen Turnier nehmen Teams aus Polen, Deutschland und der Tschechischen Republik teil, jedes Jahr stehen auch Migrantenteams und Mannschaften mit jugendlichen SpĂ€taussiedlern auf dem Platz.

Doch "Fußball grenzenlos" steht fĂŒr mehr als nur fĂŒr einen sportlichem Wettkampf mit interkultureller Note. Fußball als Breitensport bietet unglaubliche Potentiale fĂŒr die Begegnung von Menschen, das Zusammenwachsen einer Gemeinschaft und nicht zuletzt fĂŒr antirassistische Arbeit. Unser Turnier kombiniert Sport mit politischer Bildungsarbeit und Kultur: Neben den Fußballspielen gibt es eine Vielzahl an Workshops und VortrĂ€gen, die Rassismus und menschenverachtende Einstellungen im Fußball und in der Gesellschaft thematisieren. An den Abenden des Wochenendes gibt es jeweils ein Konzert, bei welchem beliebte, regionale und ĂŒberregionale KĂŒnstlerinnen und KĂŒnstler auftreten.

Welchen Herausforderungen stehen Sie dabei gegenĂŒber?
Diskussionsrunde während des Tunierwochenendes (Foto: Jörg Steinhauer)Diskussionsrunde wĂ€hrend des Tunierwochenendes (Foto: Jörg Steinhauer)
Die Entwicklung rechter Strukturen in Ostsachsen ist beĂ€ngstigend: Die Region wird immer hĂ€ufiger zum Aufmarsch- und Aktionsgebiet der NPD und der rechten Szene im Allgemeinen. Der Landesparteitag der sĂ€chsischen NPD im Januar 2012 im Hotel "Neisseblick" in Ostritz, der erneute Aufmarsch hunderter Neonazis zum ersten Mai in Bautzen, die bundesweit grĂ¶ĂŸten Konzerte der rechten Szene sind nur einige Beispiele. Auch gemeinsame Aktionen mit tschechischen Rechtsradikalen im Zuge der Ausschreitungen gegen die Minderheit der Roma im Grenzgebiet nehmen zu. Außerdem liegen hier die Wahlkreise mit den höchsten Stimmenanteilen fĂŒr NPD und AfD und es formieren sich immer mehr Gruppen, die offen hetzerisch gegen AsylunterkĂŒnfte und deren Bewohner/-innen vorgehen. Gemeinden und Kommunen stehen dieser Entwicklung meist ratlos gegenĂŒber.

Bestehende zivilgesellschaftliche Netzwerke reagieren meist verzögert auf aktuelle Brennpunkte. Dadurch ist es umso notwendiger, die Zusammenarbeit der zivilgesellschaftlichen Akteure zu intensivieren und Kompensationseffekte zu erreichen. In den letzten Jahren aufgebaute Netzwerke konnten dabei wichtige Erfolge erzielen. Um diese Arbeit verstetigen zu können, bedarf es praxisorientierter, dauerhafter Arbeit der Netzwerkpartner auf vielen Ebenen und bei Veranstaltungen, wie dem traditionell grĂ¶ĂŸten Antirassismusevent in Ostsachsen: "Fußball grenzenlos".

Welche Auswirkungen hatte der Gewinn auf Ihre Arbeit?
Trinationales Fussballspiel (Foto: Jörg Steinhauer)Trinationales Fussballspiel (Foto: Jörg Steinhauer)
FĂŒr uns ist die Auszeichnung Ansporn und Ehre zugleich. Wir sind stolz als politischer Verein in diesem Umfang geehrt zu werden. Es zeigt uns, dass die Arbeit unserer Mitglieder, die UnterstĂŒtzung all der vielen Helfer/-innen in zwölf Projektjahren richtig und wichtig ist bzw. war: Wichtig fĂŒr die Region, aber auch ein beispielgebendes Engagement von deutschlandweiter Bedeutung. Der Gewinn hilft uns rechtzeitig das nĂ€chste "Fußball grenzenlos" planen zu können und stellt die DurchfĂŒhrung vom 10. bis 12. Juli sicher. Angereichert mit einigen Verbesserungen und Erweiterungen, die in den Vorjahren aus finanziellen GrĂŒnden leider nicht umsetzbar waren.

Was konnten Sie im Jahr 2014 erreichen und welche Aktionen planen Sie fĂŒr die Zukunft?
"Fußball grenzenlos" feierte 2014 sein elfjĂ€hriges Bestehen und blickt auf eine sehr bewegte Geschichte zurĂŒck. Vor allem in den frĂŒhen Jahren kam es regelmĂ€ĂŸig zu Übergriffen und Provokationen von Neonazis und deren Sympathisanten. Nach wie vor ist ein umfangreiches und kostenintensives Sicherheitssystem nötig, um den Teilnehmenden ein sorgenfreies Wochenende zu ermöglichen. In Zukunft soll die Marke "Fußball grenzenlos" weiter ausgebaut werden: Unser Traum ist es eine sachsenweite Antirassismusliga.

Weitere Informationen zum diesjÀhrigen Tunier finden Sie Interner Linkhier.