19.02.2015

buntkicktgut: "Unsere Arbeit belebt Kinder, Bolzpl├Ątze und Stadtviertel"

buntkicktgut ist die interkulturelle Stra├čenfu├čball-Liga f├╝r Kinder und Jugendliche in M├╝nchen, die auf ganz spielerische Art und Weise verschiedenste Menschen und Kulturen verbindet. Einzigartig in Europa, da es sich nicht um ein zeitlich begrenztes Projekt handelt, sondern im Sommer wie im Winter Jungen und M├Ądchen f├Ârdert und fordert ÔÇô durch seine besondere Form der Partizipation, Integration und Identifikation.

Interview mit R├╝diger Heid, Mitgr├╝nder und Leiter von buntkicktgut:

Rüdiger Heid, Mitgründer und Leiter von buntkicktgut (Foto: buntkicktgut)R├╝diger Heid, Mitgr├╝nder und Leiter von buntkicktgut (Foto: buntkicktgut)
Wie entstand die Idee f├╝r buntkicktgut?

Das war 1996 w├Ąhrend der Fl├╝chtlingswelle durch den Jugoslawienkrieg. Meine damaligen Kollegen und Fl├╝chtlingsbetreuer Hans-Peter Niessner, Memo Arikan und ich kamen auf die Idee, durch Fu├čball vor allem interkulturelle und sprachliche Barrieren unter den Jugendlichen zu l├Âsen und zu lockern. Die Liga bestand damals aus 10 Teams. Seit 1998 l├Ąuft sie unter dem Namen "buntkicktgut". Mittlerweile haben wir allein in M├╝nchen jedes Jahr weit ├╝ber 2.500 Teilnehmer/-innen in ├╝ber 200 Teams aus ├╝ber 100 verschiedenen Herkunftsl├Ąndern. Wir betreuen pro Woche etwa 700 bis 800 Kinder und Jugendliche.

Wie gelingt es Ihnen junge Menschen verschiedenster Herkunft f├╝r buntkicktgut zu begeistern?

Diese Begeisterung und Kraft erzeugt in erster Linie der Ball. Sobald er ins Spiel kommt und rollt, ist bereits die erste Br├╝cke geschlagen. Au├čerdem ist buntkicktgut eine Stra├čenfu├čball-Liga f├╝r Kinder und von Kindern. Partizipation ist eine ganz wichtige und entscheidende Grunds├Ąule unseres Konzepts. Ich k├╝mmere mich mit meinem Team um die Organisation der Spieltage und neue Standorte - um den Rest k├╝mmern sich die Kinder selbst. So haben sie einen eigenen Liga-Rat, der w├Ąhrend der Saison Konflikte l├Âst und ├╝ber Sperren, Regeln und Ausnahmen entscheidet. Im Magazin "buntkicker" k├Ânnen die Jungen und M├Ądchen Spielberichte, Interviews oder Reportagen schreiben.
In Stadtvierteln mit sozialen Brennpunkten arbeiten unsere Street-Football-Worker, die einzelne Teams trainieren und die Philosophie von buntkicktgut weitergeben. Sie basiert auf Fairplay, Toleranz, Partizipation und Gewaltfreiheit. Unsere Street-Football-Worker sind meist Jugendliche, die die Liga genau kennen, selber Fu├čball spielen und den Sprung aus sozial schwierigen Verh├Ąltnissen geschafft haben. Schiedsrichter/-in kann man bei uns ├╝brigens auch noch werden und ist damit Teil des Liga-Rats.

Wie kann man mitspielen?

Man braucht nur zusammen mit seinen Freund/-innen ein Team mit mindestens sechs Spieler/-innen anmelden, sich einen "coolen" Namen ausdenken und eine Startgeb├╝hr von 30 Euro zahlen. Dann kann man um den gro├čen Meisterpokal mitspielen. Alle Jungen wie M├Ądchen - auch ohne Migrations- oder Fl├╝chtlingshintergrund - im Alter zwischen sieben und 22 Jahren sind willkommen. Je nach Alter werden die Teams in f├╝nf Altersklassen aufgeteilt.
Trainung mit Flüchtlingen im Olympiastation in München (Foto: buntkicktgut)Trainung mit Fl├╝chtlingen im Olympiastation in M├╝nchen (Foto: buntkicktgut)
Die Qualifikationsrunden f├╝r das gro├če Saisonfinale werden nach dem Motto: "Zeigt uns euer Stadion" durchgef├╝hrt mit wechselnden Spielorten im gesamten Stadtgebiet. Jedes angemeldete Team muss dabei einmal pro Saison Gastgeber sein und einen Platz (Bolzplatz, Schulsportplatz, Park) nennen, auf dem der Spieltag ausgetragen wird.
Au├čerdem bieten wir spezielle Auswahltrainings f├╝r Kinder aus M├╝nchen sowie unbegleiteten minderj├Ąhrigen Fl├╝chtlinge an. So begegnen sich die Kinder und Jugendlichen auf Augenh├Âhe und helfen sich auch im Alltag. Wir arbeiten au├čerdem eng mit Jugend├Ąmtern, Sozialreferaten und sozialen Einrichtungen zusammen.

Wo finden sich Ableger der Initiative?

Neben M├╝nchen haben wir Standorte in Dortmund, W├╝rzburg, Berlin und momentan drei in Niederbayern ÔÇô Straubing, Dingolfing und Landshut. N├╝rnberg und D├╝sseldorf sind geplant. In den St├Ądten verstehen wir uns mittlerweile als sozialer Baustein einer modernen Stadtplanung. Denn unsere Arbeit belebt Kinder, Bolzpl├Ątze und damit auch viele Stadtviertel. Mit Organisationen in Serbien, Polen, England, Ungarn, der Schweiz und ├ľsterreich gibt es enge Vernetzungen, dorthin veranstalten wir interkulturelle Feriencamps f├╝r die St├Ąrkung des europ├Ąischen Gedankens.

Welche Projekte haben Sie f├╝r die Zukunft geplant?

Street-Football-Worker in Togo (Foto: buntkicktgut)Street-Football-Worker in Togo (Foto: buntkicktgut)
In Togo, genauer gesagt in Sokod├ę, arbeiten wir seit vier Jahren daran, eine interkulturelle Stra├čenfu├čball-Liga wie in M├╝nchen aufzubauen. Mit dabei ist unser langj├Ąhriger Spieler und mittlerweile Auszubildender Oussman Kofia, der in Sokod├ę geboren ist und den Kindern in seiner Stadt ebenfalls die gro├če Kraft des Fu├čballs, ├╝ber den Sportplatz hinaus, vermitteln will. Hierbei geht es auch darum, die Organisationen der Diaspora beim Austausch mit und bei Projekten in ihren Herkunftsl├Ąndern zu unterst├╝tzen und Br├╝cken zu bilden.