23.09.2014

"Die Einwanderungsgesellschaft aktiv gestalten - Lokale Handlungsstrategien fĂĽr mehr Akzeptanz"

Bundesweite Kooperationsveranstaltung am 12. und 13. September in Duisburg

Gesprächsrunde zu kommunalen Strategien für mehr Akzeptanz: Özlem Sarikaya, Elisabeth Pater, Dr. Thomas Bryant, Alexander Häusler (Foto: BfDT, v.l.n.r.)Gesprächsrunde zu kommunalen Strategien fĂĽr mehr Akzeptanz: Ă–zlem Sarikaya, Elisabeth Pater, Dr. Thomas Bryant, Alexander Häusler (Foto: BfDT, v.l.n.r.)
Die sechs Werkstätten zu den Themenfeldern Bürgerkommunikation, Nachbarschaft, Kinder- und Jugendarbeit, Sport, interreligiöser Dialog und Arbeitswelt boten viel Gesprächsstoff (Foto: BfDT)
In Kleingruppen erarbeiten die Teilnehmenden neue lokale Handlungsstrategien (Foto: BfDT)
Die Teilnehmenden beim Besuch der Moschee in Marxloh (Foto: BfDT)
Am Freitag, 12.9.2014, und Samstag, 13.9.2014, kamen rund 80 Interessierte unter dem Motto "Die Einwanderungsgesellschaft aktiv gestalten" zusammen um in einer bundesweiten Kooperationsveranstaltung des BfDT und der Stadt Duisburg ĂĽber lokale Handlungsstrategien fĂĽr mehr Akzeptanz zu diskutieren.

In der Alten Feuerwache Duisburg erwartete sie ein abwechslungsreiches und praxisorientiertes Programm, das die beiden Tage im Nu vergehen lieĂź.

Özlem Sarikaya vom Bayerischen Rundfunk hieß die Teilnehmerinnen und Teilnehmer herzlich willkommen und übergab das Wort dem Duisburger Oberbürgermeister Sören Link. Dieser berichtete in seinem Grußwort von der intensiven Prägung Duisburgs durch Einwanderung in den letzten Jahrhunderten und folgerte "Duisburg kann Integration". Dr. Gregor Rosenthal, Leiter der BfDT-Geschäftsstelle, ging in seiner Begrüßung auf aktuelle Themen und Herausforderungen rund um eine Willkommens- und Anerkennungskultur und die Möglichkeiten der Zivilgesellschaft, hier mitzugestalten, ein. Er forderte daher alle auf, sich während der Veranstaltung aktiv einzubringen und neue Ansätze zu erarbeiten.

In einer Gesprächsrunde zu kommunalen Strategien für mehr Akzeptanz befragte Frau Sarikaya Elisabeth Pater vom Kommunalen Integrationszentrum Duisburg, Dr. Thomas Bryant von der bezirklichen Koordinierungsstelle für Demokratieentwicklung am Ort der Vielfalt Marzahn-Hellersdorf und Alexander Häusler von der Arbeitsstelle Neonazismus der FH Düsseldorf zu kommunalen Handlungsfeldern und –ansätzen. Frau Pater berichtete ausführlich von den Aktivitäten der Stadt Duisburg, wie z.B. die Zusammenarbeit mit den zivilgesellschaftlichen Akteuren des Runden Tischs "Offenes Rheinhausen". Dort begleiten Ansprechpartner/-innen wie etwa die "Roma-Scouts" neu Ankommende und zeigen ihnen, wo sie welche Hilfe bekommen. Dr. Bryant erläuterte, eine Kommune müsse informieren und über Fakten aufklären wenn z.B. ein neues Flüchtlingsheim eröffnet werden solle um möglicher "Stimmungsmache" durch Rechtsextreme zuvor zu kommen. Ein aktives Einbinden der Nachbarschaft biete zudem das Potenzial, dass Hilfsangebote und Begegnungen mit den Flüchtlingen entstünden. Alexander Häusler ergänzte die Ausführungen der beiden Praktiker/-innen aus Erkenntnissen seiner Forschung. So betonte er, wie wichtig ein klares Bekenntnis der Kommune zu einer Willkommenskultur sei, um zu verdeutlichen, dass Zuwanderung erwünscht sei. Ebenso seien rechtspopulistische Aussagen von demokratischen Parteien ungemein schädlich für die Demokratie, da sie Wasser auf den Mühlen der Rechtsextremen seien.

In sechs World Cafés wurden anschließend Beispiele guter Praxis aus den Bereichen Migrantenselbstorganisationen, lokale Netzwerke, Kinder- und Jugendarbeit, Sport, interreligiöse Aktivitäten und Arbeitswelt vorgestellt. Die World Cafés boten zudem Zeit und Raum für einen ersten intensiven Austausch. Dies wurde von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern so gut angenommen, dass die drei mal dreißig Minuten für drei verschiedene World Cafés viel zu schnell vergingen. Dies war sicherlich auch den äußerst spannenden und anregenden Beispiele aus der Praxis geschuldet.

Nach einem kurzen Abendimbiss machte sich ein Großteil der Teilnehmer/-innen auf nach Marxloh, um von Günter Holtmeyer durch die Merkez-Moschee geführt zu werden, zu der auch eine Ditib Bildungs- und Begegnungsstätte gehört. Mit großem Fachwissen und vielen interessanten Infos zur Gemeinde in Marxloh, der Region, der Moschee und dem interreligiösen Dialog vor Ort zog Herr Holtmeyer seine Zuhörer/-innen in den Bann. So erfuhren sie nicht nur viel über die wunderschön gestaltete Moschee, deren Bau aus Spenden finanziert wurde, sondern auch über die guten Kontakte zwischen Muslimen und Christen der benachbarten katholischen Kirche. Anschließend genossen die Teilnehmer/-innen noch einen Tee im Innenhof der Moschee.

Am Samstagmorgen stand das "Herzstück" der Veranstaltung an: sechs Werkstätten zu den Themenfeldern Bürgerkommunikation, Nachbarschaft, Kinder- und Jugendarbeit, Sport, interreligiöser Dialog und Arbeitswelt, in denen die Teilnehmer/-innen neue lokale Handlungsstrategien entwickeln sollten. Unterstützt von "Profis" aus der Praxis des jeweiligen Themenfelds diskutierten die Teilnehmer/-innen gemeinsam und erarbeiteten Lösungen, die anschließend auf der Bühne präsentiert wurden. Durch alle Themenfelder zeigte sich, dass es zwar keine Patentrezepte für mehr Miteinander vor Ort gibt – dafür hat jede Stadt, jede Region ihre eigenen Besonderheiten und Anforderungen, an die sich das Engagement anpassen muss. Einige Schlagwörter wiederholten sich aber immer wieder, wie etwa Informationen und eine direkte Ansprache, Kommunikation und Begegnungen auf Augenhöhe, Partizipation und Einbeziehung aller Beteiligten. Das "wie" scheint daher beim zivilgesellschaftlichen Engagement für mehr Akzeptanz mindestens die "halbe Miete" zu sein. Ebenso wichtig sind Vernetzung und Austausch untereinander, um neue Ideen und Ansätze kennenzulernen oder gemeinsam zu entwickeln. Das musste den Teilnehmer/-innen niemand erklären – sie saßen auch nach Ende der Veranstaltung noch zusammen, um möglichst viel frischen Wind mit nach Hause nehmen zu können.