17.05.2013

Partizipation stärken - Impulse geben und motivieren

Und ein Interview mit der Teilnehmerin Tooka Tajali

Dr. Gregor Rosenthal, Leiter der Geschäftsstelle des BfDT
Teilnehmer/-innen in einem Workshop
Im Workshop von ĂśmmĂĽhan Ciftci und Rahman Satti
Im Workshop von Sibylle Ramin
Das Bündnis für Demokratie und Toleranz (BfDT) und die Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. (KAS) veranstalteten am 27. und 28. April 2013 in Berlin das erste Modul einer Multiplikatorinnen- und Multiplikatoren-Schulung für Jugendliche. An den beiden Seminartagen rund um den Themenschwerpunkt „Partizipation stärken“ nahmen 17 Teilnehmer/-innen aus ganz Deutschland teil.

Die Schulung begann am Samstag, den 27. April um 14.00 Uhr in der Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung mit einer Begrüßung durch Herrn Dr. Ludger Gruber, stv. Hauptabteilungsleiter Politische Bildung der KAS, und Herrn Dr. Gregor Rosenthal, Leiter der Geschäftsstelle des BfDT.

Am ersten Tag fanden zwei Workshops zu den Themen „Persönliche Fähigkeiten ausbauen durch Partizipation“ und „Fachliche Kompetenzen stärken für das Engagement vor Ort“ statt. Die Workshops wurden fachlich von den Referentinnen und Referenten Rahman Satti (BfDT), Ümmühan Ciftci (Integreater e.V., Frankfurt) und Songül Incedal (Projekt Hürdenspringer+, Berlin) begleitet. Die Jugendlichen konnten die eigenen Projekte vorstellen, sie diskutierten über Selbstbewusstsein und Vertrauen in der Projektarbeit und lernten ihre individuellen Kompetenzen kennen. Das Abendprogramm gestaltete Dr. Suat Özkan, Unternehmer, Preisträger und engagierter Akteur verschiedener sozialer Projekte in Berlin, im Ost- West- Cafe.

Am Sonntag, den 28. April um 9.30 Uhr, nahmen die Jugendlichen an weiteren Workshops mit "Frühstücksfernsehen" teil. Hier konnten sie auf Youtube oder einer Website ihre Lieblingsprojekte vorstellen und sich darüber austauschen, was sie daran begeistert. Von 11.00 bis 15.00 Uhr wurden die Jugendlichen zum einen im Workshop „Netzwerke bilden“ mit den Fragen „Was ist ein Netzwerk?“, „Was zeichnet ein Netzwerk aus?“ oder „Wo finde ich geeignete Partner?“ konfrontiert und lernten dort die Grundlagen für ein funktionierendes und weitreichendes zivilgesellschaftliches Engagement. Zum anderen setzten sie sich im Workshop „Planen und Umsetzten“ mit der Projektarbeit auseinander. Nachdem sie die Grundlagen des Projektmanagements kennen gelernt hatten, definierten sie Ziele und fanden heraus, wie man ein Projekt auf Beständigkeit und Wirksamkeit überprüft.

Die Ergebnisse der Workshops wurden in einer Feedbackrunde am Nachmittag diskutiert. Die Teilnehmenden äußerten ihre Wünsche und Anregungen für die Konzeption der weiteren Module. Die schriftliche Evaluation der Teilnehmenden bildet die Grundlage für die Organisation weiterer Module in 2013.

Interview mit Tooka Tajali


Tooka Tajali
Tooka Tajali und Farhad Dilmaghani "DeutschPlus"-Gründer und ehemaliger Staatssekretär für Arbeit und Integration
Eine der Teilnehmer/-innen war Tooka Tajali. Sie berichtete uns in einem Interview von ihrem Engagement und der Schulung:

Hallo Tuka, bitte erzähle uns etwas über Dich. Wie alt bist Du? Woher kommst Du? Studierst Du oder gehst Du noch zur Schule?
Ja, Hallo! Ich bin Tuka, 20 Jahre alt, in Teheran geboren, im Saarland und der Schweiz aufgewachsen und bin nun fĂĽr das Studium nach Berlin gezogen.

Du warst fĂĽr die Organisation DeutschPlus bei der Multiplikatoren-Schulung. Was ist DeutschPlus und wie bist du zu dieser Organisation gekommen?
DeutschPlus ist eine Initiative, die sich für eine plurale Republik einsetzt. Wir beschäftigen uns im Grunde mit zwei Fragen. Zum einen mit der Frage: „Was bedeutet 'Deutsch-Sein' im 21. Jahrhundert?“. Ich erlebe es z.B. häufig, dass sich Menschen, die in Deutschland geboren sind, ihr komplettes Leben hier verbracht haben und deren Muttersprache Deutsch ist, trotz dessen als „Türke“, „Araber“ oder „Perser“ bezeichnen, obwohl beispielsweise nur ihre Eltern nach Deutschland immigriert sind. Das ist für mich ein Indikator für eine immer noch existierende Stigmatisierung von „Nicht-Bio-Deutschen“, was letztendlich nur zur Folge hat, dass sich diese Menschen ausgegrenzt, desintegriert und somit auch nicht „den Deutschen“ angehörig fühlen. Hierzu organisieren wir verschiedene Veranstaltungen, bei denen man sich mit diesen und ähnlichen Fragen auseinandersetzt.
Zum anderen beschäftigt sich DeutschPlus mit der Frage, wie man es schafft, die Repräsentationslücke zu schließen. Es ist leicht zu erkennen, dass Menschen mit Migrationshintergrund meistens nur dann in den Medien auftauchen, wenn sie über Themen wie „Migration“, „Islam“ oder ähnliche befragt werden. Wieso sollten sie nicht auch über andere Themen interviewt werden? Uns von DeutschPlus ist es wichtig, Minderheiten, wie Menschen mit Migrationshintergrund in der Öffentlichkeit präsenter zu machen und sie von dieser „Islam/Migrations-Stigmatisierung“ zu befreien. So hat DeutschPlus z.B. den „Vielfaltfinder“ entwickelt – eine kostenfreie Onlinedatenbank zur Recherche von ExpertInnen mit Einwanderungsgeschichte. Durch solche Schritte versuchen wir unseren Zielen näher zu kommen. Ich bin aus diesen und vielen weiteren Gründen absolut überzeugt von DeutschPlus.

Was hat Dir an der Multiplikatoren-Schulung besonders gefallen? Hast Du Aspekte kennen gelernt, die Dir neu waren?
Es war schön zu sehen, dass es neben mir auch viele weitere Menschen gibt, sie sich für ein demokratischeres Miteinander einsetzen. Auch war es sehr interessant Menschen kennenzulernen, die es geschafft haben, bundesweit erfolgreiche Initiativen zu etablieren. Ümmühan Ciftci von dem Projekt „InteGREATer“ war eine von Ihnen. Von ihr wurde uns z.B. erzählt, dass selbst sie mit ihren Projekten schwere Niederlagen und Hürden bewältigen musste und dass sich ihre Ausdauer letztendlich mehr als ausgezahlt hat. Das hat Mut gemacht.

Kannst Du Themen oder Ergebnisse aus der Multiplikatoren-Schulung fĂĽr Dein eigenes Engagement nutzen? Wenn ja, welche und wie?
Uns wurde hauptsächlich noch einmal verdeutlicht, wie wichtig es ist, sich gesellschaftlich zu beteiligen. Wir können die Welt nicht von heute auf morgen ändern, aber wir können versuchen durch unser persönliches Engagement kleine große Veränderungen hervorzurufen. Dieses Wissen habe ich schon immer versucht in meinem Umfeld weiterzutragen und werde dies auch weiterhin tun.

Wie sehen Deine weiteren Pläne aus? Gibt es bereits Projekte, die Dich interessieren, willst Du Deine Erfahrungen aus dem Ehrenamt und der Schulung an andere weitergeben, oder hast Du vielleicht eine Idee, die Du unbedingt umsetzten willst?
Durch die Multiplikatoren/-innen-Schulung konnte ich einige neue Projekt-Ideen kennenlernen, was meine Motivation, ein eigenes Projekt zu gründen, um ein Vielfaches gesteigert hat. Explizite Pläne verfolge ich noch nicht, denke aber, dass sich dies im Laufe der nächsten Schulungs-Module ändern wird.