28.03.2012

„Wir dürfen auf keinen Fall nachlassen in unserem Engagement!“

Die vierte Rück- und Ausblicksveranstaltung des Bündnisses für Demokratie und Toleranz (BfDT) fand am 09. und 10. März in Köln statt

Vor zwei Jahren feierte das Bündnis sein 10jähriges Jubiläum. Aus ganz Deutschland kamen ehemalige Preisträger, Botschafter für Demokratie und Toleranz, Partner des BfDT und Repräsentanten aus Politik, Wirtschaft und Sozialverbänden nach Berlin, um am Tag der Verfassung auch diesen Anlass zu feiern. Schon im Vorfeld wurde die Idee geboren, das Jubiläum nicht ohne einen kritischen Rück- und Ausblick auf die Arbeit des Bündnisses verstreichen zu lassen. Insbesondere von jenen, die uns seit vielen Jahren nicht nur unterstützen, sondern im Rahmen von Veranstaltungen und gemeinsamen Kooperationen begleiten, erhofften wir uns einen konstruktiv-kritischen Blick auf die gemeinsame Zusammenarbeit. Aber auch jene bundesweiten Initiativen, Vereine und Zusammenschlüsse, die sich erst seit kurzem sich u.a. unter dem Dach des Bündnisses für Demokratie und Toleranz engagieren, waren für den Ausblick auf zukünftige Aktivitäten des BfDT wertvolle Rat- und Impulsgeber.

Die Stadt Köln zeigte sich am Freitagmittag von ihrer besten Seite. Bei frühlingshaftem Wetter trafen die rund 60 Teilnehmenden sowie die ReferentInnen und VeranstalterInnen im Sport- und Olympia-Museum der Rhein-Stadt ein. Der eigentümliche Geruch von Sportmatten und Tartan-Belag hätte nicht besser zum Anlass der vierten Rück- und Ausblicksveranstaltung des Bündnisses passen können. „Aktiv im Verein – aktiv für Toleranz?!“ Dieses Frage-, aber auch Ausrufezeichen begleitete die Debatten in den Workshops, am Abend und in den Pausen stets. Was muss der Sport leisten? Was kann er leisten? Müssen sich Vereine einmischen, wenn politische Debatten und vielleicht sogar rechtsextremes Gedankengut in ihren Vereinen kundgetan wird? Sind Sportvereine die Bastionen gelungener Integration und was soll man tun, wenn man sich engagieren möchte, aber allein auf weiter Flur ist? Alle jene und viele Fragen mehr diskutierten die Vereinsaktiven aus Kiel, Hamburg, Dortmund, Nürnberg, Wiesbaden und Berlin mit Engagierten aus zum Teil anderen Sportrichtungen oder gar sportfernen Vereinigung, die jedoch an der Schnittstelle zwischen Sport und Gesellschaft arbeiten.

Ein deutliches Ja auf die Frage, ob der Sport und die Vereine sich einmischen müssen, wenn es um grundlegende demokratische Werte und praktische Verhaltensweisen geht, kam vom BfDT-Beiratsmitglied Ingo Weiss. In einem detailreichen und politischen Input ging er insbesondere auf die Gefahren des Rechtsextremismus für unsere Gesellschaft im Ganzen und für den einzelnen Sportverein im Besonderen ein. Weiss, der u.a. Vorsitzender der Deutschen Sportjugend und Präsident des Deutschen Basketball Bundes ist, konnte mit Blick auf seine Lieblingsballsportart – den Basketball – vom positiven Einfluss des Sports auf junge Menschen berichten und rief dazu auf, dieses Potential nicht ungenutzt verstreichen zu lassen.

Auch Dr. Gregor Rosenthal, Leiter des Bündnisses für Demokratie und Toleranz, fand deutliche Worte in Bezug auf die gesamtgesellschaftliche Aufgabe, gegen Gewalt und Extremismus einzutreten. „In Köln gibt es das so passende wie zutreffende Sprichwort „Jeder Jeck ist anders“. Diese grundlegende Toleranz und Offenheit dem anderen gegenüber muss auch im Sport, in den Vereinen vor Ort gelebt werden und wird dort auch gelebt. Kaum eine andere Freizeitbeschäftigung schafft es, so viele Kinder und Jugendliche zu mobilisieren und ihnen beim Spaß am Sport auch noch so grundlegende Werte wie gegenseitiger Respekt, Fairness und Achtung vor dem anderen beizubringen. Diese Wirkungsmacht des Sports haben wir als Bündnis seit Ende 2006 erkannt und fördern seitdem aktiv Veranstaltungen, Turniere und die grundlegende Arbeit der Sportvereine für Demokratie und Toleranz vor Ort.“ Ein zentraler Ansatz des BfDT ist es hierbei stets gewesen, Sportvereine und -verbände mit zivilgesellschaftlichen Akteuren, wie z.B. Initiativen im Bereich der Integration, Rechtsextremismusbekämpfung und Demokratieerziehung zusammenzubringen.

Dieser und weitere Ansätze wurden in den insgesamt sieben Workshops, die in zwei Phasen stattfanden, analysiert und diskutiert. In der ersten, der Rückblicksphase, stellten ausschließlich Referentinnen und Referenten, die bereits Kooperationen mit dem Bündnis durchgeführt haben, die gemeinsamen Projekte, ihre Ansätze, Erfolgsfaktoren, aber auch Fehlerbilanzen vor. So warf Tim Brentjes vom Deutschen Basketball Bund (DBB) einen ausführlichen Blick auf die verschiedenen Kooperationen zwischen BfDT und DBB. Insbesondere der Ansatz Gewaltprävention – die Förderung von jungen Frauen und Basketball miteinander zu verbinden - stellte er vor und konnte hier ein durchweg positives Fazit ziehen. Als verbesserungswürdig skizzierte er die im Ganzen sehr gut angenommene „Team Time Tour“ in Mecklenburg-Vorpommern und die „Future Fairness Tour“ in Sachsen-Anhalt. Zwar wurde das Ziel erreicht, jungen Menschen die vielfältigen Möglichkeiten eigenen Engagements in der Region aufzuzeigen, doch konnten beide Partner selbstkritisch festhalten, dass Kommunikationsabläufe und Absprachen noch zielgerichteter getroffen hätten werden können. Für die Teilnehmenden der Workshops waren diese Erkenntnisse wertvoll, denn sehr oft treffen die Vereinsengagierten selbst auf ähnliche Problemlagen. Hier war es insbesondere für das Bündnis erfreulich, wie erfolgreich und tatkräftig verschiedene Initiativen und Vereine vor Ort arbeiten und wie alle Workshops von ihren Erfahrungen profitieren konnten. Nach drei intensiven Stunden und insgesamt drei Workshops zu den Themen „Rassismus und Diskriminierung“, „Dialog und Vernetzung“ sowie „Interkulturelle Öffnung“ trafen sich alle TeilnehmerInnen im Kölner Brauhaus Gaffel und setzten ihre Gespräche und den Erfahrungsaustausch bis in die frühen Morgenstunden fort.

Was am Freitagnachmittag und -abend in der Rückblicksphase andiskutiert wurde, sollte am Samstag in vier Workshops vertieft werden. Abermals standen die Themen „Interkulturalität“ und „Anti-Rassismus-Arbeit“ auf der Agenda, wurden nunmehr aber auch auf Wunsch von Teilnehmenden früher Bündnis-Veranstaltungen um die Themen „Lobby- und Fundraisingarbeit“ und „Spaß am Ehrenamt“ ergänzt. Allen Workshops war es gemein, dass Sie an diesem Samstagvormittag den Schwerpunkt auf die Praxisarbeit legten, d.h. Wissensvermittlung fand hintergründig statt, doch der praktische Austausch über Probleme, Ansätze und Lösungswege stand im Vordergrund. Für Erstaunen sorgten die Diskussionen im Workshop 3 „Eine Lobby für gute Projekte – Netzwerken in eigener Sache“, denn Dr. Harald Seehausen vom Fußballverein SG Bornheim Grün-Weiss aus Frankfurt am Main brachte bei jedem Einzelnen der Teilnehmer die ressourcenbezogenen Potentiale der Vereine zum Vorschein. Was bietet mein Verein eigentlich? Welchen gesellschaftlichen Wert produziert er, indem sich Ehrenamtliche um Kinder und Jugendliche kümmern? Was ziehen Firmen, Institutionen und Stiftungen aus diesem geschaffenen Wert für ihre eigenen Kampagnen und Projekte? Wo bestehen Schnittstellen? All jene Fragen konnten in drei Stunden nur angerissen werden.

Dass das Thema Fundraising, aber auch Ehrenamtsarbeit den Vereinen unter den Nägeln brennt, wurde bei der Abschlusspräsentation im Plenum deutlich. Das stetige Auf-dem-laufen-Halten über extremistische Ideologien und Strategien ist enorm wichtig für gesellschaftspolitisch engagierte Vereine und Verbände. Themen wie Integration oder Konflikte mit sogenannten eigenethnischen Vereinen sind und bleiben aktuell und je nach Region und Stadt zunehmend drängend. Doch es sollte ein Mix aus Inhalt und Praxisbezug, wie ihn das Bündnis seit nunmehr über fünf Jahren praktiziert, auch weiterhin Anwendung finden. Denn: ehrenamtliches Engagement für Demokratie und Toleranz bedarf der dauerhaften intensiven Unterstützung – auch staatlicherseits. Und so gaben die Teilnehmenden der Tagung „Aktiv im Verein – aktiv für Toleranz“ den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des BfDT so einiges an Wünschen und Ideen mit auf den Weg nach Berlin.

Diese und die Ergebnisse der Workshops werden derzeit im Rahmen einer kurzen Dokumentation aufbereitet und den Tagungsteilnehmern, aber auch Interessierten zeitnah zur VerfĂĽgung gestellt.