17.01.2012

"Man ist miteinander - ob im Zuschauerraum oder auf der BĂĽhne"

Ein Interview mit Anne Düsterhöft

Foto: Theaterworkshop mit Anne Düsterhöft beim BfDT-JugendkongressFoto: Theaterworkshop mit Anne DĂĽsterhöft beim BfDT-Jugendkongress
Nicht nur bei der Veranstaltung "Sprache und Integration" am 15. Februar 2012 engagiert sich die Schauspielerin und Regisseurin Anne Düsterhöft rund um das Thema. Im Interview erklärt sie, warum Sprache ein wichtiger Schlüssel zur Integration ist.

Frau Düsterhöft, bei der Veranstaltung „Sprache und Integration“ werden Sie einen Workshop über Eindrücke und Erfahrungen mit Kommunikation leiten. Was sollen die Jugendlichen aus diesem Workshop mitnehmen?

Für mich ist der wichtige Punkt, wie wir eine gemeinsame Sprache finden und gleichzeitig voneinander lernen können. Wie gehen Jugendliche, insbesondere mit Migrationshintergrund, mit bestimmten Themen sprachlich um? Gehen sie zurück in ihre Muttersprache, um Gefühle nachzuvollziehen oder können sie auch in der deutschen Sprache Gefühle gut ausdrücken? Wir werden mit kleinen Szenen untersuchen, wo Jugendliche in ihre Muttersprache, in das Vertraute, zurückgehen und wie Ausgrenzung entstehen kann, weil man sich nicht artikulieren kann oder bestimmte Wörter nicht findet.

Ein weiterer Schwerpunkt des Workshops ist die Frage, wie sich Kommunikationsprobleme im Alltag auswirken. Hatten Sie eine persönliche Erfahrung, die Sie für dieses Thema sensibilisiert hat?


Ja. Als ich als Schauspielerin in einem Internationalen Workshop war, sollte ich eine Liebeserklärung in einer anderen Sprache machen. Ich merkte, dass ich persönlich daran gescheitert bin. Das Interessante war, dass ich körpersprachlich agieren konnte, mich aber trotzdem hilflos fühlte, weil ich mich sprachlich nicht so gut ausdrücken konnte. Das war für mich ein sehr emotionales Schlüsselerlebnis. Da merkte ich, wie wichtig Sprache ist. Ich stand vor einem Italiener, der die deutsche Sprache nicht konnte. Natürlich kann man sich auf vielen Wegen verständigen. Aber Sprache ist die Tür.

Wie kann man diese Tür für Jugendliche mit Migrationshintergrund stärker öffnen?


Meine Arbeitsweise ist die emotionale Arbeitsweise. Ich arbeite sehr stark mit Bildern. Wichtig ist, dass man das, was einem zunächst vielleicht fremd ist, emotional und körperlich erspüren kann. Beim Theater und in meinen Workshops ist die Gemeinschaft wichtig. Man ist kein Einzelkämpfer. Man ist miteinander - ob im Zuschauerraum oder auf der Bühne.

Auch auĂźerhalb der Veranstaltung bei der KAS setzten Sie sich ja als Regisseurin mit diesem Thema auseinander. Wie sieht dieses Engagement aus?

Ich bin ein Theatermensch mit Herz und Blut. In dieser Arbeit habe ich gelernt, dass die Themen, die uns manchmal fremd vorkommen, durch die Theaterarbeit leichter zugänglich werden. Zum Beispiel das Stück „Nathan der Weise“; zu dem ich beim Jugendkongress des Bündnisses für Demokratie und Toleranz 2011 einen Workshop angeboten habe; zunächst ist das ein nicht leicht zugängliches Stück. Und das Thema Toleranz ist hier wunderbar beschrieben. Allein das Wort Toleranz! Was bedeutet dieses Wort eigentlich? Erst wenn man mit diesem Wort spielt, ergeben sich Geschichten; denn jeder interpretiert Toleranz anders. Diese Erfahrungen bereichern nicht nur die Workshopteilnehmer, sondern auch mich. Zum Jugendkongress habe ich auch einen zweiten Workshop über Anne Frank angeboten. Danach hat eine Gruppe Jugendlicher ein KZ besucht. „Wir stehen nicht in diesem KZ wie vor einer Glaswand, sondern können einen persönlichen Bezug zu dem Thema aufbauen“, haben sie im Anschluss berichtet.

Theater ist für Sie also eine Möglichkeit, Integration zu fördern.


Auf alle Fälle! Das ist ja das Schöne daran. Theater hat seinen eigenen Zauber. Theater zu spielen, ist eine persönlich bereichernde Erfahrung, aber auch wenn man Theater auf der Bühne erlebt, kann das Jugendliche fördern. Für mich ist es wichtig, von unterschiedlichen Kulturen zu profitieren, gemeinsam zusammenzuarbeiten und Menschen mit einem Migrationshintergrund Chancen zu geben. Man muss ihnen zuhören, um eine gemeinsame Sprache zu bekommen. Nur so merken sie: „Auch ich gehöre in dieses Land. Ich habe genauso etwas zu sagen wie Menschen ohne Migrationshintergrund!“

Interner LinkVeranstaltung "Sprache und Integration"