23.11.2015

Interview mit Interkultour

Stadtspaziergänge in Pankow

Interview mit Frau Ute Novakovic



Die Jugendlichen beim Gespräch in der Moschee.Die Jugendlichen beim Gespräch in der Moschee.
Welche Ziele verfolgt die Interkultour? Wer gehört zur Zielgruppe?
Wie der Name schon erkennen lässt, geht es um kulturellen Austausch. Dazu schicken wir zwei Klassen, eine 10. Klasse des Heinrich- Schliemann Gymnasiums in Prenzlauer Berg und eine Klasse des OSZ für Gastgewerbe in Weissensee gemeinsam auf Tour in Pankow. Die Teilnehmer sind im Alter zwischen 16 und 20 Jahren und haben sehr unterschiedliche kulturelle Hintergründe. Während die Schüler des Gymnasiums, bis auf wenige Ausnahmen, aus deutschen gutbürgerlichen Familien stammen, haben die Schüler des OSZ zumeist eine Einwanderungsgeschichte.
Unser Ziel ist es, dass die Teilnehmer in einen Austausch gelangen. Was kann man voneinander lernen? Wie sieht man die Welt? Welche Ziele verfolgt man? Wir gehen davon aus, dass alles was wir tun, mit unseren Werten hinterlegt ist, auch der Umgang mit Gewalt. Darum bildet das Themenfeld Zivilcourage den roten Faden der „Interkultour“.

Erzählen Sie kurz genauer von den „Stadtspaziergängen in Pankow“.
Die Interkultour-Woche beginnt mit einem Workshop, den drei Theaterpädagoginnen konzipiert haben. Hier wird oft schon das Eis gebrochen. Die Teilnehmer werden angeregt, ihre Gedanken und Erfahrungen zu formulieren und ihre eigenen Identitäten zu hinterfragen zu denen auch ihre Kultur gehört. Dann machen wir uns auf den Weg zu Einrichtungen in unserem Bezirk. Dazu gehören der Mauerpark, die Gethesemane Kirche, das Haus der Fußballkulturen der Sportjugend am Cantianstadion, die Khadija Moschee, der Buddhistischer Tempel oder das Stadtteilzentrum. Das sind Orte, die Impulse bieten, die eigenen Werte zu reflektieren, Fremdes und Eigenes zu ergründen.

Wenn man sich eine Woche lang gemeinsam auf den Weg macht, kommt man sich automatisch näher. Der Umgang ist dann zwanglos, das ist die erklärte Absicht, damit Begegnungen tiefgründiger und emotionaler stattfinden können. Wir haben sehr qualifizierte Teamer, die den Teilnehmern dabei helfen, miteinander ins Gespräch zu kommen. Das können Sie sich so vorstellen, wie bei einer größeren Feierlichkeit. Sie werden als Gastgeber auch dafür sorgen, dass alle Gäste Unterhaltung finden und sich schnell zugehörig fühlen. Genau das übernehmen die Teamer.
Besuch im buddhistischen TempelBesuch im buddhistischen Tempel
Die Verantwortlichen der aufgesuchten Institutionen und die Teamer versuchen die Jugendlichen zum Engagement einzuladen. Immer wieder sind die Teilnehmer erstaunt, was es vor der eigenen HaustĂĽr alles zu entdecken gibt. Auch Pankow ist interkulturell.

Welche Botschaften versuchen Sie dabei, an Jugendliche zu vermitteln?
Lernt Euch richtig kennen. Lernt voneinander und wechselt auch mal die Perspektive. Menschen können sehr unterschiedlich sein. Besonders in Konfliktsituationen können unterschied-liche Auffassungen von Ehre, gesellschaftlicher Verantwortung und Demokratie auch mal problematisch sein. Wir wollen aber gewaltfrei miteinander leben und uns verstehen. Darum geht den Dingen auf den Grund, damit statt Hass und Diskriminierung, Verständnis und Toleranz das Zusammenleben bestimmen.

Wir haben uns stets auch mit Einwanderung und Flucht auseinandergesetzt, jedoch keine direkten Aktivitäten mit geflüchteten Menschen durchgeführt. Das wird in diesem Jahr neu hinzukommen. Das Thema ist allgegenwärtig und unmittelbar. Die Schüler des Schliemann- Gymnasiums haben seit Mitte September 2015 keine Sporthalle mehr zur Verfügung. Dort leben jetzt 150 Flüchtlinge in einer Notunterkunft. Wir denken über Konzepte nach, in denen sich die Teilnehmer innerhalb des Projektes mit den Motiven und Hintergründen der Flüchtlinge aber auch der ehrenamtlichen Helfern auseinandersetzen. Wir glauben, dass die beiden Teilnehmerklassen auch hier voneinander lernen können, da sie die Begegnungen überwiegend selbst gestalten sollen. Hier könnte die Botschaft sein: „Seht mal: Wir können gut organisieren, sprechen die Sprachen, die gebraucht werden, haben gute Ideen. Und ihr: Bringt die Dinge auf den Punkt, könnt alles prima dokumentieren, seid offen und selbstbewusst und kriegt echt was auf die Reihe. Wir haben gemeinsam was drauf!“

Mit welchen Akteuren aus Politik, Zivilgesellschaft und Religion kooperieren Sie?
Zwischen dem Schliemann- Gymnasium, dem OSZ Gastgewerbe und den Polizeiabschnitten 14 (Weißsensee) und 15 (Prenzlauer Berg) besteht eine Kooperationsvereinbarung. Es hat sich ein Netzwerk gebildet, zu deren Akteuren inzwischen der Jugendwart der Gethsemanekirche, der Imam der Khadija Moschee, Mönche und Nonnen des Buddhistischen Tempels, die „Freunde des Mauerparks“ und die Fördervereine der teilnehmenden Schulen gehören.

Welche Visionen haben Sie fĂĽr die Zukunft?
Wir möchten die Interkultour gerne regelmäßig, mindestens einmal im Jahr, durchführen. Das kostet Kraft aber auch Geld. Dafür wünschen wir uns Unterstützung. Unser Projekt hat Menschen zusammengebracht, die sich in unmittelbarer Nachbarschaft befinden. Diese Kontakte haben geholfen, Probleme schneller und unkomplizierter zu lösen, da man sich ja nun gut kennt.

Weitere Informationen finden Sie Interner Linkhier.