28.05.2014

Integration und wirtschaftliche Selbstständigkeit durch Häkeln

Interview mit Frau Ann-Kathrin Carstensen, Gründerin von Ritas Häkelclub e.V.

Seit wann gibt es den Verein und warum wurde er gegründet?
Der Verein wurde am 01. Mai 2012 gegründet und ist aus einem Integrationsprojekt entstanden, das die Ausbildung und Arbeit von Frauen mit Migrationshintergrund fördert. In Kooperation mit vorwiegend türkischstämmigen Mitbürgerinnen aus Berlin, die über herausragende handwerkliche Fähigkeiten verfügen, entstehen Accessoires und andere Modeprodukte durch traditionelle Häkeltechniken. Mein Team und ich verbinden dabei avantgardistische Mode mit integrativer Arbeit. Ziel ist es, durch das aktive Vereinsleben die Eingliederung bzw. Wiedereingliederung in die deutsche Gesellschaft durch Partizipation zu fördern. Durch die Projektarbeit des Vereins soll außerdem eine Möglichkeit für den Erhalt, den Austausch und die Verbreitung einer besonderen handwerklichen Fähigkeiten wie das Häkeln und den damit verbundene Kulturtechniken angeboten werden.

Wie werden die Frauen durch die Mitarbeit im Verein gefördert?
Die Förderung der sogenannten Häkelköniginnen steht absolut im Vordergrund. Die Frauen produzieren ihre kunstvollen Manufakturarbeiten und werden gleichzeitig auf ihrem Weg in die Erwerbstätigkeit unterstützt. Die Auftragsstücke werden in Handarbeit hergestellt, wofür die Frauen entsprechend entlohnt werden. Dadurch wird ihre wirtschaftliche Selbstständigkeit gestärkt. Durch die konstante Auftragslage erkennen die Frauen, wie wichtig ihre Funktion für das Erstellen der Kollektion ist, werden sich ihrem Selbstwert bewusst und betrachten sich als ein Teil des Unternehmens. Weitere wichtige Aufgaben, wie z.B. die Atelierleitung, werden an die Frauen übertragen. Auch auf der persönlichen Ebene gewinnen die Häkelköniginnen viel hinzu. Private wie sprachliche Barrieren sollen abgebaut werden, daher planen wir gerade einen Deutschkurs. Zur Zeit sind acht Frauen mit Migrationshintergrund im Verein aktiv. Das Angebot für weitere Frauen soll ausgebaut werden.

Gibt es bereits Zukunftspläne für Ritas Häkelclub?
Zusammen mit den türkischstämmigen Frauen soll eine Berliner Manufakturstätte für Handarbeiten aufgebaut werden. Diese soll als Produktionsstätte von anderen Designern und Auftraggebern aus dem privaten Bereich genutzt werden, die hier ihre Ideen mit Hilfe der handwerklichen Fertigkeiten der Häkelköniginnen umsetzen lassen können. Dies stärkt die wirtschaftlichen Perspektiven der Frauen, die so zu selbstständigen Unternehmerinnen mit  Migrationshintergrund ausgebildet werden. Der Verein in seiner jetzigen Form wird dann in eine Genossenschaft umgewandelt und die Frauen zu einem festen Teil dessen. Die Häkelköniginnen sollen stets professionell begleitet und in ihrer Motivation gefördert werden. Dabei wird gleichzeitig das Handwerk, das von jeher weiblich ist, zu einem nachhaltigen Wirtschaftszweig für die Frauen ausgebaut.

Wie werden aktuelle Modetrends berücksichtigt?
Wir sehen uns als Trendsetter - dies spiegelt sich auch in unserer Produktpalette wieder. Zahlreiche deutsche Modezeitschriften haben in der Vergangenheit bereits über uns berichtet. Der Herstellungsprozess findet allerdings immer auf Augenhöhe mit den Frauen statt. Alle Entwürfe werden zusammen mit den Frauen entwickelt. Die Produkte vertreiben wir über das Designerlabel RITA IN PALMA. Eine Liste der Shops, in denen die Produkte zu erwerben sind, finden Sie Interner Linkhier. Bitte besuchen Sie auch unseren Interner LinkBlog. Dort stehen noch viele weitere Informationen und Fotos der Häkelköniginnen bei ihrer Arbeit bereit.