20.01.2012

BĂĽrgermedaille der Stadt Frankfurt am Main fĂĽr Hans Bonkas

Das BfDT gratuliert seinem „Botschafter für Demokratie und Toleranz“ 2008

Foto: Dr. Bernadette Weyland überreicht die Urkunde (Stefanie Kösling, Stadt Frankfurt)
Foto: Der Preisträger Hans Bonkas (Stefanie Kösling, Stadt Frankfurt)Foto: Der Preisträger Hans Bonkas (Stefanie Kösling, Stadt Frankfurt)
Letztes Jahr hat er seinen Neunzigsten Geburtstag gefeiert. Doch man merkt Hans Bonkas sein Alter nicht an; als Zeitzeuge reist er immer noch durch ganz Deutschland und hat auch für 2012 viele Pläne. Am 12. Januar 2012 wurde ihm für dieses langjährige Engagement die Bürgermedaille der Stadt Frankfurt am Main verliehen. Vor mehr als 50 Gästen sprach ihm die Stadtverordnetenvorsteherin Dr. Bernadette Weyland in ihrer Ansprache Bewunderung und Anerkennung aus: „Anschaulicher als jedes Geschichtsbuch es könnte, berichten Sie den Heranwachsenden, was Ihnen widerfahren ist, und leisten als Zeitzeuge wertvolle Aufklärungsarbeit. Darüber hinaus haben Sie diverse Seminare, Tagungen, Exkursionen und Projekte initiiert, und Jugendlichen den Besuch von Originalschauplätzen und Gedenkstätten ermöglicht. Auf diese Weise vermitteln Sie ihnen wichtige historische Kenntnisse und tragen dazu bei, die Erinnerung an Diktatur und Unrecht lebendig zu halten – getreu Ihrem Motto: 'Wer in der Demokratie schläft, der wacht in der Diktatur auf'“.

Hans Bonkas ist ein Zeitzeuge und Widerstandskämpfer im doppelten Sinne – der ehemalige Vorsitzende von „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold“ hat nicht nur gegen die Nazi-Diktatur gekämpft, sondern sich auch gegen die DDR-Regierung aufgelehnt. Der Gefahren, die dieses Engagement mit sich bringt, war sich Bonkas stets bewusst: „Natürlich weißt du: wenn man Pech hat, heißt das Genickschuss, wenn man Glück hat nur Sibirien.“

Bereits als 11-jähriger trat Bonkas dem „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold“ bei, einem überparteilichen Bündnis, das sich zu Zeiten der Weimarer Republik gründete, um die junge Demokratie gegen seine Feinde zu verteidigen. Damals verteilte der junge Bonkas zusammen mit seinem Vater Flugblätter, die vor den Nationalsozialisten warnten. Als 20-Jähriger wurde er als Soldat in Afrika verwundet und wieder zurück nach Deutschland geschickt. Dort musste er miterleben, wie sich die sowjetische Zone und zukünftige DDR immer weiter zur Diktatur entwickelte. Als seine Partei, die SPD, mit der KPD zwangsweise zusammengelegt wurde, beschloss Bonkas, Informationen über die SED-Regierung in den Westen zu schmuggeln. 1949 flog er auf und wurde von einem russischen Gericht zum Tode verurteilt; dieses Urteil wurde später zu 25 Jahren Zwangsarbeit und Gefängnis umgewandelt. An die Zeit in Haft denkt er immer noch mit Schrecken zurück und setzt sich auch deswegen seit seiner Freilassung aktiv und engagiert dafür ein, Jugendlichen von seinen Erlebnissen zu berichten und sie für demokratische Werte zu begeistern.

2008 wurde er vom Bündnis für Demokratie und Toleranz – gegen Extremismus und Gewalt (BfDT) für sein herausragendes Engagement mit dem Titel „Botschafter für Demokratie und Toleranz“ ausgezeichnet. In Zusammenarbeit mit dem BfDT hat Bonkas Gruppen beim jährlich stattfindenden Jugendkongress betreut, Zeitzeugengespräche organisiert und immer wieder den Dialog mit Schulklassen und jungen Menschen gesucht. Das Bündnis für Demokratie und Toleranz gratuliert Hans Bonkas herzlich zur wohlverdienten Auszeichnung mit der Bürgermedaille der Stadt Frankfurt. Für die BfDT-Geschäftsstelle hat der Leiter der Geschäftsstelle, Dr. Gregor Rosenthal, an der Preisverleihung teilgenommen, um den ehemaligen BfDT-Botschafter persönlich zu beglückwünschen.

Die Bürgermedaille der Stadt Frankfurt am Main wird jährlich an höchstens fünf Bürger verliehen, die sich seit Jahren zivilgesellschaftlich engagieren und damit für das Gemeinwohl der Stadt eintreten. Seinen Elan, auch im hohen Alter noch so zahlreiche Veranstaltungen zu organisieren, erklärt Bonkas mit den Reaktionen, die er auf seine Arbeit erhält: „Der Dank der jungen Leute gibt mir Kraft, das weiterzumachen. Uns glauben die jungen Menschen, weil wir Zeitzeugen sind.“