08.05.2014

Die Musikwerkstatt "Peenebunker" im Jugendhaus Wolgast - Interview mit Dr. René Börrnert zur Veröffentlichung der CD "MV-Sampler" und Tour

Dr. René Börrnert und Erwin Sellering
Das Jugendhaus Wolgast unter der Trägerschaft des Kreisdiakonischen Werkes Greifswald-Ostvorpommern e.V. konzipiert und organisiert in der hauseigenen professionellen Soundwerkstatt "Peenebunker" außerschulische kulturelle Jugendbildung für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene aller Sozial- und Bildungsschichten. Ziel ist es, den verantwortungsvollen und selbständigen Umgang mit Musik, Musiktechnik, Tanz und neuen Medien zu unterstützen. Die Förderung der Gesamtpersönlichkeit, die Auseinandersetzung mit aktuellen künstlerischen und gesellschaftlichen Entwicklungen sowie die Integration ethnischer, religiöser und sozialer Gruppen charakterisieren die Arbeit des Peenebunkers. Dadurch wird ein multikultureller, integrativer Ansatz verfolgt, der in Bezug auf Gewalt, Rechtsradikalismus und Drogenmissbrauch präventiv auf die Jugendlichen wirkt und durch sehr komplexes, ganzheitliches Lernen Kompetenzen der Jugendlichen ausbildet, fördert und stärkt. Bereits zum zweiten Mal ist nun unter Anleitung der Projektkoordinatoren Dr. René Börrnert und Andreas Keil ein CD-Sampler von und für Jugendliche und junge Menschen entstanden. Wir sprachen mit Dr. René Börrnert über die Produktion der CD "MV-Sampler - Musik aus der Heimat" und über die MV-Sampler-Tour 2014 durch das Bundesland.

An wen richtet sich die CD und wer war an der Produktion beteiligt?

Die CD richtet sie sich an alle, die diese Musik mögen. Die Macher sind junge Menschen aus der Region Wolgast, von der Insel Usedom und auch solche, die inzwischen berufsbedingt oder aufgrund der Ausbildung landesweit zu Hause sind, hier aber ihre Wurzeln haben. Die Titel sind allesamt von den ungefähr 50 beteiligten Musiker/-innen selbst ausgedacht und produziert. Die Leitung des Projektes hatte Andreas Keil und erhielt von Eric Regelin, einem Tontechniker aus der Region, Unterstützung. Das mehrsinnige Cover gestaltete wiederum Gunnar Gotter. Die Finanzierung für das Projekt des engagierten Teams der Soundwerkstatt als Einrichtung des Kreisdiakonischen Werkes Greifswald-Ostvorpommern e.V. übernahmen der Lokale Aktionsplan Usedom-Süd (Bundesprogramm "Toleranz fördern – Kompetenz stärken") und die F.C. Flick-Stiftung.

Was ist darauf zu hören?

Die CD enthält "19 gute Lieder", weil 20 nicht drauf gepasst haben. Insgesamt sind die Lieder laut und bunt: eine Mischung aus Rap, Hip-Hop, Electro-Pop, Rock und Funny-Music.

Warum steht das Thema „Heimat“ für die Jugendlichen im Mittelpunkt?

Der Untertitel des Samplers heißt ja „Musik aus der Heimat“. Einfach, weil sich alle Musiker/-innen mit dem Thema irgendwie beschäftigt haben, mit ihren Problemen und Vorlieben im Alltag und vor Ort. Musik ist eine Form, Gefühle und Gedanken auszudrücken. Schön, wenn es gelingt, das Ganze raus zu lassen und dem so Ausdruck zu geben. Für die Scheibe haben wir die gelungensten Titel ausgewählt. Es gibt aber noch viel mehr Produktionen. Wir bleiben dran und wollen damit auch denen, die rechtsextreme Texte per CD auf den Schulhöfen verbreiten, eine Alternative entgegen stellen. Die über die rechten Kanäle verteilte Pressung lässt sich nicht verbieten, nicht verhindern und auch nicht aus den Ohren verbannen. Wer so etwas gut findet, hat seinen Grund dafür oder einfach nur schlechten Musikgeschmack. Unsere Lieder sind allerdings deutlich besser, eingängiger und viel witziger. Auch wenn manche Textzeilen ein Stück unter der Gürtellinie angesiedelt sind ̶ das lassen wir zu, das halten wir aus - so ticken nun mal die jungen Leute heute. Was aber draußen bleibt, ist gewaltverherrlichendes Zeugs und politischer Dummkram.

Wo kann man die CD kaufen oder gibt es die Möglichkeit, die Musik online zu hören?

Wir haben 2.000 gepresste Exemplare, die auch bestellt werden können. Wahrscheinlich müssen wir noch einmal nachpressen, denn die CD ist gratis. Hörbeispiele finden Sie Interner Linkhier im Archiv.

Wie werden Sie die Musik unter die Leute bringen?

Einerseits durch die Weitergabe der CD bzw. durch die Werbung im Netz. Live gehen wir 2014 auf MV-Sampler-Tour. Wir konnten Jugend- und Kultureinrichtungen, Schulen und von jungen Leuten beliebte Klubs als Partner gewinnen. Die aktuelle Terminkette wird auf Interner Linkunserer Internetseite bekannt gegeben. Bezahlt wird das nicht nur aus Eigenmitteln, sondern wiederum durch das genannte Bundesprogramm und mehrere Partner/-innen, wie die Rosa-Luxemburg-Stiftung Mecklenburg-Vorpommern.

Haben Sie noch weitere Informationen, die unsere Leser/-innen wissen sollten?

Der Titel der CD heißt ja – vielleicht etwas großzügig – MV-Sampler, also ein deutliches „Ja“ zu Mecklenburg-Vorpommern. Wir bekennen uns damit auch zu unserem Bundesland. Vor einigen Wochen habe ich unserem Ministerpräsidenten Erwin Sellering ein paar Tonträger überreicht. Wir wollten ihm verdeutlichen, dass es engagierte junge Leute gibt, die hier in der Region ihren musikalischen Beitrag zum bürgerschaftlichen Engagement und für Demokratie leisten und man etwas bewegen kann, wenn man die jungen Leute ernst nimmt. Wir müssen viel mehr auf die Interessen der jungen Menschen eingehen und sie in die Prozesse von Anbeginn entsprechend ihrer Möglichkeiten einbinden. Unsere Projekte, und besonders die mit Musik, laufen so gut, nicht weil wir uns das als Erwachsene ausdenken, sondern weil sie aus den Bedürfnissen der engagierten jungen Menschen heraus entstanden sind. Diese Erdung dürfen wir nicht verlieren.

Weitere Informationen ĂĽber das Projekt finden Sie Interner Linkhier.