22.10.2015

Von der Willkommenskultur zur Partizipation - 8. Wunsiedler Forum am 08. Oktober 2015

Die Teilnehmer/-innen des 8. Wunsiedler Forums (Foto: BfDT)Die Teilnehmer/-innen des 8. Wunsiedler Forums (Foto: BfDT)
Am 08. Oktober 2015 kamen rund 100 Teilnehmende aus ganz Bayern und dem Bundesgebiet im oberfrĂ€nkischen Wunsiedel zusammen, um ĂŒber das aktuelle Thema der Veranstaltung „Von der Willkommenskultur zur Partizipation" gemeinsam zu diskutieren. Das Forum wird jĂ€hrlich in Kooperation von der Stadt Wunsiedel, dem BfDT und dem Bayerischen BĂŒndnis fĂŒr Toleranz – Demokratie und MenschenwĂŒrde schĂŒtzen organisiert.

Das diesjĂ€hrige Forum fĂŒhrte die im letzten Jahr unter dem Titel „Willkommenskultur statt Ausgrenzung“ begonnene Diskussion ĂŒber die Perspektiven und HandlungsansĂ€tze des zivilgesellschaftlichen Engagements im Bereich der Willkommenskultur fort. Die AktualitĂ€t des Themas gerade im Bundesland Bayern, das fĂŒr viele GeflĂŒchtete die erste Station ihres Aufenthalts in Deutschland ist, wurde im Laufe des Tages vielfĂ€ltig und engagiert diskutiert.

In seinem Grußwort hob Dr. Gregor Rosenthal das vielfĂ€ltige Engagement der Ehrenamtlichen in den Willkommensinitiativen und BĂŒndnissen vor Ort hervor. Eine aktive Zivilgesellschaft, die sich kreativ und engagiert gegen Rechtsextremismus und fĂŒr Toleranz einsetzt, sei nach Herrn Dr. Rosenthals Worten unerlĂ€sslich, insbesondere in Zeiten, in denen sich die Zahl fremdenfeindlicher Übergriffe und Gewaltakte signifikant erhöhe. Eine gelebte und umgesetzte Willkommens- und Anerkennungskultur benötige im Alltag Begegnung und Dialog zwischen den Menschen und drĂŒckt sich in einer gesellschaftlichen und politischen Partizipation aller aus.

Frau Mitra Sharifi, die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der AuslĂ€nder-, Migranten- und IntegrationsbeirĂ€te Bayerns (AGABY) begrĂŒĂŸte in ihrem Impulsvortrag die vielfĂ€ltige Hilfsbereitschaft, welche der „vielbeschworenen Willkommenskultur“ ein Gesicht verliehen habe. Zur Gestaltung eines vielfĂ€ltigen Deutschlands sei es wichtig, Menschen mit Fluchtgeschichte mit ihren FĂ€higkeiten, ihren BedĂŒrfnissen und ihrem interkulturellen Wissen aktiv in politisches und gesellschaftliches Engagement einzubinden.

Die Staatsministerin bei der Bundeskanzlerin, Beauftragte der Bundesregierung fĂŒr Migration, FlĂŒchtlinge und Integration, Aydan Özoğuz, musste ihren geplanten Impulsvortrag beim diesjĂ€hrigen Forum leider kurzfristig absagen. Die Organisatoren entschieden gemeinsam, die spannende und facettenreiche GesprĂ€chsrunde zu erweitern und das Plenum in die Entwicklung der Leitfragen fĂŒr die WerkstĂ€tten am Nachmittag aktiv einzubeziehen.
Gesprächsrunde zur Entwicklung der Leitfragen (Bild: BfDT)GesprĂ€chsrunde zur Entwicklung der Leitfragen (Bild: BfDT)
Die mittels der ‚Fishbowlmethode‘ entstandene Möglichkeit der Publikumspartizipation wurde auch rege genutzt, so dass die WerkstĂ€tten mit spannendem Input und wichtigen Fragen ausgestattet an die Arbeit gehen konnten.

In den sechs WerkstĂ€tten wurden nach einem kurzen Input aus der Praxis gemeinsame LösungsansĂ€tze und Handlungsschritte diskutiert. Die anschließende ErgebnisprĂ€sentation im Plenum zeigte viele gemeinsame AnknĂŒpfungspunkte in den einzelnen Themenfeldern. So artikulierten viele Engagierte ihr BedĂŒrfnis nach einer besseren Koordination der Ehrenamtlichen, u.a. im Bereich der Erstaufnahmeeinrichtungen. Es mĂŒssten, so eine hĂ€ufige Forderung, Rahmenbedingungen und eine Vernetzung geschaffen werden, die es den Aktiven ermöglicht, weiterhin mit Motivation und Spaß ihre Arbeit zu machen.

Ein anderer interessanter Aspekt waren die unterschiedlichen Erfahrungen der Initiativen und BĂŒndnisse im lĂ€ndlichen und stĂ€dtischen Raum in Hinblick auf die Unterbringung. WĂ€hrend sich viele StĂ€dte am Rande ihrer AufnahmekapazitĂ€t sehen, betonte BĂŒrgermeister Karl-Willi Beck, die Stadt Wunsiedel habe weiterhin Möglichkeiten und den Wunsch, GeflĂŒchtete aufzunehmen und ihnen eine neue Heimat zu geben.

Im ResĂŒmee der Veranstaltung wiesen sowohl Karl-Willi Beck als auch Dr. Gregor Rosenthal auf die Notwendigkeit hin, GeflĂŒchtete aktiv in die Gestaltung von Gesellschaft und Demokratie einzubeziehen, ihnen die Möglichkeiten aufzuzeigen, die sich ihnen in einer pluralistischen und demokratischen Gesellschaft bieten und gemeinsam mit bereits aktiven Ehrenamtlichen zusammen zu arbeiten.

Interner LinkVideo des BR ĂŒber das Wunsiedler Forum
Interner LinkVideo des TV Oberfranken ĂŒber das Wunsiedler Forum