19.02.2013

Zeitzeugengespräch: Naftali Fürst im Gespräch mit Fritz Pleitgen

Der bewegende Bericht eines Ăśberlebenden

FĂĽrst und Pleitgen (Foto: Marko Priske)
Blick ins Publikum (Foto: Marko Priske)
Naftali FĂĽrst, Ronit FĂĽrst-Bibring (Foto: Marko Priske)
Anlässlich des Gedenktages an die Opfer des Nationalsozialismus veranstaltete die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas am 24. Januar 2013 gemeinsam mit der Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum ein Zeitzeugengespräch mit dem Holocaust-Überlebenden Naftali Fürst. Im Gespräch mit Fritz Pleitgen erzählte Naftali Fürst aus seinem bewegten Leben.

Der heute 81-jährige wurde 1942 gemeinsam mit seinen Eltern und seinem Bruder aus seiner Heimatstadt Pressburg, dem heutigen Bratislava, in das Lager nach Sered und später nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Kurz vor Kriegsende wurden die beiden Kinder im Januar 1945 bei Schnee und Kälte auf den Todesmarsch nach Buchenwald geschickt. Sie überlebten und wurden im Kinderblock 66 untergebracht, kurz darauf jedoch getrennt, da Naftali in die Krankenbaracke verlegt und von den Frauen des Lagerbordells gepflegt wurde. Bei der Befreiung Buchenwalds am 11. April 1945 durch die Amerikaner war der 12-jährige dann "schon fast auf der anderen Seite", so beschrieben in Fürsts Buch "Wie Kohlestücke in den Flammen des Schreckens". 1949 wanderte die Familie Fürst, auch der Bruder und die Eltern überlebten den Holocaust, nach Israel aus. Naftali Fürst schilderte mit großer Eindringlichkeit und Kraft das Ende seiner behüteten und friedlichen Kindheit und die anschließende Verfolgung, Deportation und die Zeit in den Konzentrationslagern in seiner frühen Jugend.
Der bewegende und sehr persönliche Bericht von Naftali Fürst lässt es fast unbegreiflich erscheinen, dass nach dem Erleben des Holocaust ein Weiter-Leben möglich war. Die Kraft, mit der die Holocaust-Überlebenden ein neues Leben angefangen haben, aber auch der alltägliche Umgang mit der eigenen, so furchtbaren Vergangenheit, scheint für die jetzige Generation unbegreiflich und ist sehr ergreifend. Die BfDT Mitarbeiterinnen Frau Julia Hasse und Frau Rieke Jürgensen konnten so aus erster Hand erfahren, wie ein Zeitzeuge das Unbegreifliche den nachfolgenden Generationen fassbar zu machen versucht. Gerade das macht die Begegnung mit einem Zeitzeugen aus. Eine solche Begegnung wird nur sehr schwer durch andere Erlebnisse und Formate ersetzt werden können. So wurde die Eindringlichkeit der Erzählungen von Menschen, die den Holocaust selbst erlebt und überlebt haben, im Gespräch mit dem Zeitzeugen Naftali Fürst einmal mehr erfahrbar.

Vor dem Gespräch zwischen Naftali Fürst und Fritz Pleitgen, eröffnete Dr. Hermann Simon, Direktor der Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum, den Abend und der Botschafter der Slowakischen Republik, S. E. Igor Slobodník, sprach ein Grußwort. Außerdem wurde ein Ausschnitt aus dem Film "Kinderblock 66 - Return to Buchenwald" gezeigt.