24.04.2012

„Auch in Deutschland gibt es strukturellen Rassismus“

Anna Groß von No-Nazi.Net über „Hoodies up!“ - eine Aktion gegen Diskriminierung

Foto: Mit Kapuzen gegen Rassismus (No-Nazi.net)
Mit Kapuzen und Sozialen Netzwerken setzen in den USA und weltweit seit Wochen Menschen ein Zeichen gegen Rassismus. Auch No-Nazi.net sammelt Fotos von Diskriminierungsgegnern im Hoodie. Anna Groß erklärt, was es damit auf sich hat.

Frau Groß, Sie haben die Fotogalerie „Hoodies up“ ins Leben gerufen. Worum geht es bei dieser Aktion?

Auslöser ist der Mord an dem 17-jährigen Trayvon Martin vor einigen Wochen in den USA. Er wurde auf dem Nachhauseweg von einem so genannten „Neighbourhood Watchman“, also von jemandem, der sich selbsternannt um die Sicherheit in der Nachbarschaft kümmerte, erschossen. Wie genau der Tathergang war, ist bisher nicht geklärt. Aber auffällig an diesem Mord war die Reaktion in den USA. Zum Beispiel im Senat wurde gesagt: „Er hat ja einen Hoodie getragen. Das ist auffällig und deswegen hat der Sicherheitsmann auch das Recht gehabt, so zu reagieren.“ Also: Schwarze Menschen sind per se gefährlich und daran zu erkennen, dass sie einen Hoodie tragen. Daraufhin gab es in den USA viele Proteste. Viele sagten sich: „Das ist ein völlig absurder Rassismus, auf den wir reagieren müssen.“ Es gab Demonstrationen und schwarze Senatoren, die mit Hoodie zur Arbeit gegangen sind. Besonders in den sozialen Netzwerken kursierte dieser Protest. Das haben wir zum Anlass genommen, uns auch mit der Bewegung zu solidarisieren. Wir treten damit gegen Rassismus ein.

Geht es dabei nur um Rassismus in den USA oder gibt es auch Parallelen zu Deutschland?

Prinzipiell basiert die Aktion auf dem Vorfall in den USA, aber auch in Deutschland gibt es viele Formen von Rassismus, auch strukturellen Rassismus. Wenn man an unserer Aktion teilnimmt, protestiert man auch gegen Rassismus in Deutschland. Hier ist zwar zum Beispiel der Besitz von Waffen anderes geregelt und Menschen werden nicht so einfach auf der StraĂźe erschossen, aber auch in Deutschland werden stĂĽndlich Menschen aufgrund rassistischer Ressentiments angegriffen. Es gibt viele Opfer rassistischer Gewalt und dagegen muss ein eindeutiges Zeichen gesetzt werden.

Und wie lange läuft die Aktion noch?

Wir bekommen immer noch Einsendungen und nehmen diese auch noch gerne entgegen.

Wie werden die Bilder verbreitet?

Die Fotos werden auf unserem Blog, aber auch bei facebook und in den anderen mit dem Projekt verbundenen sozialen Netzwerken ausgestellt.

No-Nazi.net sammelt gute Ideen gegen Nazis. Welche gehören noch dazu?

Bei uns hat jeder die Möglichkeit, selbst Texte einzusenden, zum Beispiel darüber, warum man sich selbst gegen Nazis engagiert. Das hilft immer wieder Jugendlichen, die in Regionen leben, in denen sie mit ihrem Engagement gegen Rechts alleine dastehen – ein Text von anderen Jugendlichen kann sie motivieren und Tipps geben. Außerdem kann man in sozialen Netzwerken aktiv werden. Und wir erstellen auch Grafiken gegen Nazis. Wenn Jugendliche also Lust haben, kreativ etwas auszuprobieren, können sie es einsenden, und wir entwickeln es dann gemeinsam weiter. Auch über Videoeinsendungen freuen wir uns immer. Aus Datenschutzgründen ist es uns aber wichtig, dass sich die Jugendlichen in den Videos nicht mit ihrem Gesicht oder vor ihrer Haustür zeigen. Das Netz vergisst nicht und wenn man sich gegen Nazis engagiert, muss man ein bisschen vorsichtig sein.

No-Nazis.net freut sich ĂĽber weitere Einsendungen von Fotos und Besuche ihrer Fotogalerie.

Interner LinkFotogallerie "Hoodies up"
Interner LinkHomepage No-Nazi.net
Interner LinkHomepage Amadeu Antonio Stiftung