16.06.2010

Ăśber 150 Teilnehmer setzten am 13. Juni 2010 in Hannover ein Zeichen fĂĽr mehr Toleranz

„Wir sitzen alle in einem Boot“

Foto: Ein Zeichen fĂĽr mehr Toleranz
Foto: Teilnehmer aus dem Gastland
Foto: Zum Abschluss die verdiente Erholung
In Hannover ballten sich an diesem Sonntagvormittag die Wolken am Himmel. Mit sorgenvollen Blicken schaute eine Gruppe von sechs vietnamesischen Mädchen gen Wolkendecke. Sie waren in ihren farbigen Kleidern und Rockanzügen gekommen, um den Gästen der fünften Drachenboot-Regatta für mehr Toleranz die traditionellen Tänze und Lieder Vietnams vorzustellen. „Ich brauchte nur einmal kurz zu fragen und sofort baten sie ihre Hilfe und Unterstützung an. Es war toll.“ Mit frohen Augen berichtet Werner Hohlbein von den umfangreichen Vorbereitungen zu diesem Tag für mehr Toleranz und meint damit nicht nur die große Gruppe vietnamesischer Kinder und Eltern, sondern auch die vielen Mexikanerinnen und Mexikaner, die in diesem Jahr das Gastland der Veranstaltung repräsentierten sowie natürlich die vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer.

Den Anfang nahm alles mit einem Bootsausflug. Werner Hohlbein, damals noch angestellt bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ) und Dr. Hanno Saade, ebenfalls von der HAZ, paddelten auf dem idyllischen Maschsee in Hannover. Sie debattierten ernsthaft über die Vorkommnisse damals vor fünf Jahren. Dänische Karikaturen erregten den Zorn und die Wut religiöser Fanatiker. Die dänische Botschaft in der syrischen Stadt Damaskus wurde gestürmt und zerstört. „Es darf nicht sein, dass Menschen sich wegen des unterschiedlichen Glaubens hassen und bekriegen“, sagten sie sich damals und beschlossen im Kleinen zu beginnen: Mit ihrer Veranstaltung wollten sie ein Zeichen in Hannover und Umgebung setzen.

Das Boot, in dem sie damals saßen, wurde im Folgenden nicht nur zu einer Metapher, sondern auch zu einem ganz praktischen, verbindenden Element. Rund 150 Menschen aus verschiedenen Nationen, mit verschiedenem Glauben steigen heute zusammen in nunmehr fünf Boote und paddeln um den ersten Platz. Dass dieses Konzept aufgeht, beweisen die steigenden Teilnehmerzahlen und unter anderem auch der Dank des Bürgermeisters Bernd Strauch an diesem Vormittag: „Lieber Herr Hohlbein, Ihnen möchte ich meinen Dank aussprechen. Hier paddeln viele Menschen zusammen in eine Richtung und tun das für unsere Jüngsten, denn sie sind unsere Zukunft. Sie müssen Toleranz verstehen und auch in Zukunft leben.“ Rund 530.000 Menschen leben in Hannover, so Strauch, rund 73.000 von ihnen kommen aus dem Ausland. Die größte Gemeinschaft bilden Menschen aus der Türkei. Bernd Strauch spricht in seinem Grußwort auch von einer interessanten Entwicklung: „In jedem Monat erhalten 150 bis 200 Menschen die deutsche Staatsbürgerschaft. Früher blickte ich auf die Listen um zu erfahren woher sie kommen. Ihre Wege waren oft sehr weit und lang, doch heute steht als Geburtsort bei vielen Hannover.“

Nicht nur die Wege nach Deutschland und Hannover veränderten sich, auch die heutigen Lebensgeschichten sind andere. Diese Entwicklung sehen auch Werner Hohlbein und Hanno Saade, die sich engagieren, ohne einen Heller und Pfennig für ihre Arbeit zu bekommen. Gemeinsam wollen sie im nächsten Jahr die Veranstaltung noch bekannter machen und für junge Menschen in der Region öffnen. Der Sport, das gemeinsame Paddeln für den Sieg, wird dabei ein Kernelement der Veranstaltung bleiben, denn: „Der Sport“, so Hohlbein, „hat eine enorm integrative Kraft, die wir nutzen wollen“.

Als beide Organisatoren am Nachmittag ihr Fazit ziehen und betonen, dass „wir alle die Pflicht haben uns für ein gutes Miteinander zu engagieren“, haben die kleinen Mädchen bereits gesungen und getanzt. Ihre Befürchtung, es könnte Regen geben, erfüllt sich glücklicher Weise nicht – am Ende essen die Besucher Erdbeerkuchen bei herrlichem Sonnenschein und sind in Gespräche quer über alle Tische vertieft.