16.06.2010

Wie engagierte Bürger etwas gegen rechte Aufmärsche unternehmen

Brandenburg Nazifrei!

Logo: Brandenburg Nazifrei!
Brandenburg wird längst nicht mehr nur als großes Bundesland rund um Berlin wahrgenommen. Die landschaftliche Schönheit und der Reiz der vielen kleinen und größeren Städte sind weithin bekannt. Das Bündnis für Demokratie und Toleranz engagiert sich seit seiner Gründung in Brandenburg und zeichnete erst kürzlich die Bürgerinitiative „Zossen zeigt Gesicht“ als Botschafter für Demokratie und Toleranz aus. In diesen Tagen jedoch müssen sich Städte wie Eberswalde, Bernau oder Bad Freienwalde mit einem ganz konkreten Problem von Rechts auseinandersetzen.

„KMOB“ nennen sie sich in der Kurzform, ausgeschrieben steht KMOB für die „Kameradschaft Märkisch Oder Barnim“. Die so genannten Freien Kameradschaften sind als rechtsradikale Gruppierungen einzustufen, die nicht direkt an Parteien oder Vereine angegliedert sind. Zunehmend werden jedoch Verbindungen z.B. zwischen der NPD und den Kameradschaften beobachtet, insbesondere dann, wenn es darum geht in großer Zahl öffentlichkeitswirksam zu marschieren. Um von der KMOB angekündigte Demonstrationen geht es auch in Brandenburg. Gegen diese stellt sich seit Anfang Mai ein breites Bündnis aus vielen engagierten Einzelpersonen Brandenburgs und Berlins, Verbänden wie dem DGB oder der Sportjugend, Universitäten und Fachhochschulen sowie Parteien. Der Zuspruch ist enorm und eine besondere Motivation für die Organisatoren hinter Brandenburg Nazifrei!, wie Dennis Stefan, Pressesprecher des Bündnisses betont: „Die Zusammenarbeit und Solidarität aller Beteiligten ist die Grundlage für unseren Erfolg. Mittlerweile können wir auch den Finanzminister und den Wirtschaftsminister des Landes Brandenburg sowie die Ministerin für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz zu unseren Unterstützern zählen.“

Konkret wurden bereits in Eberswalde und Bernau Gegenveranstaltungen durchgeführt. In Bernau kamen dazu über 500 Menschen zusammen. „Die Situation vor Ort war sehr angespannt“, so Stefan, „niemand wusste wie sich die Rechtsradikalen verhalten würden.“ Gefragt, wie diese in der Region auftreten und ob sie gefährlich seien, antwortet Stefan: „Sie haben den Anspruch in den Brandenburger Landkreisen Märkisch-Oderland und Barnim aktiv zu sein, aber davon sind sie weit entfernt. Der Großteil ihrer Aktivitäten beschränkt sich auf Bad Freienwalde, Wriezen und Eberswalde.“ Dennoch seien sie keinesfalls zu unterschätzen. „Sie hetzen gegen Linke und Ausländer sowie gegen unsere Demokratie. Sie kündigen mit unmissverständlichen Worten an, dass sie diese lieber tot sähen.“

Ende Mai reisten in Bernau knapp 100 Mitglieder der Kameradschaft an. Doch sie kamen nicht weit, denn schon im Vorfeld rief das Bündnis Brandenburg Nazifrei! zu nicht-eskalative Menschenblockaden auf. Unterstützt wurden sie dabei vom Aktionsbündnis Brandenburg, das ebenfalls eine Kundgebung in Bernau anmeldete. Damit griffen die Organisatoren eine Form des demokratischen Protests auf, die bereits in Dresden mit viel Erfolg durchgesetzt werden konnte. Auf ihrer Internetseite schreiben sie dann auch, dass alle Engagierten und Unterstützer der „Konsens von Dresden“ eint, also das Ziel ein breites Bündnis zu schmieden und in jedem Fall seine Überzeugungen ohne Gewalt durchzusetzen.

Dieses Ziel wurde in Bernau erreicht. Nach gut einer Stunde mussten die rechtsradikalen Aktivisten ihr Vorhaben aufgeben. Jubel brach aus und viele blieben noch, um gemeinsam zu feiern und zu tanzen. Auch am 5. Juni schafften es die Menschen hinter Brandenburg Nazifrei! den für Eberswalde angekündigten Aufmarsch der Rechten zu verhindern. Diese sagten ihr Kommen bei der Stadtverwaltung ab. Die Idee, dass verschiedene Menschen gemeinsam friedlich und ausgelassen gegen Rechts agieren können und damit ein Stück wehrhafte Demokratie repräsentieren, scheint aufzugehen.

Mehr Infos unter Interner Linkwww.brandenburg-nazifrei.de.


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