31.05.2011

BegrĂŒĂŸung des GeschĂ€ftsfĂŒhrers des BĂŒndnisses fĂŒr Demokratie und Toleranz – gegen Extremismus und Gewalt (BfDT), Dr. Gregor Rosenthal anlĂ€sslich des Festaktes zur Feier des Tages des Grundgesetzes am 23. Mai 2011 in Berlin

Es gilt das gesprochene Wort!



Sehr geehrter Herr Parlamentarischer StaatssekretÀr
beim Bundesminister des Innern, Dr. Bergner,

sehr geehrter Herr Parlamentarischer StaatssekretÀr
bei der Bundesministerin fĂŒr Justiz, Dr. Stadler,

sehr geehrte Abgeordnete des Deutschen Bundestages

und verschiedener Landesparlamente,

Exzellenzen,

sehr geehrte Mitglieder des Beirats des BĂŒndnisses fĂŒr
Demokratie und Toleranz,

verehrte Damen und Herren

und zum Schluss - und doch so wichtig - liebe
Teilnehmerinnen und Teilnehmer unseres diesjÀhrigen Jugendkongresses ,



der heutige Tag zur Feier unseres Grundgesetzes ist
ein Datum, das wir seit unserem Bestehen festlich begehen. Der 23. Mai ist zu
einer guten Tradition geworden, an dem sich Menschen aus allen Regionen
Deutschlands hier im Haus der Kulturen der Welt in Berlin zusammenfinden. Der Großteil
von Ihnen - meine sehr verehrten GĂ€ste - ist eng mit dem BĂŒndnis fĂŒr
Demokratie und Toleranz verbunden. Mit dem heutigen Tag sind es 11 Jahre, in
denen wir Sie in Ihrem ehren- und zivilgesellschaftlichen Engagement in
Initiativen, in BĂŒndnissen und in Projekten begleiten und unterstĂŒtzen dĂŒrfen.

Hinter jedem dieser Projekte fĂŒr Demokratie und
Toleranz, fĂŒr Integration und GewaltprĂ€vention, gegen jedwede Form des
Extremismus, gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit stehen Menschen. Lassen
Sie mich, stellvertretend fĂŒr die rund 23 Millionen Ehrenamtlichen in unserem
Land, von der Begegnung mit einer
Àlteren Dame berichten. Sie sprach mich im Anschluss an eine unserer jÀhrlichen
Preisverleihungen im Wettbewerb „Aktiv fĂŒr Demokratie und Toleranz" an, bei der
sie mit einer Urkunde und einem Preisgeld fĂŒr ihr Projekt ausgezeichnet wurde.
Sie erzĂ€hlte mir, wie sie als junges MĂ€dchen vor dem Krieg flĂŒchten musste und
was es fĂŒr sie bedeutete als Fremde in einer ungewohnten Umgebung anzukommen
und akzeptiert zu werden. Nach dem Krieg beschloss sie anderen Menschen, die
fliehen mussten oder Not litten, ebenfalls zur Seite zu stehen. Sie tat dies
oft im Stillen. Erst als der Problemdruck in ihrem kleinen Ort in
Norddeutschland grĂ¶ĂŸer wurde, und sie sah, dass sie als Einzelne wenig
ausrichten konnte, schloss sie sich mit Gleichgesinnten jeder Couleur und jeden
Alters zusammen. Gemeinsam suchten sie pragmatische Lösungen und fanden
Möglichkeiten, Kinder und ihrer Eltern in das Leben ihrer Stadt zu integrieren.

Anrede,

zivilgesellschaftliches Engagement fÀllt nicht vom
Himmel. Wie diese Àltere Dame, sind auch Sie sind nicht eines Morgens
aufgewacht und haben sich entschieden, von nun an Wochenenden, freie Stunden
und Feiertage in einem Sportverein, beim Rettungsdienst oder mit Jugendlichen
aus Ihrem Stadtviertel zu verbringen, sondern es gab einen konkreten Anlass,
ein SchlĂŒsselerlebnis. Auch fĂŒr das BĂŒndnis gab es diesen
Moment: Rechtsextreme und antisemitische Übergriffe - zum Teil mit Todesfolge -
auf auslĂ€ndische MitbĂŒrger und Synagogen. So entstand ein fester Anlaufpunkt
fĂŒr engagierte BĂŒrgerinnen und BĂŒrger im ganzen Land.

Anrede,

unsere im Alltag erprobte Demokratie ist kein
statisches und trĂ€ges Gebilde, sondern eher vergleichbar einem großen, dehnbaren,
aber stabilen Netz, wie es zum Beispiel Fischer benutzen. Ein solches Netz besteht
aus unzĂ€hligen FĂ€den, die sich in regelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden zu kleineren und
grĂ¶ĂŸeren Knoten zusammenfĂŒgen. Die vielen kleinen Knoten sind zum einen jene
Projekte, Initiativen und VerbÀnde, die das Zusammenleben von innen heraus
stĂ€rken - die FĂ€den damit zusammenhalten. Auch das BĂŒndnis begann als einer dieser kleinen
Knoten und wuchs bestÀndig mit seinen Aufgaben und Partnern. Drei der hier
heute am Tag des Grundgesetzes anwesenden Teilnehmergruppen können das
gemeinsame aneinander und miteinander Wachsen und Wirken aus meiner Sicht gut
verdeutlichen:

ZunĂ€chst sind das die ĂŒber 400 Jugendkongressteilnehmer,
von denen Sie einige auch spÀter noch kennen lernen werden. Vor zehn Jahren
waren es gut 200 Jugendliche, die ĂŒberwiegend als Teilnehmer des
Viktor-Klemperer-Wettbewerbs zum Jugendkongress kamen. Es gab deutlich weniger
Workshops und der zusĂ€tzliche Blick durch Außenforen und ZeitzeugengesprĂ€che
fand nicht statt. Heute - und auch das werden Sie gleich erfahren - ist der
Jugendkongress zu einer zentralen Plattform fĂŒr junges ehrenamtliches
Engagement geworden.

Zum zweiten sind das unsere zum Teil langjÀhrigen
Partner. Neben der Vielzahl von BĂŒndnissen, Initiativen und Kommunen sind auch große,
strategische Partner hinzugekommen. Hier möchte ich stellvertretend Herrn
Romani Rose, Vorsitzender des
Zentralrats der Deutschen Sinti und Roma und Herrn Aiman Mazyek,
Vorsitzender der Zentralrats der Muslime in Deutschland, nennen, mit denen wir
bereits mehrere nachhaltige Veranstaltungen und Projekte durchfĂŒhren konnten und weiterhin durchfĂŒhren werden.
Ich freue mich sehr, dass Sie hier heute anwesend sind!

Und drittens sind das unsere Botschafter fĂŒr
Demokratie und Toleranz der vergangenen Jahre und des Jahres 2011. Inzwischen
wenden wir uns an ĂŒber 1000 Institutionen und Persönlichkeiten des öffentlichen
Lebens. Aus den zahlreich bei uns eingegangenen BotschaftervorschlÀgen wÀhlt
unser politischer Beirat schließlich bis zu fĂŒnf Einzelpersonen und Initiativen
aus, die sich aus Sicht des BĂŒndnisses in besonderer Art und Weise fĂŒr unsere Demokratie - fĂŒr unser Netz
aus vielen kleinen Knoten - stark und damit verdient gemacht haben.

Anrede,

was geschieht, wenn einer dieser Knoten in dem
großen Netz „Demokratie" aufgeht? Nach und nach lösen sich die FĂ€den heraus und
aus dem stabilen Ineinandergreifen vieler Knoten bzw. Akteure wird ein
schlaffes, löchriges Gewebe. Was andererseits passiert, wenn Menschen ein solch
starkes Netz aufbauen wollen, erleben wir alle derzeit im Maghreb und den
arabischen Staaten. Der so genannte „arabische FrĂŒhling", die Entschlossenheit
und der Mut mit dem die Menschen gegen Repressionen, Armut und politische
WillkĂŒr kĂ€mpfen, erinnert sicher nicht wenige von uns an die friedliche
Revolution in unserem eigenen Land vor 22 Jahren.

Meine Damen und Herren,

so wie der Fischer nach jedem Seegang seine Netze
an Land zieht und auf Risse untersucht, so sind wir alle als BĂŒrgerinnen und
BĂŒrger dieses Landes, verpflichtet, die Knoten unseres gesellschaftlichen
Zusammenhalts zu schĂŒtzen, zu kontrollieren, bei drohenden SchĂ€den neu
miteinander zu verbinden und das Netz weiter wachsen zu lassen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich freue mich gemeinsam mit Ihnen auf das nun folgende
Programm und wĂŒnsche uns allen interessante EindrĂŒcke, Anregungen und GesprĂ€che
beim anschließenden Empfang oder der großen Abschlussparty heute Abend in der
„Kalkscheune" zu der ich Sie ebenfalls alle ganz herzlich einladen möchte.

Ich danke Ihnen fĂŒr Ihre Aufmerksamkeit!