29.10.2015

Interview mit YOFI - ein jĂĽdisch-muslimisches Jugendprojekt

Interview mit Frau Maja Nizguretski


Erzählen Sie kurz von der Idee hinter YOFI und von den Zielen des Projekts.
Das Jugendprojekt Yofi von Jugend in Begegnung e.V. verfolgt zwei klare Ziele: Die Stärkung der Identität jüdischer und muslimischer Jugendlicher in Deutschland und die Förderung von Toleranz und Demokratie durch den Dialog zwischen Jugendlichen unterschiedlicher Herkunft. Yofi greift jüdisch-muslimische Bedarfe auf, die besonders deutlich im Sommer 2014, im Zuge des erneut aufgeflammten Nahostkonflikts, auch hier in Deutschland zu spüren waren. In Kooperation mit dem Projekt Heroes von Strohhalm e.V. sollen jüdische und muslimische Jugendlichen sich kennenlernen, die sich sonst im Alltag nicht begegnen würden. Das gegenseitige Kennenlernen ermöglicht u.a. eine reflektierte Auseinandersetzung mit Schwarz-Weiß-Bildern im Zusammenhang mit dem Staat Israel, dem Nahostkonflikt, Opfermentalitäten, antisemitischen und antiisraelischen Ressentiments. Die Reflexion der Selbst- und Fremdwahrnehmungen erlaubt es den Jugendlichen, ihre Ansichten zu hinterfragen und Gemeinsamkeiten aufzudecken. So soll ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, welche Auswirkungen der Nahostkonflikt auch auf die Jugendlichen hier in Deutschland hat.

Warum glauben Sie, ist es wichtig, jĂĽdische und muslimische Jugendliche zum Dialog anzuregen?
Vielfalt und Diversität prägen das deutsche Gesellschaftsbild. Jugendliche mit den verschiedensten ethnischen und kulturellen Hintergründen wachsen in Deutschland auf – zumeist jedoch nur nebeneinander und nicht miteinander.
Die Teilnehmer/-innen des SeminarsDie Teilnehmer/-innen des Seminars
Die Mehrheit der in Deutschland lebenden Kinder und Jugendlichen hat noch nie bewusst einen Juden gesehen, geschweige denn mit einem gesprochen. Yofi ermöglicht es Kindern und Jugendlichen sich jenseits ihres sozialen, herkunfts- und bildungsbezogenen Milieus, zu begegnen. Diese Konfrontation mit anderen Lebensrealitäten kann als Bereicherung der eigenen verstanden werden, was sich horizonterweiternd auf die Heranwachsenden auswirkt. Die wertvolle Bedeutung von Toleranz wird in Begegnungen zwischen Altersgenossen, sowohl empathisch als auch kognitiv, vermittelt. Der Dialog auf Augenhöhe (peer education) ermöglicht einen unbefangenen Zugang zum Thema Judentum und Islam. Vorurteile und stereotype Wahrnehmungen können so abgebaut, Gemeinsamkeiten sichtbar gemacht, und antisemitischen und antizionistischen Ressentiments entgegengewirkt werden.

Wie werden die Begegnungen von nicht-jĂĽdischen Jugendlichen angenommen?
„Ich habe gemerkt, dass wir viel mehr gemeinsam haben, als ich vorher dachte“, sagte ein muslimischer Teilnehmer des Projekts Heroes beim Kick-off-Seminar von Yofi über die jüdischen Teilnehmer/-innen.

Mit welchen Akteuren arbeiten Sie zusammen?
Ahmad Mansour unterstützt das Projekt aktiv durch die Kooperation mit Heroes von Strohhalm e.V., wo er als Gruppenleiter tätig ist, und mit seinem Know-How im Themenfeld „Islamismus“.

Vom 9. bis 11. Oktober 2015 fand am Werbellinsee das Kick-Off-Seminar von Yofi statt. Können Sie mehr darüber berichten?
20 jüdische und muslimische Jugendliche trafen sich zum ersten Mal am Werbellinsee, wo sie die Möglichkeit bekamen, einander, aber auch ihren Vorurteilen, ihrer Selbst- und Fremdwahrnehmung, zu begegnen. In Workshops mit Eldad Beck (Auslandskorrespondent der größten israelischen Tageszeitung Yedioth Achronot), sowie Samuel Schidem (Referent am Jüdischen Museum Berlin) reflektieren die Jugendlichen über Israel und den Nahostkonflikt. Der Botschafter des Staates Israel beantwortete zudem in einer offenen Gesprächsrunde alle Fragen der Jugendlichen rund um das Thema Israel. Ahmad Mansour begleitete das Seminar sowohl pädagogisch als auch inhaltlich. Das Wochenende war sowohl aus Sicht der Jugendlichen, als auch aus Sicht der Betreuer/-innen ein voller Erfolg und bildete den perfekten Auftakt für folgende Aktivitäten.