17.10.2013

EindrĂĽcke von der Fachtagung "Engagiert gegen Antisemitismus: Strategien und Herausforderungen"?

Interview mit zwei Teilnehmenden

Wie war eigentlich die Fachtagung gegen Antisemitismus?


Herr Haug von der Berliner Feuerwehr und Frau Vollendorf-Löcher, Lehrerin in Moers, im Interview über die Fachtagung "Engagiert gegen Antisemitismus: Strategien und Herausforderungen"

Herr Haug berichtet:



Bitte schreiben Sie in wenigen Sätze etwas zu ihrer Person und gegebenenfalls zu ihrem zivilgesellschaftlichen Engagement.



Ich bin Florian Haug, 25, und studiere an der Uni Potsdam Verwaltungswissenschaft. In meiner Freizeit engagiere ich mich bei der Berliner Feuerwehr und auch bei der dortigen Jugendfeuerwehr.

Bei der Berliner Jugendfeuerwehr starten wir gerade das Projekt "Klingelknopf", das Betreuer/-innen und Jugendliche unterstĂĽtzt, wenn sie mit rassistischen, fremdenfeindlichen oder antisemitischen Ă„uĂźerungen konfrontiert werden.

 

Wie sind Sie auf die Veranstaltung "Engagiert gegen Antisemitismus: Strategien und Herausforderungen" aufmerksam geworden



Auf der Suche nach externer Expertise und externen Partnern bin ich auf der Seite der Bundeszentrale fĂĽr politische Bildung/bpb auf die Veranstaltung aufmerksam geworden.

 

Haben Sie sich vor der Teilnahme an der Tagung schon mit dem Thema Antisemitismus beschäftigt? Wenn ja, in welchem Zusammenhang?



Einerseits natürlich in Vorbereitung auf das Projekt, anderseits wird man leider immer häufiger im Alltag mit antisemitischen Sprüchen konfrontiert. Um diesen selbstbewusst entgegentreten zu können, habe ich angefangen mich über dieses Thema zu informieren.

 

An welchem Workshop haben Sie im Rahmen der Tagung teilgenommen? Warum haben Sie dieses Thema gewählt? Wie hat Ihnen der Workshop gefallen?



Engagement gegen Antisemitismus als Teil der Rechtsextremismusprävention

Ich habe mich fĂĽr diesen Workshop entschieden, da wir im Rahmen des Projekts "Klingelknopf" mit dem Antisemitismus als Teil des Rechtsextremismus konfrontiert sein werden. Nach einer sehr guten inhaltlichen EinfĂĽhrung und einem gelungenen Beispiel, konnte die Diskussion leider nicht in die Alltagsherausforderungen der Teilnehmer/-innen ĂĽbertragen werden.

Auch wenn das Beispiel sehr gelungen scheint, mussten wir Teilnehmenden feststellen, dass die meisten Initiativen und Projekte sowohl zeitlich als auch finanziell zu geringe Ressourcen zur Verfügung haben. Daher hätte ich mir einen stärkeren Praxisbezug des Workshops gewünscht, um neben dem inhaltlichen Input auch ein strukturell-organisatorisches Wissen mitnehmen zu können.

 

Welche Themengebiete haben Sie sich beim World Café ausgesucht und warum?

Likat – Jugend in Begegnung

Ich finde es wichtig, dass man das jüdische Leben in Deutschland nicht immer mit dem Nationalsozialismus in Verbindung setzt. Natürlich hat diese Zeit furchtbare Spuren hinterlassen, aber glücklicherweise gibt es auch heute noch jüdisches Leben in Deutschland. Durch jugendliche Begegnung können die Kids jüdisches Leben als Normalität erleben und somit Vorurteile abbauen.

 

AuĂźerschulische Bildungsarbeit

Da wir mit unserem Projekt außerschulisch tätig sind, war dieses World Café sehr wichtig für mich. Gerade die geringe Zeit, die wir wöchentlich mit den Jugendlichen haben, schränkt uns in unserer Arbeit ein. Hier habe ich gute Anregungen bekommen, wie man die kurze Zeit effektiv nutzen kann.

 

Antisemitismus und Antizionismus

Ich hatte mir erhofft, an dieser Station Tipps zu bekommen, wie man die beiden Begriffe unterscheiden kann um so bei der Diskussion eine Vermischung dieser beiden Begriffe zu verhindern. Leider verharrte die Diskussion bei einem aktuellen Ereignis, sodass ich nicht viel von diesem Café für meine praktische Arbeit mitnehmen konnte.

 

Wie empfanden Sie die Arbeitsatmosphäre während des World Cafés?

Sehr konstruktiv. Die Teilnehmenden haben von ihren Erfahrungen berichtet und so kam es zu einem sehr spannenden Austausch. Ich stehe teilweise mit den geknĂĽpften Kontakten schon in einem weiterfĂĽhrenden Austausch.

 

Was haben Sie für sich persönlich aus der gesamten Veranstaltung mitgenommen? Wurden ihre Erwartungen erfüllt? Haben Sie im Nachhinein schon darüber nachgedacht eigene Projekte zu initiieren?

Siehe oben: Die Kontakte und persönlichen Erfahrungen der Teilnehmer/-innen haben mir sehr geholfen. Ich habe außerdem mitgenommen, dass man nicht alleine ist im Streben nach einer offenen, toleranten Gesellschaft – ein sehr beruhigendes Gefühl.

 

Was würden Sie sich im Nachgang der Veranstaltung als "nächsten Schritt" wünschen? Haben Sie selbst Ideen für eine Weiterführung?

Ich habe festgestellt, dass die Vernetzung der zivilgesellschaftlichen Akteure sehr wichtig ist. Meist geschieht das im persönlichen Gespräch, kann aber durch die Veranstalter unterstützt werden, sei es durch eine Art Folgeveranstaltung oder initiierte E-Mail-Verteiler.

 

Wir danken Ihnen sehr fĂĽr die Beantwortung der Fragen!

Frau Vollendorf-Löcher berichtet:



Bitte schreiben Sie in wenigen Sätzen etwas zu ihrer Person und gegebenenfalls zu ihrem zivilgesellschaftlichen Engagement.

Mein Name ist Maria Vollendorf-Löcher und ich unterrichte seit mehr als 30 Jahren am Gymnasium Adolfinum in Moers (NRW) die Fächer Geschichte, Biologie und Politik. Neben der unterrichtlichen Relevanz des Themas spielt es eine große Rolle in unserem Interner LinkAuschwitzprojekt. Wir sind in diesem Jahr das vierte Mal mit der gesamten Jahrgangsstufe 10 (insgesamt 150 SuS) für eine Woche in Auschwitz und Krakau gewesen. Diese Fahrt wird intensiv von Teamern und Teamerinnen (50 SuS) der höheren Jahrgangsstufen vorbereitet und begleitet. Dafür konnte ich viele neue Impulse und Kontakte aus der Tagung mitnehmen.

 

Haben Sie sich vor der Teilnahme an der Tagung schon mit dem Thema Antisemitismus beschäftigt? Wenn ja, in welchem Zusammenhang?

Ja, ich beschäftige mich seit vielen Jahren zusammen mit Kollegen/-innen und Schülern/-innen mit diesem Thema. Natürlich im Zusammenhang mit dem Geschichts- und Politikunterricht, mit der oben erwähnten Auschwitzfahrt und bei Aktivitäten mit SuS im Umfeld von Moers:

Gedenktage 27.1., 9.11.; Stolpersteinverlegung, Zusammenarbeit mit dem Verein "Erinnern für die Zukunft", der Christlich-Jüdischen Gesellschaft und dem Bündnis „Moers ist bunt“.

 

An welchem Workshop haben Sie im Rahmen der Tagung teilgenommen? Warum haben Sie dieses Thema gewählt? Wie hat Ihnen der Workshop gefallen?

Von gestern für heute lernen: Antisemitismusprävention durch Erinnerungsarbeit mit Gegenwartsbezug

Ich habe das Thema gewählt, da ich mich viel mit Gedenkstättenpädagogik und Zeitzeugen beschäftige. Der Workshop war sehr gut strukturiert und ertragreich.

 

Haben Sie am Theaterbesuch teilgenommen? Fanden Sie das TheaterstĂĽck und die Einbettung in die Tagung passend? Was hat Ihnen am TheaterstĂĽck gefallen/ nicht gefallen?

Ja, die Einbettung war passend. Ich hätte es allerdings besser gefunden, wenn es an diesem Abend die Möglichkeit zu kollegialem Austausch gegeben hätte, gleich im Anschluss an das sehr gute Abendessen. Das Theaterstück war ganz gut.

 

Welche Themengebiete haben Sie sich beim World Café ausgesucht und warum?

Die Themen habe ich mir ausgesucht, um neue Möglichkeiten für meinen Unterricht kennenzulernen.

• Kommune - Projekte im Stadtteil > hochspannend

• Antisemitismus und Antizionismus > für mich wenig Neues

• Geschichte und Öffentlichkeitsarbeit: Innovative und interaktive Formate > ausgezeichnet, mit guten praktischen Anregungen

 

Wie empfanden Sie die Arbeitsatmosphäre während des World Cafés?

Sehr produktiv, intensiver Meinungsaustausch durch die Zeitvorgaben, kurzer aber ausreichender Input

 

Was haben Sie für sich persönlich aus der gesamten Veranstaltung mitgenommen? Wurden ihre Erwartungen erfüllt? Haben Sie im Nachhinein schon darüber nachgedacht eigene Projekte zu initiieren?

Viele Anregungen, meine Erwartungen wurden erfüllt. Ja, wir sind in der Planung, so soll z.B. eine App zur Geschichte von Moers währen des NS erstellt werden

 

Was würden Sie sich im Nachgang der Veranstaltung als "nächsten Schritt" wünschen? Haben Sie selbst Ideen für eine Weiterführung?

Ich würde mir die Möglichkeit eines Austausches mit den anderen Teilnehmern/-innen wünschen, um z.B. über eigene Projekte ins Gespräch zu kommen. Dazu wäre es sehr hilfreich gewesen, wenn es für alle eine Teilnehmendenliste gegeben hätte oder zumindest auf den Namensschildern eine Information über die Herkunft der Teilnehmenden zu finden gewesen wäre.

 

Mit freundlichen GrĂĽĂźen aus Moers

Maria Vollendorf-Löcher StD