17.12.2013

RĂĽckblick auf die Tagung "Engagiert gegen Antisemitismus: Strategien und Herausforderungen"

Die Dokumentation der Tagung ist online!

Teilnehmende im WorkshopTeilnehmende im Workshop
Julia Hasse, Themenbereichtsleiterin Antisemitismus im BfDT
Teilnehmende im World Café
Daniel Alter, Rabbiner und Antisemitismusbeauftragter der JĂĽdischen Gemeinde Berlin
Dr. Gregor Rosenthal, Leiter der Geschäftsstelle des BfDT
Teilnehmende im Workshop
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Die Dokumentation können Sie in der Geschäftsstelle des BfDT auch als Printversion bestellen.


Das BfDT und die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) hatten am 30. und 31. August 2013 zur Tagung "Engagiert gegen Antisemitismus: Strategien und Herausforderungen" in den Räumen der FES in der Hiroshimastraße eingeladen.

Neuere Studien wie "Die Mitte im Umbruch"-Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung zeigen, dass antisemitische Einstellungen bei bis zu jedem sechsten Deutschen bestehen und dass diese Einstellungen in manchen Regionen Deutschlands erheblich zugenommen haben. Aufgrund dieses erschreckenden Befundes ist es wichtig, das Engagement gegen Antisemitismus zu stärken. Genau das war das Ziel der Fachtagung. Es kamen rund 120 engagierte und interessierte Personen zusammen, die sich bei den verschiedenen Workshops, Vorträgen und in den Pausen über ihre Erfahrungen, Projekte und die Herausforderungen, denen sie in ihrer täglichen Arbeit begegnen, austauschen konnten.

Am Freitag, dem 30. August um 13.30 Uhr, begrüßten Dr. Ralf Melzer, der Leiter des Projekts "Gegen Rechtsextremismus" in der FES, und Dr. Gregor Rosenthal, der Leiter der Geschäftsstelle des BfDT, die Teilnehmenden. Nach zwei Impulsreferaten und einer Podiumsdiskussion mit den Referenten Dr. Ralf Melzer und Daniel Alter, Rabbiner und Antisemitismusbeauftragter der Jüdischen Gemeinde Berlin, über die Ergebnisse der neuen FES-Studie "Die Mitte im Umbruch", begannen nach einer kurzen Kaffeepause die verschiedenen Workshops. Die Themen der Arbeitsgruppen waren weit gestreut, denn auch die Arbeitsbereiche der Engagierten sind es.

Im ersten Workshop sprachen die Teilnehmer/-innen über "Begegnung statt Vorurteile". Sie diskutierten mit den Referenten Roger Dan Nussbaum (Vizepräsident der Sportbewegung Makkabi Deutschland e.V.) und Christine Mähler (ConAct) über die Wichtigkeit von Kontakt und Austausch, um Vorurteilen und Stereotypen vorzubeugen. Der zweite Workshop, von Dr. des. Elke Gryglewski (Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz) und Veronika Nahm (Anne-Frank-Zentrum Berlin) befasste sich mit dem Thema: "Von gestern für morgen lernen: Antisemitismusprävention durch Erinnerungsarbeit mit Gegenwartsbezug", bei dem es um Projekte ging, die Geschichte erlebbar machen, um sie in die Präventionsarbeit miteinzubeziehen. Mit der Entwicklung von Strategien im Umgang mit Antisemitismus bei Menschen mit Migrationsgeschichte beschäftigten sich die Teilnehmenden des Workshops "Aktiv gegen Antisemitismus in der Einwanderungsgesellschaft" von Anne Goldenbogen (KIgA e.V.) und Judith Rahner (Amadeu-Antonio-Stiftung). Und bei der letzten der insgesamt vier Arbeitsgruppen kamen die Teilnehmer/-innen zum Thema "Engagement gegen Antisemitismus als Teil der Rechtsextremismusprävention" mit den Referenten Dr. Gideon Botsch (Moses-Mendelssohn-Zentrum) und Gabriele Rohmann (Archiv der Jugendkulturen – Projekt „New faces“) zusammen.

So breit gefächert die Workshopthemen auch waren, hatten sie ein gemeinsames Ziel: Den Austausch über Projekte, Strategien und Herausforderungen. Viele Teilnehmende diskutierten bei Gesprächen, welche Handlungsmöglichkeiten es gibt und wie man Projekte bei ihnen am besten realisieren könnte. In den Workshops wurden neben den themenspezifischen Besonderheiten allgemeinere Forderungen gestellt, die sich in jeder der vier Arbeitsgruppen wieder fanden. Die Teilnehmer/-innen wünschten sich mehr Unterstützung für ihre Arbeit und auch bessere Informationen über angebotene Förderungs- und Unterstützungsmöglichkeiten. Außerdem stellten sie fest, dass der Kontakt zwischen den verschiedenen Kulturen und Religionen natürlich ein wichtiger Bestandteil der Präventionsarbeit sei, aber dieser allein nicht ausreiche. Man müsse zusätzlich ein pädagogisches Konzept als Basis haben, damit die Begegnungen auch in die richtige Richtung wirken und nachhaltige Eindrücke hinterlassen könnten. Beispielsweise schafft das Projekt Likrat – Jugend im Dialog von Maja Nizguretski Begegnungen, indem jüdische Schüler/-innen in Schulklassen gehen und sich auf Augenhöhe einfach unterhalten. Allerdings müssen die jüdischen Schüler/-innen damit umgehen können, dass sie bei solchen Klassenbesuchen oft der Mittelpunkt der Aufmerksamkeit sind und von allen Seiten angeschaut werden, auf neugierige, manchmal aber vielleicht auch auf nicht sonderlich positive, Art und Weise. Von solchen und ähnlichen Problemen berichteten auch andere Engagierte. Nach einem inputreichen Tag gingen einige der Teilnehmenden ins Theater BIMAH zu dem Stück Lotte Lenya-Kurt Weill, das den kulturellen Abschluss des ersten Tages bildete.

Der zweite Tag, begann nach einer kurzen Begrüßung durch Julia Hasse, Themenbereichsleiterin Antisemitismus im BfDT, mit einer World Café-Phase. Von den insgesamt sechs Themen konnten alle Teilnehmenden nacheinander drei auswählen, zu denen sie sich in 30 Minuten austauschen konnten. Die World Cafés orientierten sich an den verschiedenen Lebensbereichen. So gab es die Möglichkeit zwischen "Jugendarbeit" von Maja Nizguretski (Likrat – Jugend im Dialog), "Außerschulische Bildungsarbeit" von Kirsten Genenger (DGB Bildungswerk), "Kommune – Projekte im Stadtteil" von Ahmad Mansour (Heroes und ZDK Gesellschaft für demokratische Kultur), "Antisemitismus und Antizionismus" von Fabian Weißbarth (American Jewish Comittee), "Geschichte und Öffentlichkeitsarbeit: Innovative und interaktive Formate" von Florentine Schmidtmann und Marianne Graumann (past at present – Geschichte im Format) sowie "Interreligiöse Zusammenarbeit" von Ulrich Schürmann (ev. Vorsitzender der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Berlin) zu wählen.

Die verschiedenen World Cafés wurden sehr gut angenommen und viele der Teilnehmenden waren von diesem kurzen, aber doch sehr regen Austausch begeistert.