10.06.2010

Botschafter/-innen fĂĽr Demokratie und Toleranz 2006

Preisträger




Interner LinkQuartiersmanagement Rollbergviertel, Berlin


Das Rollbergviertel mit seinen 5800 Einwohnern liegt im Norden des Berliner Bezirks Neukölln. Es ist geprägt von hoher Arbeitslosigkeit und einem hohen Migranten-Anteil, insbesondere aus der Türkei und arabischsprechenden Ländern, darunter viele Palästinenser. Viele Bewohner leben in Sozialwohnungen aus den 1960er und 70er Jahren. Der über¬wiegende Teil der Bewohner verfügt über vergleichsweise schlechte Chancen, sich in Gesellschaft und Arbeitsmarkt zu integrieren.
Seit 1999 werden in "Problemvierteln" im Rahmen des bis 2006 befristeten Bund-Länder-Programms "Soziale Stadt" Quartiersmanagement-Büros eingerichtet, die als Ideenschmiede und Koordinierungsstelle mit örtlichen Akteuren zusammenarbeiten. Seit 2002 existiert im Rollbergviertel ein Quartiersbüro. Der Verein Morus14 e.V. koordiniert als Träger die zahlreichen Projekte. Auf dem Programm stehen Projekte, die das Gemeinschaftsgefühl und die Identifikation mit dem Wohnort fördern ebenso wie Unterstützung bei Ausbildungs- oder Beschäftigungsinitiativen. Zur Verschönerung des Viertels werden Straßen und Pätze begrünt. Ein Kiez-Kunstprojekt animiert Anwohner, im Rollberg-Atelier Figuren Zu erstellen, die dann eine Kreuzung zieren sollen. Die Spiel- und Freizeitangebote für Jugendliche sind in den letzten Jahren Ausgebaut worden. Zahlreiche Veranstaltungen sollen das Gemeinschaftsgefühl Der Bewohner fördern. Ein Internetportal und die Kiez-Zeitung "Rollberg-Info" informieren über Aktivitäten im Kiez. Beratungsangebote unterstützen Erwachsene bei allen Fragen rund um Arbeit und Existenzgründung und Jugendliche bei Schulabschluss oder Ausbildungsplatzsuche.
Auch Gewaltprävention wird im Rollbergviertel groß geschrieben. Das Jugendzentrum Lessinghöhe und das Streetworker-Projekt "Gangway" fördern ein gewaltfreies Miteinander durch Sportangebote oder Breakdance. Kiezläufer begehen regelmäßig die Siedlung. Die Präsenz der Ordnungshüter wird von der Bevölkerung begrüßt und führte nach kurzer Zeit zur Erhöhung des subjektiven Sicherheitsempfindens und zur Auflösung störender Gruppierungen.

Das Quartiersmanagement im Rollbergviertel hat viele dieser Projekte initiiert und mitfinanziert. Es fördert die fachübergreifende Zusammenarbeit der einzelnen Akteure im Kiez und bemüht sich mit großem Engagement, das Rollbergviertel lebenswerter zu gestalten und den Bewohnern eine Perspektive zu bieten. Herausragend an der Arbeit ist die aktive Beteiligung der Wohnbevölkerung. Es wird nicht für sie, sondern mit Ihnen geplant und gearbeitet. So kommt das Projekt auch auf 18. 000 ehrenamtliche Arbeitsstunden jährlich.

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Spanische Katholische Mission / Pfarrer José Antonio Arzoz Martinez


Pfarrer José Antonio Arzoz Martinez ist seit 1967 als Seelsorger in Deutschland tätig, zunächst in deutschsprachigen Gemeinden, später als Seelsorger in muttersprachlichen Missionen. In fast allen deutschen Bistümern wurden seit Beginn der Anwerbung von „Gastarbeitern" sog. Missionen errichtet. Ziel war, den besonderen seelsorgerischen und sozialen Bedürfnissen dieser Menschen gerecht zu werden. Seit 1990 arbeitet Pfarrer Arzoz als Delegat für die Seelsorge für Spanisch sprechende Katholiken in Deutschland. Er koordiniert damit die Arbeit in diesem Seelsorgebereich und vertritt die Gruppe spanisch sprechender Katholiken gegenüber der Deutschen Bischofs-konferenz.

Im Rahmen dieser Tätigkeit entwickelte er maßgeblich ein neues Konzept, das die muttersprach-lichen Gemeinden zunehmend zu einem Ort des Zusammenlebens von Deutschen und Zuwanderern werden lässt und zugleich den Bedürfnissen von neu ankommenden Zuwanderern gerecht wird. Darüber hinaus ist Pfarrer Arzoz stellvertretender Vorsitzender des Ökumenischen Vorbereitungsausschusses, der alljährlich die Woche der ausländischen Mitbürger / Interkulturelle Woche organisiert. Als Seelsorger setzt er sich zudem für die Rechte von Menschen ohne Aufenthaltsgenehmigung ein. Er ist Mitglied eines informellen Arbeitskreises von Priestern, der sich regelmäßig zu dem Thema Leben in der Illegalität austauscht.
Ăśber sein Engagement in der katholischen Kirche hinaus hat sich Pfarrer Arzoz fĂĽr die Integration der spanisch sprechenden Zuwanderer insgesamt eingesetzt.

So mitinitiierte er zwei erfolgreiche Modellprojekte: zum Einen spanische Elternvereine, die bei den Eltern von Migrantenkindern für eine gute Ausblidung werben und so überdurchschnittliche Bildungserfolge bei den Kindern erreichen und zum Anderen das inzwischen europaweite Projekt ¡A dentro!, das die Selbstorganisation und Integration von spanischen Senioren fördert.

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Plattform gegen Rechts fĂĽr Toleranz, Humanismus und Menschenrechte, gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus, FĂĽrstenwalde (Brandenburg)


Die Plattform wurde 1998 mit dem Ziel gegründet, die Aktivitäten einzelner Organisation aus dem Bereich Prävention gegen Rassismus, Rechtsextremismus und Antisemitismus zu bündeln und gemeinsame Strategien zu erarbeiten. Anlass für die Gründung der Plattform war der immer stärker werdende Rechtsradikalismus in der Region Fürstenwalde, der in gewalttätigen Angriffen gipfelte.

Seit ihrer Gründung treffen sich monatlich ca. 20 Aktive, um entsprechend der momentanen Situation Projekte zu initiieren oder kurz- und langfristige Strategien für die Stärkung der demokratischen Kultur vor Ort zu entwickeln und Realisierungsmöglichkeiten zu erarbeiten. Über diesen Personenkreis hinaus arbeiten ca. weitere 180 Personen ehrenamtlich in verschiedenen Projekten mit. Die breite Verwurzelung des Bündnisses in der Bevölkerung spiegelt sich in der Vielzahl der Akteure wieder: Vertreter der Vereine, Verbände, Kirchen Parteien sowie Vertreter der Stadtverwaltung und des Stadtrates, der Polizei, der Jugend- und Bildungseinrichtungen sowie einzelne engagierte Bürger beteiligen sich an der Arbeit.
Die Plattform arbeitet intensiv mit anderen Organisationen zusammen. Kooperationspartner sind unter anderem: RAA, Mobiles Beratungsteam Tolerantes Brandenburg, Koordinatorinnen gegen Gewalt und Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus der Stadt Fürstenwalde und des Landkreises Oder-Spree. Im Zeitraum 1998 bis 2005 hat die Plattform insgesamt 88 Aktionen bzw. Veranstaltungen in Fürstenwalde durchgeführt und sich an sechs Veranstaltung außerhalb der Stadt aktiv beteiligt. Die starke lokale Verantwortung der Plattform zeigt sich daran, daß ihre Mitglieder von Kommunalpolitikern und Behörden um Rat gefragt wurden, wie man sich gegenüber der - in den Kreistag eingezogenen - NPD verhalten sollen, die parlamentarisch wie außerparlamentarisch geschickt agierte.

Die renommierte vergleichende Studie von Dr. Rainer Strobel und Dr. Stefanie Würtz (Universität Bielefeld) zum Thema „Stadtgesellschaften im Umgang mit Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit" bestätigt die Effektivität der langjährigen Arbeit der „Plattform gegen Rechts".

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Denis Bohnstedt vom Einsatzabschnitt Halberstadt der Bundespolizei, Inspektion Magdeburg & Gerald Eggert, Journalist (Sachsen-Anhalt)


Denis Bohnstedt und Gerald Eggert haben durch ihr mutiges Eingreifen dem 37-jährigen James Biley aus Liberia vermutlich das Leben gerettet. James Biley wurde am 5. Mai 2005 von einer Gruppe Rechtsextremer angegriffen und schwer misshandelt. Obwohl vor dem Halberstädter Bahnhof viele Menschen anwesend waren, griff niemand ein; der Besitzer eines Imbisses verweigerte ihm den Zutritt, ein Taxifahrer weigerte sich, ihn einsteigen zu lassen.

Als sich der Bundespolizist Denis Bohnstedt vor das Opfer stellt und die Angreifer beruhigen will, schlagen diese auf ihn ein, bis er am Boden liegt, und lassen erst später von ihm ab. Der Journalist Gerald Eggert kann die Täter fotografieren, daraufhin wird auch er von der Gruppe bedroht und misshandelt. Andere Passanten greifen nicht ein, erst als die Polizei eintrifft und in einem Handgemenge eine Beamtin verletzt wurde, lassen die Täter von ihren Opfern ab. Bisher konnten nur drei Verdächtige ermittelt werden. Der Prozess gegen diese findet in diesen Tagen statt. Der Vorfall zeigt, welche Gefahr Rechtsextreme nach wie vor darstellen und zu welchen Taten diese fähig sind.

Denis Bohnstedt und Gerald Eggert haben mit ihrem Eingreifen ein Beispiel fĂĽr Zivilcourage gezeigt, das vorbildlich ist.

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