16.09.2011

Festakt/ Auszeichnung "Botschafter" 2002

PreistrÀger




Interner Link"Jumawa" (Jugend macht was) - eine Jugendgruppe aus Sebnitz (Sachsen)


"UngefĂ€hr im Februar 2001 trafen sich ca. 40 verĂ€ngstigte Jugendliche in xy, um eine Gruppe zu grĂŒnden, die ein Hauptziel hatte: Selbstschutz! Fast alle waren schon einmal Opfer einer 'Sache‘ gewesen! Einer 'Sache‘, ĂŒber die man in xy ungern redet: Gewalt von Rechts!" (Selbstdarstellung)

Es gibt viele dieser Orte. In diesem Fall heißt der Ort Sebnitz. Die Gruppe "Jumawa" wurde ausgezeichnet, weil es nach dem "Fall Joseph" besonders schwer war und ist, rechtsextreme Gewalt öffentlich an- und auszusprechen.
Die Jugendlichen von "Jumawa" wollen, dass ihre Stadt nicht die Augen vor den rechtsextremistischen Taten verschließt. Sie suchen das GesprĂ€ch mit den BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern, mit dem BĂŒrgermeister und sprechen die Kirchengemeinde zur UnterstĂŒtzung an. Holger Bartz, Mitglied der Gruppe: "Wir wollten fĂŒr unsere Gruppe Akzeptanz erreichen, wir wollten Probleme der Stadt Sebnitz ansprechen in Sachen rechts, in Sachen Jugendarbeit und auch etwas dagegen tun. Wir wollen mit der Stadt etwas zusammen dafĂŒr tun und auch einen Weg finden, wie man das realisieren kann."

Die Stadt hat dafĂŒr gesorgt, dass "Jumawa" eigne RĂ€ume erhielt. In den neuen RĂ€umen verbringen die Jugendlichen nicht nur ihre Freizeit, sie organisieren auch Feste und Konzerte. Sie wollen, dass Sebnitz ein attraktives Jugendfreizeitangebot hat. Den Rechtsradikalen in der Stadt stehen sie als Gruppe gegenĂŒber, die immer mehr AnhĂ€nger findet. Immer mehr Jugendliche aus Sebnitz machen mit. Die junge Gruppe wird in der Stadt ernst genommen. Das macht Mut und schafft Sicherheit.
Das Beispiel des Vereins "Jumawa" zeigt: Nicht Verschweigen schĂŒtzt vor Gewalt, sondern Öffentlichkeit und die SolidaritĂ€t von Jugendlichen aus unterschiedlichen Jugendszenen.

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Interner LinkBAFF - "BĂŒndnis aktiver Fussballfans"


Das "BĂŒndnis aktiver Fussballfans" wird ausgezeichnet wegen seiner langjĂ€hrigen Arbeit gegen Gewalt in Fussballstadien und ihrem Umfeld. BAFF gibt es seit 1993. Das BĂŒndnis hat mittlerweile ĂŒber 7.000 Mitglieder - 40 Gruppen (Fan-Initiativen, -Projekte und -Magazine) und ĂŒber 100 Einzelmitglieder. Seit seiner GrĂŒndung versucht BAFF, die zustĂ€ndigen Institutionen, Vereine und Fankurven fĂŒr das Problem von Diskriminierung, Rassismus und (rechter) Gewalt im Fussball zu sensibilisieren. Es kooperiert mit anderen europĂ€ischen Initiativen im Netzwerk FARE (Football Against Racism in Europe), das von der UEFA im Jahr 2001 mit den "Charity Award" ausgezeichnet wurde.

Im Rahmen von FARE und mit Förderung der EU hat BAFF die Wanderausstellung "Tatort Stadion. Rassismus und Diskriminierung im Stadion" erstellt. Dazu schreibt BundestagsprÀsident Wolfgang Thierse, Schirmherr der Ausstellung: Die Ausstellung "illustriert das erschreckende Gewaltpotential rund um unsere FussballplÀtze. Zugleich lÀsst sie das Wirken jener rechtspopulistischen HintermÀnner erkennen, denen der Fussball nur Mittel zur Verbreitung ihrer fremdenfeindlichen Parolen ist. Die Ausstellung macht deutlich, wie man solchen Tendenzen entgegenwirken kann."

Zu "Tatort Stadion" gibt es mittlerweile auch ein Buch. FĂŒr alle, die nicht zur Ausstellung kommen können.

Die Auszeichnung soll zugleich andere Initiativen ermutigen, durch AufklÀrung, PrÀvention und Freundschaftsturniere mit Jugendlichen und durch Mediationsprojekte Diskriminierung und Gewalt im Fussball abzubauen.

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SchĂŒlergruppe des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in Sondershausen (ThĂŒringen)




Diese Gruppe 17- und 18-jĂ€hriger SchĂŒlerinnen und SchĂŒler engagiert sich ohne festgefĂŒgte Strukturen zu verschiedenen aktuellen politischen Themen. FĂŒr sie ist es selbstverstĂ€ndlich, sich politisch einzumischen. Sie tun dies v.a. in der Umwelt- und in der Friedenspolitik und im Kampf gegen Rechtsextremismus, wobei das letztere derzeit einen Schwerpunkt bildet.

Sie setzen sich fĂŒr gewaltlose Konfliktlösungen auf allen Ebenen ein. Das betrifft sowohl Konflikte unter SchĂŒlern, zwischen Lehrern und SchĂŒlern, aber auch politische Konflikte. Die SchĂŒler arbeiten als eigenstĂ€ndige Gruppe im BĂŒndnis gegen Rechte Gewalt, Intoleranz und AuslĂ€nderfeindlichkeit im KyffhĂ€userkreis mit. In diesem Rahmen haben sie die Proteste gegen die NPD-Demonstration in Sondershausen am 19. Januar 2002 mit organisiert oder den Ostermarsch am 30. MĂ€rz 2002 fĂŒr MenschenwĂŒrde und Toleranz mit vorbereitet.

Mit der Auszeichnung als "Botschafter der Toleranz" wird das alltĂ€gliche Einstehen fĂŒr seine Überzeugungen, das "ganz normale", aber sehr couragierte Engagement junger Menschen gewĂŒrdigt.

PreistrĂ€ger: SchĂŒlergruppe des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in Sondershausen

Interner Link"Merhaba" der Thomas-Morus-Akademie


"Merhaba" ist ein Angebot der katholischen Thomas-Morus-Akademie an tĂŒrkische OberschĂŒlerinnen und Studentinnen. An der Akademie treffen die Frauen regelmĂ€ĂŸig zusammen, tauschen Erfahrungen und Biografien und organisieren Seminare. "Es ist so, dass die tĂŒrkischen Frauen noch nicht aus sich selber herausgekommen sind in dieser Gesellschaft. Wir möchten sie motivieren, sich zu bilden, Karriere zu machen und als Multiplikator an eine neue Generation ihre Erfahrungen weiterzugeben," so Projektleiterin Filiz ElĂŒstĂŒ. Die Themen der Seminare reichen vom eher persönlich-biographischen Berichten und Erfahrungen ĂŒber Fragen der Berufs- und Karriereorientierung bis hin zu politischen und kulturellen Themen. Zu Gast bei den Seminaren sind oft Migranten tĂŒrkischer Herkunft, die bereits Karriere gemacht haben: Schauspieler, Schriftsteller oder Unternehmerinnen. Von diesen Begegnungen profitieren die Studentinnen.

"Merhaba" macht den Studentinnen klar, das ihnen ihre tĂŒrkische Abstammung nicht im Wege steht, wenn es darum geht, in Deustchland Karriere zu machen. "Jedes tĂŒrkische MĂ€dchen und jede tĂŒrkische Frau sollte sich dessen bewusst sein, dass es ein Vorteil ist, von zwei Kulturen geprĂ€gt zu sein. Man sollte diese Sprachen an sich nehmen und wirklich
Wert darauf legen, beide perfekt zu beherrschen", so Pinar Kilic, Studentin der Betriebswirtschaftslehre an der Uni Köln.

Zwei gleichberechtigte Personen leiten "Merhaba" - eine Projektreferentin tĂŒrkischer Herkunft und ein deutscher Referent der Thomas-Morus-Akademie. Merhaba leistet einen wichtigen Beitrag zur Integration tĂŒrkischer Frauen in die deutsche Gesellschaft.

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Interner Link"naiin" e.V. (no abuse in internet) - Verein gegen Missbrauch im Internet und Initiative "Zusammen gegen Rechts im Internet" (ZgR)


Eine Auszeichnung der "Botschafter der Toleranz" geht gleichzeitig an zwei Initiativen, die zwar eigenstĂ€ndig arbeiten, jedoch in einer vernetzten Welt eng miteinander kooperieren. Sie engagieren sich gegen Rechtsextremismus und Gewalt im Internet. Ihr gemeinsames Ziel ist, rechtsextremistische Seiten, Kinderpornographie sowie Aufrufe zu Gewalt, Verbrechen, Rassen- und Minderheitenhass im Internet ausfindig zu machen, zu beobachten und zu verhindern. "Wir unterhalten eine Meldestelle fĂŒr Internetuser auf unserer Homepage. Dort können rechtsextremistische Inhalte gemeldet werden. Trift eine solche Meldung ein, bewerten wir die Inhalte und wenden uns direkt an die Provider - ob auslĂ€ndische oder inlĂ€ndische spielt keine Rolle. Wir schreiben sie an und unterrichten sie ĂŒber rechtsradikale Inhalte auf ihren Servern", so Dennis Grabowski von "Zusammen gegen rechts".

"naiin" wurde im August 2000 gegrĂŒndet. Dem Verein gehören Vertreter der Internetindustrie und VerbĂ€nde sowie Privatpersonen an. "Zusammen gegen rechts" - ein Mitglied von "naiin" - ist ein Zusammenschluss von Einzelpersonen und wird inzwischen von AOL unterstĂŒtzt. "Zgr" ĂŒberprĂŒft die beanstandeten Websites auf strafrechtlich relevante Aussagen und stellt die IdentitĂ€t des Betreibers und Providers fest. Bei VerstĂ¶ĂŸen gegen das Strafrecht wird der Provider informiert und um Sperrung der Seite gebeten; erfolgt dies nicht, wird eine Strafanzeige erstattet. Nach eigenen Aussagen konnte Zgr im Jahr 2001 das Abschalten von 249 URLs (einschließlich Weiterleitungen, Subdomains u. Ă€.) erreichen.
Die Vereine organisieren gemeinsame Diskussionsforen zu politischem Extremismus, Kinderpornographie und Online-KriminalitĂ€t. Zum Thema "Kinderpornographie" gibt der Verein Rat durch Informationen ĂŒber Filtersoftware.

"Es gibt Menschen, die der Meinung sind, dass das Internet anders als alle anderen Medien völlig frei und unreglementiert sein soll", so naiin in seiner Selbstdarstellung. "Das Grundgesetz ist jedoch auch eine Art von Reglementierung, und das sehr hochwertig, erfolgreich und erhaltenswert. Das Denken und Handeln der Rechtsextremen lĂ€uft implizit oder sogar direkt ausgesprochen auf eine Abschaffung des Grundgesetzes hinaus. Die Grundrechte und das Grundgesetz mĂŒssen auch im Internet Geltung haben, und sie mĂŒssen auch dort vor den Angriffen der Rechtsextremen geschĂŒtzt werden."

In Deutschland sind Provider verpflichtet, verfassungswidrige Symbole von ihren Servern zu entfernen, sobald und soweit sie davon Kenntnis haben. Doch viele rechtsradikale Homepages werden aus dem Ausland betrieben. Das worldwideweb von rechtsextremistischen Angeboten frei zu halten, ist fast unmöglich. naiin und "Zusammen gegen rechts" wollen es den Betreibern jedoch so schwer wie möglich machen.

PreistrÀger: Interner Link"naiin" e.V. (no abuse in internet) - Verein gegen Missbrauch im Internet und Initiative "Zusammen gegen Rechts im Internet" (ZgR)