26.11.2014

Preisverleihung im Wettbewerb "Aktiv für Demokratie und Toleranz 2013" in München

Die Preisträger/-innen des Wettbewerbs "Aktiv für Demokratie und Toleranz“ 2013 bei der Preisverleihung in München (Foto: BfDT)
Die Begrüßung der Gäste in dem feierlichen Ambiente des Prinz-Carl-Palais in München wurde von der bayerischen Staatsministerin für Arbeit und Soziales, Familie und Integration, Emilia Müller, übernommen (Foto: BfDT)
Herr Dr. Rosenthal, Leiter der Geschäftsstelle des BfDT, während des Grußwortes (Foto: BfDT)
Am 18. November 2014 wurden im Prinz-Carl-Palais der bayerischen Staatsregierung acht Preisträgerinnen und Preisträger des Wettbewerbs "Aktiv für Demokratie und Toleranz" 2013 ausgezeichnet. Die Sieger aus den Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg erhielten ein Preisgeld zwischen 2000€ und 5000€ sowie eine Urkunde als Auszeichnung ihres Engagements, die ihnen während der öffentlichen Preisverleihung verliehen wurde.
Die Begrüßung der Gäste in dem feierlichen Ambiente des Prinz-Carl-Palais in München wurde von der bayerischen Staatsministerin für Arbeit und Soziales, Familie und Integration, Emilia Müller, übernommen. Herr Dr. Gregor Rosenthal, Leiter der Geschäftstelle des Bündnisses für Demokratie und Toleranz (BfDT) sprach ein Grußwort, in dem er die Geschichte des Preises vorstellte und auf die vielfältige Arbeit des BfDT einging.
Frau Emilia Müller und Frau Karin Seehofer zeichneten mit den beiden Beiratsmitgliedern des BfDT Frau Fograscher, MdB, und Herr Prof. Dr. Eckert die Preisträgerinnen und Preisträger aus. Jedes Projekt wurde in einem Podiumsgespräch vorgestellt und das vorbildliche zivilgesellschaftliche Engagement gewürdigt. Anschließend wurde von einem der Laudator/-innen die Urkunde überreicht. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von Frau Hartmann. Sie trug, begleitet von einer Gitarre, die "Hymne" des ausgezeichneten Projekts "Mut und Courage Bad Aibling" sowie ein Cover von Janis Joplins Song "Me and Bobby McGee" vor. Abschließend gab es für alle Teilnehmenden die Möglichkeit, bei einer Brezel miteinander ins Gespräch zu kommen, neue Kontakte zu knüpfen und alte Freund/-innen und Mitstreiter/-innen wiederzusehen.
Große Aufmerksamkeit erfuhr die Preisverleihung und das Engagement der Preisträger in der Presse, einen Überblick über die Berichterstattung finden Sie Interner Linkhier.
Ziel des Wettbewerbes "Aktiv für Demokratie und Toleranz" ist es, zivilgesellschaftliches Engagement in Deutschland sichtbar zu machen. Der Wettbewerb wird jährlich vom Bündnis für Demokratie und Toleranz – gegen Extremismus und Gewalt ausgeschrieben. Unter dem Motto "Das Rad muss nicht immer neu erfunden werden" sollen in der Praxis bewährte, gut nachahmbare Projekte, die bereits eine gewisse Verstetigung vorweisen können, identifiziert und prämiert werden. So können sie als Beispiel guter Praxis für Engagierte andernorts dienen.

Folgende Projekte und Initiativen wurden ausgezeichnet:

BAYERN




Deutscher Ju-Jutsu Verband, Furth


Herr Roland Köhler und Herr Schweibold vom deutscher Ju-Jutsu Verband mit BfDT-Beiratsmitglied Prof. Dr. Roland Eckert (v.l.n.r.) (Foto: BfDT)
"Nicht mit mir!"
Das Projekt "Nicht mit mir!" des Deutschen Ju-Jutsu-Verbandes mit Sitz in Furth ist das deutschlandweite, bundeseinheitliche Präventions-, Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungskonzept nach dem umgekehrten Ampelprinzip, das 2008 geplant und konzipiert wurde: Grün beinhaltet den Bereich der Prävention, Gelb den Bereich der Selbstbehauptung und Rot den Bereich der Selbstverteidigung, der das zuletzt einzusetzende Mittel definiert und im Idealfall nicht betreten werden sollte. Das Projekt ist für alle Kinder von der Vorschulklasse bis zur Sekundarstufe schlüssig, nachvollziehbar und somit leicht erlernbar. Die ehrenamtlichen Kursleiter/-innen mit entsprechender Ausbildung, Erfahrung und Kompetenz vermitteln das Konzept alters- und zielgruppenorientiert. Der Kurs soll Kindern helfen, Gefahren zu erkennen, wenn möglich zu vermeiden und sich im Notfall auch angemessen zur Wehr setzen zu können. Durch das Projekt sollen die Kinder nicht nur Handlungsstrategien zur Konfliktlösung und Selbstverteidigung lernen, sondern auch in ihrer Persönlichkeit sowie im Umgang mit Anderen gestärkt werden. In Bayern haben mittlerweile ca. 10.000 Kinder und Jugendliche an den Kursen teilgenommen. Bundesweit wurden ca. 100 Kursleiter/-innen ausgebildet. (ausgezeichnet mit 4000 €)

Mut & Courage Bad Aibling e.V., Bad Aibling


Herr Steffl und Frau Durukan vom Mut & Courage Bad Aibling e.V. mit Staatsministerin Emilia Müller (v.l.n.r.)(Foto: BfDT)
Mut & Courage Bad Aibling e.V.
Der Verein "Mut & Courage Bad Aibling e.V." wurde 2010 auf Initiative von Frau Irene Durukan ins Leben gerufen. Impuls für die Vereinsgründung war die Hetzjagd und das Zusammenschlagen eines jungen Mannes in der Stadt, eine Situation, in der Frau Durukan durch ihr Eingreifen Schlimmeres verhindern konnte. Seither macht sie sich zusammen mit den Vereinsmitgliedern für Zivilcourage und Toleranz stark. Das Hauptanliegen ist dabei, über Vorträge, Aktionen, Schulbesuche, Workshops und vieles mehr kommunal Bürger/-innen aller Altersklassen zur Auseinandersetzung mit den Begriffen Toleranz, Selbstwert, Respekt, Mut und Zivilcourage zu bewegen. Dies geschieht durch niedrigschwellige und kreative Aktionen, um Gemeinschaft zu vermitteln und die Beteiligten durch Kunst, Musik, Vorträge, Tanz oder gesellschaftspolitische Aktionen wie "Stand up – stelle dich gegen Armut" ins Gespräch zu bringen. Darüber hinaus arbeitet der Verein überregional mit anderen Organisationen zusammen, um von vorhandenen Projekten zu lernen und sich zu vernetzen. 2013 startete der Verein mit der Konzertreihe "Respekt! Courage-Zug durch Deutschland" und setzt seinen Schwerpunkt auf das Tabu-Thema "Tod". Seit der Gründung 2010 haben ca. 1.000 Menschen an den Veranstaltungen des Vereins teilgenommen. (Ausgezeichnet mit 3000 €)

Julian Becker und Theater des Gymnasiums Olching, Olching


Julian Becker vom Theater des Gymnasium Olching mit Karin Seehofer (Foto: BfDT)
Cave Canem
Julian Becker produzierte zusammen mit der Theatergruppe des Gymnasium Olching den Film "Cave Canem" (zu Deutsch: Hüte dich vor dem Hund), der ursprünglich als Seminararbeit innerhalb des Schulunterrichts entstand. Die insgesamt 20 Jugendlichen setzten sich auf praktische und kreative Weise mit dem Thema Terrorismus und Extremismus auseinander und verdeutlichten, wie einfach es sein kann, als junger Mensch in die rechtsextreme Szene abzurutschen: Schulstress, das Gefühl, von Eltern und Lehrern/-innen nicht verstanden zu werden sowie Gruppendruck führen die beiden Protagonisten des Films auf "extreme" Abwege. Immer tiefer geraten sie in die Spirale aus Hoffnungslosigkeit, Rebellion und Gewalt, bis es zur Eskalation kommt und sie begreifen, dass sie mit ihrem Verhalten ernsthaften Schaden anrichten. Julian Becker wählte dabei das Medium Film, da er über seine Seminararbeit hinaus auch andere Jugendliche mit dem Projekt ansprechen und für die Folgen von Rechtsextremismus sensibilisieren wollte. Für das Projekt waren Julian Becker und sein Team weit über den Schulunterricht hinaus aktiv. Zusätzlich zur Produktion des Filmes organisierten sie drei kostenlose Kinovorstellungen mit jeweils ca. 200 Besucher/-innen in Olchingen. (Ausgezeichnet mit 3000 €)

Förderkreis Don Bosco Berufsschule e.V., Würzburg


Herr-Zumbrägel und Frau Ebert von der Don Bosco Berufsschule mit Staatsministerin Emilia Müller, MdL (v.l.n.r.) (Foto: BfDT)
Sprachförderung in der Gemeinschaftsunterkunft (GU)
Das Projekt "Sprachförderung in der Gemeinschaftsunterkunft (GU)" des Förderkreises Don Bosco Berufsschule e.V. in Würzburg richtet sich an Asylbewerber/-innen und möchte deren Sprachkompetenzen fördern. Der Kerngedanke ist hierbei, dass der Erwerb der deutschen Sprache eine zentrale Voraussetzung für die gesellschaftliche Integration von Asylbewerber/-innen ist. Das Projekt gibt dabei allen Menschen, unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus, die Möglichkeit, die deutsche Sprache auf den Niveaus A1 und B1 zu erlernen. Damit reagiert das Projekt auch auf die steigende Anzahl von Asylbewerber/-innen, die seit 2012 in Unterfranken zu verzeichnen ist. Bis auf eine hauptamtliche Person wird der gesamte Sprachunterricht ehrenamtlich übernommen. Unter den Lehrenden sind auch fünf bis zehn Senioren/-innen, die zuvor als Deutschlehrer/-innen tätig waren. Seit Beginn des Projektes im September 2012 haben 64 Menschen aus zehn Nationen an den Sprachkursen teilgenommen. (Ausgezeichnet mit 2000 €)

Würzburger Bündnis für Zivilcourage, Würzburg


Frau Köster und Herr Hose vom Würzburger Bündnis für Zivilcourage mit Karin Seehofer (v.l.n.r.) (Foto: BfDT)
Fest der Demokratie gegen den Nazi-Aufmarsch am 1. Mai
Das seit 2010 aktive Würzburger Bündnis für Zivilcourage organisierte am 01.05.2013 in Kooperation mit "Würzburg ist bunt, nicht braun" das "Fest der Demokratie gegen den Naziaufmarsch am 1. Mai". Neben der Gegendemonstration zum Aufmarsch des rechtsradikalen "Freien Netzes Süden" veranstaltete das Bündnis ein Fest der Demokratie und Toleranz, an dem sich verschiedene Organisationen, Vereine und Parteien mit Informationsständen beteiligten. Des Weiteren fand im Vorfeld sowie am 1. Mai eine Vielzahl von Aktivitäten statt. Zu diesen gehörten unter anderem das Hissen der Fahnen "Keine Zeit für Nazis", Auftritte einer Sinti-Jugendband und einer Klezmerband, sowie das Pflanzen von 2.000 Päckchen Vergissmeinnicht-Samen, um an die Opfer rechter Gewalt zu erinnern. Die Organisation des Festes fand ehrenamtlich statt. An dem Fest, an dem rund 8.000 Menschen teilnahmen, waren 30 verschiedene Vereine, Organisationen und Parteien vertreten. Die Veranstaltung war im Vorfeld detailliert organisiert worden und findet ihre Fortsetzung in Form einer Bürgerwerkstatt zur Entwicklung eines anti-rechtsradikalen Notfallplans im November 2013. (Ausgezeichnet mit 2000 €)

BADEN-WÜRTTEMBERG




Musikschule Gregorianum, Laupheim


Herr Brenner und Frau Werner von der Musikschule Gregorianum mit Frau Fograscher, MdB (v.l.n.r.) (Foto: BfDT)
Brundibàr Projekt
Das "Brundibàr Projekt" ist ein Kulturprojekt der Musikschule Gregorianum und des Museums zur Geschichte von Christen und Juden in Laupheim. Mit dem Kinderchor und den Solisten aus dem Jugendchor wurde die Kinderoper Brundibàr einstudiert, die 1938 von Hans Krása komponiert und 1942/43 über 50 Mal von KZ-Häftlingen in Theresienstadt aufgeführt wurde. Über die Musik sollten alle Beteiligten und Zuhörer an das Thema "Kinder und Holocaust" herangeführt und für die Gefahren des Antisemitismus sensibilisiert werden. Das Projekt richtete sich gleichermaßen an Kinder, Jugendliche und Erwachsene und setzte sich zum Ziel, dosiert in das Thema Deportation und Vernichtung von Juden zur Zeit des Nationalsozialismus einzuführen. Durch die begleitenden Workshops und Führungen im Museum wurden rund 600 Kinder zusätzlich intensiv mit dem Thema vertraut gemacht. Rund 90 Kinder und Jugendliche sowie 30 Erwachsene waren aktiv an der ehrenamtlichen Planung und Durchführung des Projekts beteiligt. Die Oper wurde zwischen Januar und Mai 2012 vor mehr als 1.600 Zuschauern/-innen aufgeführt. (Ausgezeichnet mit 4000 €)

Evangelische Kirche Langenau und Andere, Langenau


Teilnehmende und Initiatoren des Projekts „Freunde von Francis Biroet“ mit Frau Fograscher (rechts) (Foto: BfDT)
Freunde von Francis Biroet
In Langenau wurde am 13. April 1945 der 22-jährige französische Zwangsarbeiter Francis Biroet von SS-Truppen erhängt. Eine Initiative aus Bürger/-innen, Kirche, Volkshochschule, Stadt, Gewerbetreibenden, Künstlern/-innen und anderen, die sich die "Freunde von Francis Biroet" nennen, hat dieses Verbrechen ehrenamtlich aufgearbeitet und eine intensive Spurensuche betrieben. Am 68. Jahrestag der Hinrichtung, dem 13. April 2013, fand am Ort der Hinrichtung auf dem Marktplatz der Stadt eine Gedenkfeier mit Enthüllung einer Gedenkplatte statt. Ehrengast war Jean Chaize, KZ-Überlebender, selbst französischer Zwangsarbeiter, und Präsident der "Vereinigung zur Erinnerung an Deportation und Zwangsarbeit". Eine Schüler/-innen-Theatergruppe führte zudem selbst erarbeitete Szenen und Texte auf. Ziel des Projektes war es nicht nur, an Francis Biroet und die grundlosen Morde der Nationalsozialisten zu erinnern, sondern auch den kommenden Generationen ein Mahnmal für Respekt und Menschenwürde zu hinterlassen. Insgesamt wirkten an der Vorbereitung der Gedenkplatte und Gedenkfeier ca. 60 Ehrenamtliche mit. Am Tag der Enthüllung besuchten 200 Menschen das Mahnmal. (Ausgezeichnet mit 3000 €)

BUNDESWEIT




Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW)


Herr Nock und Frau Dr. Krüger vom THW mit Prof. Dr. Roland Eckert (v.l.n.r.) (Foto: BfDT)
Queer im THW
Das Onlineprojekt "Queer im THW" entstand im Auftrag des Präsidenten zwischen Januar 2010 und März 2012 aufgrund eines extrem diskriminierenden Vorfalls gegen einen Homosexuellen innerhalb des THWs. Vier ehrenamtliche Mitglieder gründeten daraufhin eine Arbeitsgemeinschaft, die sich der Konzipierung und Herstellung einer Internetseite rund um die Themen sexuelle Identität sowie Diskriminierung von nicht-heterosexuellen Menschen annahm. Durch ein Extranet – eine Homepage mit nicht öffentlichem Zugang - bietet "Queer im THW" eine Austauschplattform, auf der die Mitarbeiter/-innen und Mitglieder die Möglichkeit haben, sich über die Thematik zu informieren, mit anderen in Kontakt zu kommen, sich auszutauschen und Hilfe zu suchen. "Queer im THW" soll der Sensibilisierung für sowie der Werbung um Akzeptanz und Toleranz dienen. Ziel ist es, positive Rahmenbedingungen für alle Menschen im THW zu schaffen, und das Thema "Queer" als integralen Bestandteil der Bundesanstalt zu etablieren. Seit der Freischaltung der Seite im März 2012 verzeichnet das Projekt stetig steigende Besucherzahlen. Seit der Freischaltung der Seite im März 2012 verzeichnet das Projekt stetig steigende Besucherzahlen. 2013 besuchten monatlich zwischen 400 und 690 Menschen das Extranet. Das THW ist die erste Organisation in Deutschland, die das Thema Homosexualität und Queer nicht in andere Vereine und Initiative auslagert, sondern sich direkt mit dem Thema auseinandersetzt. (Ausgezeichnet mit 3000 €)