20.11.2014

Bürgerinitiative Glinde gegen rechts - "NoTonsberg" - Hauptpreisträger des Wettbewerbs "Aktiv für Demokratie und Toleranz" 2013

Kurzinterviews mit Inga Stöckmann und Rolf Metschulat

Die VHS-Gitarrengruppe Glinde unterstützt die Mahnwachen musikalisch (Foto: Glinde gegen rechts)Die VHS-Gitarrengruppe Glinde unterstützt die Mahnwachen musikalisch (Foto: Glinde gegen rechts)
Demonstration vom Glinder Markt bis zum Laden zum Anlass des 3. Jahrestages des Bestehens der Bürgerinitiative (Foto: Glinde gegen rechts)
BfDT-Botschafter für Demokratie und Toleranz 2014 "Storch Heinar" zu Besuch in Glinde (Foto: Glinde gegen rechts)

Das BfDT hat Ihr Projekt zu einem der drei Hauptgewinner des Wettbewerbs "Aktiv für Demokratie und Toleranz" 2013 gekürt. Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrem vorbildlichen Projekt?

Wir sind die Bürgerinitiative "Glinde gegen rechts", deren Homepage unter diesem Namen "notonsberg" läuft. Der Name ist im September 2011 durch unsere Protestaktionen gegen einen Laden entstanden, der bei "Rechten" die beliebte und als Erkennungszeichen dienende Kleidermarke "Tønsberg" verkauft. Seit über drei Jahren ist der Laden in unserer Stadt Glinde und sein Mietvertrag gerichtlich bestätigt.
Unser erstes Ziel ist, die Schließung des Tønsberg - Ladens zu erreichen. Dafür halten wir fast täglich seit über drei Jahren vor dem Laden zwischen 17 und 19 Uhr, samstags von 13 bis 15 Uhr Mahnwachen ab und organisieren Aktionen und Aufklärungsarbeit zum Thema Rechtsradikalismus, wie z.B. Lesungen und Konzerte, die ab und an auch an anderen Orten in Glinde stattfinden, z.B. im Bürgerhaus, in der Kirche oder auf dem Fußballplatz.
Im Laufe der Zeit haben sich uns immer mehr Glinder und Glinderinnen sowie Institutionen in der Stadt wie z.B. die Parteien, der Sportverein, die Kirchen und die Volkshochschule angeschlossen. Die Verwaltung steht hinter uns. Auch über Glinde hinaus haben wir uns mit hamburger und schleswig-holsteinischen Bündnissen gegen rechts vernetzt. Als in unserer Moschee in Glinde 13 Flüchtlinge Unterschlupf fanden, bekamen wir auch Kontakt zur Moschee. Wir unterstützten sie mit Sachspenden und anderen Hilfen. Das Obdachlosenheim in Glinde wurde auf unseren Anstoß hin renoviert. Auch Mitglieder der Moschee sind inzwischen bei uns aktiv dabei.
Wir wollen die Glinder Bürger/-innen über rechtsradikales Gedankengut aufklären und mithelfen, dass Glinde eine bunte Stadt ist und bleibt, in der Mitmenschlichkeit gegen Ausgrenzung steht.

Welche Auswirkungen hatte der Gewinn auf Ihre Arbeit?

Der Gewinn des Wettbewerbs "Aktiv für Demokratie und Toleranz" 2013 hat uns natürlich sehr motiviert, mit unseren Aktionen weiterzumachen. Nicht nur, dass immer mehr Menschen in Glinde und der Umgebung auf uns durch die positive Presse aufmerksam wurden, sondern wir konnten schließlich auch unseren Glinder Sportverein mit der Hälfte des Preisgeldes für seine Jugendarbeit unterstützen. Die Bürgerinitiative "Glinde gegen rechts" ist in unserer Region inzwischen zu einer Art "Marke gegen rechts" geworden.

Was konnten Sie im Jahr 2014 erreichen und welche Aktionen planen Sie für die Zukunft?

In 2014 haben wir sehr erfolgreich mit vielen Aktionen an den bundesweiten "Internationalen Wochen gegen Rassismus" teilgenommen. Wir konnten z.B. hier erstmals mit dem Jugendzentrum unserer Nachbargemeinde Reinbek zusammenarbeiten. Auch Ester Bejarano, deutsch-jüdische Überlebende des Vernichtungslagers Auschwitz, hat wieder eine Lesung in einer Schule gehalten. Zum dritten Jahrestages unseres Bestehens haben wir im September 2014 eine große Demo mit ca. 180 Teilnehmenden durch Glinde organisiert, wo neben den Mitgliedern der Bürgerinitative und Glinder Bürger/-innen auch das Glinder Parteienbündnis gegen rechts, eine Jugendgruppe aus Lübeck, die Kirchen in Glinde, der Verein für Völkerverständigung aus Hamburg-Bergedorf, der Glinder Bürgermeister und andere dabei waren. Für die Zukunft planen wir weiterzumachen: Mit Mahnwachen bis der Laden weg ist und mit Aktionen und Aufklärungsarbeit sowieso. Unser grobes Programm für 2015 ist erstmals in den öffentlichen Veranstaltungskalender unserer Regionalzeitung aufgenommen worden. Auch werden wir an den "Internationalen Wochen gegen Rassismus" 2015 teilnehmen, Gedenktage der Nazi-Gräueltaten gestalten und bunte Aktionen durchführen. Wir hoffen dabei auf viele neue Menschen und Impulse von innen und außen!

Weitere Informationen finden Sie Interner Linkhier oder in der BfDT-Initiativendatenbank.