28.05.2014

Preisverleihung im Wettbewerb "Aktiv für Demokratie und Toleranz 2013" am 12. Mai 2014 in Hamburg

Alle Preisträger/-innen der Festveranstaltung in Hamburg
Der Erste Bürgermeister und Präsident des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg, Herr Olaf Scholz, begrüßte die Gäste
BfDT-Beitratsmitglied Aydan Özoğuz, Staatsministerin bei der Bundeskanzlerin und Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, überreichte die Urkunden an die Preisträger/-innen
Moderatorin Brescrhkai Ferhad und BfDT-Beiratsmitglied Frau Dr. Sonntag-Wolgast, Parlamentarische Staatssekretärin a.D., beim Interview mit den Preisträger/-innen
Das Bündnis für Demokratie und Toleranz – gegen Extremismus und Gewalt (BfDT) hat 2013 im Wettbewerb "Aktiv für Demokratie und Toleranz" insgesamt 42 Initiativen und Projekte für ihr vorbildliches und nachahmenswertes zivilgesellschaftliches Engagement als Preisträger/-innen ausgewählt. Die mit 2.000 bis 5.000 Euro dotierten Preise werden jeweils durch eine regionale Preisverleihunge in Kooperation mit der Landesregierung vergeben.

Die dritte Preisverleihung für die nördlichen Bundesländer fand am 12. Mai 2014 in der Hamburger Finanzbehörde statt. Insgesamt wurden dort acht Projekte aus Hamburg, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein ausgezeichnet. Gemeinsam mit dem Ersten Bürgermeister und Präsidenten des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg, Herrn Olaf Scholz, haben Frau Aydan Özoğuz, Staatsministerin bei der Bundeskanzlerin, Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration und Mitglied im Beirat des BfDT, sowie Frau Dr. Cornelie Sonntag-Wolgast, Parlamentarische Staatssekretärin a.D. und ebenfalls Mitglied im Beirat des BfDT, die Preisträger/-innen in einer öffentlichen Preisverleihung ausgezeichnet und für ihre Engagement gewürdigt. Herr Dr. Gregor Rosenthal, Leiter der Geschäftsstelle des BfDT, würdigte die Initiativen und Projekte im Wettbewerb "Aktiv für Demokratie und Toleranz" in seiner Rede: "Wir versuchen vor allem Projekte zu identifizieren, die nachahmbar und übertragbar sind.".

Folgende Projekte und Initiativen wurden ausgezeichnet:

Mentor - die Leselernhilfe
Mentor - die Leselernhilfe Hamburg e.V.

"Mentor - die Leselernhilfe Hamburg e.V" ist eine Initiative von mittlerweile 700 Freiwilligen, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Sprach- und Lesekompetenz sowie das Textverständnis von Kindern und Jugendlichen zwischen sechs und 16 Jahren zu verbessern. Dabei arbeitet Mentor e.V. nach dem 1:1-Prinzip: Eine Mentor/-in trifft jeweils eine Schüler/-in einmal in der Woche für eine Stunde zum gemeinsamen Lesen - und das mindestens für die Dauer eines Jahres. Neben den ehrenamtlichen Mentor/-innen koordinieren ca. weitere 50 Menschen in ihrer Freizeit das Projekt. Die Mentor/-innen, die meist im Rentenalter sind, treten bei ihrem Engagement in einen generationsübergreifenden Dialog, zeigen Toleranz und stärken die Kinder bei der Integration in den Klassenverband. (ausgezeichnet mit 3000€)

Gewaltprävention aus der Opferperspektive
"Junge Gruppe" des Weißen Ringes e.V. - Hamburg

Die "Junge Gruppe" des Weißen Rings aus Hamburg führt an Schulen ehrenamtliche Gewaltpräventionsarbeit aus der Opferperspektive durch. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie die Perspektive der Kriminalitätsopfer in geeignete Maßnahmen der Kriminalprävention eingebracht werden kann. Das jeder Mensch ein Opfer von Gewalt werden kann, leitet dabei als Kernthese die Aufklärungsarbeit. Aus diesem Oberthema generieren sich Teilprojekte, wie zum Beispiel "Fairplay in der Liebe". Bei diesem Projekt werden Schüler/-innen ab 14 Jahren angesprochen und zum Thema Beziehungsgewalt sensibilisiert. Dies geschieht auf Anfrage von Schulen und nach Absprache mit den Lehrern/-innen, im Rahmen des Schulunterrichts oder in Projektwochen. Die Schüler/-innen lernen dabei nicht nur die unterschiedlichen Formen von Gewalt kennen, sondern sollen auch ihre eigenen Einstellungen zu dieser kritisch hinterfragen. Des Weiteren beschäftigt sich die "Junge Gruppe" des Weißen Rings mit Themen wie Cybermobbing und Jugendgewalt. (ausgezeichnet mit 3000€)

Sahlkamp Charta
Politik zum Anfassen e.V. - Hannover

Das Projekt "Sahlkamp-Charta" des Politik zum Anfassen e.V. wurde 2011 als Antwort auf verbale Beleidigung und gewalttätiges Vorgehen von Kindern und Jugendlichen gegen eine jüdische Tanzgruppe in Hannover ins Leben gerufen. Drei Schulen stellten daraufhin je eine Fraktion von Schülern/-innen, die im Rahmen eines parlamentarischen Ausschusses am 10. Juli 2012 über die Inhalte einer Charta zu "Sieben Regeln für das Zusammenleben im Stadtteil" verhandelten. Festgehalten wurden Regeln zum gemeinsamen, gewaltfreien und toleranten Miteinander in Hannover-Sahlkamp. Im Vorfeld hatten Kinder und Jugendliche aus Kitas, Grund- und Hauptschulen sowie Horts und Jugendtreffs das Projekt durch Umfragen von Mitbürger/-innen und Schüler/-innen sowie durch Medienprojekte Anfang 2012 vorbereitet. Auf einen interfraktionellen Antrag des Stadtbezirksrates Hannover hin kommt die von den Schülern/-innen demokratisch erarbeitete Charta nun als grundlegendes Regelwerk in allen Einrichtungen des Bezirks zur Anwendung. Im U-Bahn-TV der Üstra (Hannoversche Verkehrsbetriebe AG) wird bei jeder Ein- und Ausfahrt eine der sieben Regeln auf dem kleinen Bildschirm eingeblendet. Das Projekt wurde zum größten Teil ehrenamtlich durchgeführt und durch die Mitarbeiter/-innen des Politik zum Anfassen e.V. betreut. (ausgezeichnet mit 4000€)

"Erinnere dich - Przypomnij sobie"
AG "Erinnere dich" - Nienburg

Das Projekt "Erinnere dich – Przypmnij sobie" der AG "Erinnere dich" aus Nienburg fand zwischen September 2012 und September 2013 statt. Ziel des Projektes war es, den teilnehmenden Jugendlichen durch den Besuch der Gedenkstätte Auschwitz, die Schrecken des Holocaust bewusst zu machen, um sie so für ein demokratisches Eintreten für Menschenwürde zu sensibilisieren. Bei dem Projekt kamen Jugendliche aus fünf Nienburger Schulen zusammen und setzen sich gemeinsam in Workshops vor Ort mit der Geschichte des Konzentrationslagers auseinander. Ein Teil der Jugendlichen bereitete die Fahrt durch verschiedene Aktionen nach. Dazu zählten unter anderem eine Initiative zur Verlegung von Stolpersteinen, die Übernahme der Patenschaft für den Stolperstein für Sophie Schragenheim, Recherchen im Stadtarchiv und Präsentationen in Schulen. Für die begleitenden Pädagogen/-innen stand dabei im Vordergrund, die Jugendlichen nicht nur zu sensibilisieren, sondern sie auch langfristig für die Erinnerungsarbeit und das Engagement gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in Nienburg zu gewinnen. Zudem setzten sie einen Schwerpunkt auf die Einbindung von jungen Menschen mit Migrationshintergrund sowie von Jugendlichen aus sozial benachteiligten Verhältnissen, um deren gesellschaftliche Partizipation zu stärken. Das Projekt, das außerhalb der Schulzeit stattfand und ehrenamtlich organisiert und durchgeführt wurde, trug weiterhin zur Verbesserung der Verständigung zwischen den polnischen und deutschen Jugendlichen bei. (ausgezeichnet mit 3000€)

Robin Hood von Vorsfelde
RainBOW e.V. - Wolfsburg

Das Projekt "Robin Hood von Vorsfelde" des RainBow e.V. entstand 2011 in Wolfsburg. Aus Interesse an der Geschichte Kurt Schmidts, eines Jugendlichen, der Weihnachten 1933 durch die Nationalsozialisten ermordet wurde, machte sich die Jugendgruppe des Vereins daran, den Spuren des Jungen zu folgen. Daraus entstanden verschiedene Veranstaltungen und Aktionen, die an den Nationalsozialismus und die Geschichte Kurt Schmidts erinnern sollen. Dazu zählen unter anderem eine Kunstaktion, Zeitzeugengespräche, sowie ein Fußballturnier unter dem Namen "Kurt-Schmidt- Friedenscup". Des Weiteren setzten sich rund 80 junge Menschen aus Westhagen/Wolfsburg kreativ mit der Geschichte Kurt Schmidts auseinander und präsentierten diese im Mai 2012 vor ca. 150 Besucher/-innen in einer Gedenkstätte. Die Ausstellung "Aufgewachsen im Dritten Reich", die der Verein ebenfalls mitorganisierte, besuchten ca. 500 Menschen. Langfristiges Ziel des Projekts ist es, Kurt Schmidt als festen Bestandteil der Stadtgeschichte zu etablieren und durch die vielseitige Beschäftigung mit seiner Biographie die Jugendlichen für Toleranz und Demokratie zu sensibilisieren. (ausgezeichnet mit 2000€)

Noahs Wege
Europaschule Rövershagen - Rövershagen
Auf Initiative von Schüler/-innen der Europaschule Rövershagen entstand 2010 das Projekt "Noahs Wege", das die Lebensgeschichte des Holocaust-Überlebenden Noah Klieger erzählt. Gemeinsam mit dem in Israel lebenden Journalisten machten sich zwei Schüler/-innen sowie zwei Lehrer/-innen im September 2011 auf eine Europareise und besuchen die wichtigsten Orte seines Lebens. Aus der Reise ist ein Buch sowie ein Film unter dem Titel "Noahs Wege" entstanden, die in Schulen, Jugendtreffs und anderen Bildungsträgern für die praktische Demokratieerziehung weiterverwendet werden. Im November 2012 luden die Jugendlichen Noah Klieger nach Rostock ein und organisierten Zeitzeugengespräche an Schulen in Rostock und Gelbensande sowie im Rostocker Böll-Haus. An den Veranstaltungen nahmen sowohl Jugendliche als auch Erwachsene teil. Das Ergebnis des Projekts wurde Ende 2012 von drei Schüler/-innen in der Gedenkstätte Yad Vashem in Israel präsentiert. Ihre Eindrücke und das gesammelte Material stellten die Jugendlichen zudem auf Schautafeln dar, die ihre Rundreise begleiten. (ausgezeichnet mit 4000€)

NoTonsberg
Bürgerinitiative "Glinde gegen rechts" - Glinde

Die Bürgerinitiative "Glinde gegen Rechts" gründete sich 2011 als Antwort auf die Eröffnung eines Thor-Steinar-Ladens in der Stadt. Mit dem Projekt "NoTonsberg" rief sie eine tägliche Mahnwache ins Leben, die ein klares Zeichen gegen Rechts und für Demokratie und Toleranz setzen sollte. Aus dem Protest gegen das Geschäft wurde bald ein breitgefächerter Widerstand gegen das Erstarken rechten Gedankenguts in Glinde, der heute bis über die Landesgrenzen hinaus bekannt ist. Seit Gründung der Initiative wurden 620 Mahnwachen abgehalten, drei Großdemonstrationen gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus sowie eine Menschenkette organisiert. Darüber hinaus veranstaltete das Bündnis Lesungen, Diskussionsveranstaltungen, Fußballturniere sowie Konzerte gegen Rechts. Zudem läuft aktuell eine Stolpersteinaktion zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus in Glinde. Insgesamt sind ca. 25 ehrenamtliche Mitglieder aktiv bei der Organisation und Durchführung der Aktionen beteiligt. (ausgezeichnet mit 5000€)

Von der Straße auf die Bühne
"G-Breaker" - Lauenburg (Elbe)

"Von der Straße auf die Bühne" ist ein Tanzprojekt, in dem die Initiative "G-Breaker" aus Lauenburg an der Elbe vorrangig Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund oder aus sozial benachteiligten Familien kostenfreien Breakdance - Unterricht gibt. Schwerpunkt ist dabei das gemeinsame Erlernen von Breakdance - Moves und die Gestaltung einer Tanzchoreografie. Die einzelnen Tanzkurse werden von den "G-Breakern" mit einer Kamera aufgenommen, bearbeitet und auf Youtube eingestellt. Aus den Tanzvideos produzieren Teilnehmende am Ende des Jahres eine kleine Tanzdokumentation, in der sie über ihre Erfahrungen während des Projektes berichten. Somit wollen die Trainer/-innen der "G-Breaker", die selbst einen Migrationshintergrund haben, benachteiligten Kindern und Jugendlichen eine Bühne bieten und sie somit von der Straße holen. Durch den Breakdance - Unterricht soll die Teamfähigkeit und Konfliktlösungskompetenz der Teilnehmenden gestärkt und ihnen darüber hinaus Hilfestellung beim Überwinden sozialer oder kultureller Barrieren geboten werden. Durch die Auftritte der "GGirls" and "G-Boys" in der Öffentlichkeit sollen sich die Kinder und Jugendlichen zudem ihren Ängsten stellen und in ihrer Persönlichkeit und ihrem Selbstwertgefühl gestärkt werden. (ausgezeichnet mit 2000€)

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Pressekontakt:
Johanna Suwelack
Geschäftsstelle Bündnis für Demokratie und Toleranz
in der Bundeszentrale für politische Bildung
Themenbereichsleiterin Öffentlichkeitsarbeit
Friedrichstraße 50
10117 Berlin
Tel +49 (0)30 254504-464
Fax +49 (0)30 254504-478
E-Mail: johanna.suwelack@bpb.bund.de
www.buendnis-toleranz.de