28.11.2013

Öffentliche Auszeichnung und Anerkennung in Freiburg

Preisverleihung des Wettbewerbs „Aktiv fĂŒr Demokratie und Toleranz 2009“ in Freiburg im Breisgau am 29. Oktober 2010

Die PreistrÀger im Kaisersaal des Historischen Kaufhauses
Wolfgang Gerstner, Maximilan-Kolbe-Werk e.V. und Professor Eckert
Projekt "RĂŒckenwind" aus Kehl
Beatrix Kayser und Beyhan Ülgen: Projekt "Sprachmittler"
Die PreistrÀger des TSV Ehningen
Am Freitag, den 29. Oktober wurden im Historischen Kaufhaus in Freiburg acht Initiativen und Projekte im „Wettbewerb fĂŒr Demokratie und Toleranz 2009" ausgezeichnet. Die PreistrĂ€ger wurden zunĂ€chst von Prof. Dr. Dr. hc Hans Eßmann, Stadtrat der Stadt Freiburg, und Kim Hartmann, stellvertretende GeschĂ€ftsstellenleiterin des BĂŒndnisses fĂŒr Demokratie und Toleranz (BfDT) begrĂŒĂŸt, bevor ihnen ihre Auszeichnungen von Prof. em. Dr. Roland Eckert, Beiratsmitglied des BfDT, ĂŒberreicht wurden.

Professor Eßmann zeigte sich in seiner Ansprache beeindruckt von der FĂŒlle des Engagements der acht PreistrĂ€ger aus Baden-WĂŒrttemberg: „Die hier vertretenen Projekte machen deutlich, wie viel jeder Einzelne bewirken kann und welchen wichtigen Stellenwert ehrenamtliches Engagement in unserer Gesellschaft einnimmt." Kim Hartmann unterstrich anhand einiger aktueller und vergangener Projektbeispiele des BfDT in Baden-WĂŒrttemberg in ihrer Ansprache die Rolle des BfDT als Ansprechpartner und Impulsgeber der Zivilgesellschaft. Die PreistrĂ€ger, die ihre Auszeichnung im festlichen Kaisersaal des Historischen Kaufhauses persönlich entgegen nahmen, hatten ausfĂŒhrlich Gelegenheit, ihre Projekte vorzustellen. BfDT-Beiratsmitglied Professor Eckert ĂŒberreichte den PreistrĂ€gern nicht nur ihre Urkunden, sondern machte jeweils in einer kurzen Laudatio die Besonderheiten der ausgezeichneten Projekte deutlich und bettete sie in ihren gesellschaftspolitischen Gesamtkontext ein.

Besondere Aufmerksamkeit erhielt zunĂ€chst der lokale PreistrĂ€ger aus Freiburg, das Maximilian-Kolbe-Werk, das fĂŒr ein Zeitzeugenprojekt mit SchĂŒlern in Sachsen prĂ€miert wurde. In dem ausgezeichneten Projekt „Fragt uns, wir sind die Letzten..." organisierten Ehrenamtliche aus Sachsen vom 8. bis zum 19. September 2009 ZeitzeugengesprĂ€che mit KZ- und Holocaust-Überlebenden aus Polen, Belgien, Ungarn und der Tschechischen Republik an insgesamt 14 Schulen in Ostsachsen. Wolfgang Gerstner, GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Maximilian-Kolbe-Werks, erlĂ€uterte, wie wichtig und bewegend die Begegnung von jungen Menschen mit den Holocaust-Überlebenden fĂŒr beide Seiten sei: „Die persönliche Begegnung und die unmittelbare Erfahrung machen den Jugendlichen auch heute noch die Ausmaße der damaligen Verbrechen begreiflich - etwas das allein mit GeschichtsbĂŒchern nicht zu bewerkstelligen ist." „Die Möglichkeit zum GesprĂ€ch mit Zeitzeugen muss man intensiv nutzen, solange sie besteht", bemerkte auch Professor Eckert. Angesichts des hohen Alters der meisten Überlebenden arbeitet das Kolbe-Werk derzeit auch an neuen Konzepten zur Erinnerung und zur Aufarbeitung der Verbrechen des Nationalsozialismus, die mit Spannung erwartet werden dĂŒrfen.

Der DRK Kreisverband Kehl e.V. wurde fĂŒr sein gewaltprĂ€ventives Projekt „RĂŒckenwind" ausgezeichnet. Die zwei jungen Ehrenamtlichen Samia Azzouz-Moes und Gabrielle Hartmann nahmen stellvertretend fĂŒr das gesamte Projektteam ihre Auszeichnung entgegen und erlĂ€uterten den Ansatz des Projekts RĂŒckenwind: Jugendliche werden speziell dafĂŒr ausgebildet, straffĂ€llig gewordenen Jugendlichen in GesprĂ€chen und Gruppensitzungen dabei zu helfen, sich mit ihren Taten auseinanderzusetzen, Wege der Wiedergutmachung zu finden und sich selbst Perspektiven fĂŒr eine straffreie Zukunft zu verschaffen. Professor Eckert lobte den Peer-Ansatz des Projektes: „Jugendliche haben einen ganz anderen, unmittelbaren und viel leichteren Zugang zu Gleichaltrigen, als dies bei Ă€lteren Herrschaften wie Lehrern, StaatsanwĂ€lten oder Richtern der Fall ist. Von Gleichaltrigen lĂ€sst man sich viel eher etwas sagen und ĂŒberzeugen. Daher hat das Projekt „RĂŒckenwind" den Beirat des BfDT bei der Auswahl der PreistrĂ€ger gleich ĂŒberzeugt".

Auch das Projekt „Sprachmittler" der Caritas Schwarzwald-GĂ€u aus Sindelfingen verfolgt diesen Ansatz, wenn auch vor einem anderen Hintergrund. Die Caritas Schwarzwald-GĂ€u bildet Sprachmittler aus, die Menschen mit Migrationshintergrund und geringen Kenntnissen der deutschen Sprache in Alltagssituationen helfen. So begleiten sie diese bei BehördengĂ€ngen, auf Elternabende oder zum Arzt. „Fremdheit ist etwas sehr Relatives, Subjektives und oftmals reicht bereits ein vertrauter Faktor, um diese Fremdheit abzubauen. Gegenseitiges Verstehen ist dabei immer der erste Schritt zur VerstĂ€ndigung und Anerkennung", bemerkte Professor Eckert. Dem Projekt gehören Sprachmittler mit neun verschiedenen Sprachen an, so dass sie Menschen aus verschiedensten Kulturkreisen zur Seite stehen können. Die Sprachmittlerin Beyhan Ülgen, die gemeinsam mit der Projektkoordinatorin Beatrix Kayser die Auszeichnung entgegen nahm, erlĂ€uterte ihre Motivation zur ehrenamtlichen Arbeit folgendermaßen: „Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Debatten um Integration ist es wichtig ein Zeichen zu setzen: Wir tun etwas und engagieren uns." Projekte wie die „Sprachmittler" leisten hierbei einen wichtigen und nachhaltigen Beitrag zur Integration.

Zu guter Letzt wurde der Fußballverein TSV Ehningen geehrt, der im Rahmen des Projekts „MUT gegen rechte Gewalt" nicht nur die traditionelle Trikot-Beflockung mit dem Slogan vorgenommen hat, sondern auch Seminare zur AufklĂ€rung ĂŒber Rechtsextremismus fĂŒr D-Jugendspieler organisiert. „Die Motivation fĂŒr die Aktion ging ganz vom TSV Ehningen aus, das hat mich sehr beeindruckt", erlĂ€uterte Hubert WĂŒrth, Familienreferent der Gemeinde Ehningen. „Zwar hatte Ehningen keine besonderen Probleme mit Rechtsextremismus, aber wir haben die Initiative trotzdem sehr begrĂŒĂŸt." Die prompte Reaktion eines örtlichen  NPD-FunktionĂ€rs in Form von Gegenaktionen habe dem Engagement des Vereins sogleich Recht gegeben. Willi Tafel, der Jugendleiter des Vereins, bemerkte, das Projekt sei von einem jugendlichen Vereinsmitglied angeregt und von allen Jugendlichen sehr positiv aufgenommen worden. Auch die jungen BrĂŒder Cedric und Fabian Fais, die auf der BĂŒhne ihre „MUT gegen rechte Gewalt"-Trikots prĂ€sentierten, bestĂ€tigten diese Haltung: „Wir finden es gut, dass sich unser Verein gegen AuslĂ€nderfeindlichkeit und fĂŒr Toleranz engagiert. Denn es ist egal, ob meine Mitspieler auf dem Platz Deutsche oder TĂŒrken sind. Die Hauptsache ist, dass wir alle zusammen Fußball spielen können."

Außerdem ausgezeichnet wurden der Stadt- und Kreisjugendring Heilbronn e. V. fĂŒr die Erstellung und Herausgabe eines Interkulturellen Kalenders fĂŒr das Jahr 2010, der Judo-Club Weingarten e.V., die Gemeinde TĂŒbingen fĂŒr das „1. TĂŒbinger Kinderrathaus" sowie Kids for Kids e.V. aus Stuttgart fĂŒr das Projekt "PrĂ€v-Dancer".

Festlich begleitet wurde die Veranstaltung von zwei jungen Musikerinnen, Clara Pouvreau und Anne Schinz von der Musikhochschule Freiburg, die das Publikum am Cello und an der Geige mit klassischer Musik unterhielten. Bei Wein und Brezeln kamen die PreistrĂ€ger im Anschluss an die Preisverleihung mit den GĂ€sten, Vertretern der Stadt Freiburg und des BfDT ins GesprĂ€ch und nutzten die Gelegenheit, um sich ĂŒber aktuelle und zukĂŒnftige Projekte auszutauschen.