02.12.2013

Bernburger Bündnis für Demokratie und Toleranz – gegen Rechtsextremismus und Gewalt

Preisträger im Wettbewerb "Aktiv für Demokratie und Toleranz 2008"

Demonstration gegen RechtsextremistenFoto: Bernburger BĂĽndnis fĂĽr Demokratie und Toleranz gegen Rechtsextremismus und Gewalt
Foto: Bernburger BĂĽndnis fĂĽr Demokratie und Toleranz gegen Rechtsextremismus und Gewalt
Logo: Bernburger BĂĽndnis fĂĽr Demokratie und Toleranz gegen Rechtsextremismus und Gewalt
von Dr. Roland Wiermann (Bernburger Bündnis für Demokratie und Toleranz – Gegen Rechtsextremismus und Gewalt)

In den letzten Jahren kam es immer wieder zu Kundgebungen und Veranstaltungen der NPD in und um Bernburg. Viele engagierte BernburgerInnen organisierten spontane Gegendemonstrationen. Zunehmend wuchs aber die Unzufriedenheit darüber, dass man immer nur auf Aktionen aus der rechtsradikalen Szene reagierte. Der Wunsch nach aktivem Handeln wurde immer stärker, so dass sich 2006 unter der Leitung von Kreisoberpfarrer Karl-Heinz Schmidt eine Arbeitsgruppe regelmäßig traf, um eine Gründungserklärung für ein Bürger-Bündnis zu formulieren.
Am 27. Januar 2007 fand schließlich in der Gedenkstätte für die Opfer der NS-Euthanasie in Bernburg die Gründungsveranstaltung des „Bernburger Bündnisses für Demokratie und Toleranz - Gegen Rechtextremismus und Gewalt" statt. Vertreter der Stadt, des Landkreises sowie aller demokratischen Parteien, vieler Gewerkschaften und zahlreicher öffentlicher Einrichtungen und Verbände und erfreulich viele Einzelpersonen aller Altersstufen unterschrieben die Erklärung.

Wie wichtig die Gründung des Bündnisses war, wurde schon ein halbes Jahr später offensichtlich: Mitten in der Innenstadt am Marktplatz befindet sich seit Herbst 2007 die Bundesgeschäftsstelle der Jungen Nationaldemokraten (JN). Am gleichen Ort war seit Oktober 2006 der rechte Szeneladen „Nordic Flame" untergebracht. In diesem Gebäude finden seit Herbst 2006 vermehrt Treffen von Rechtsextremisten statt. Versammlungen, politische Schulungen und rechte Freizeitaktivitäten werden hier abgehalten. Im Mai 2008 zieht der Laden „Nordic Flame" in ein anderes Geschäftslokal gegenüber und präsentiert hinter großen Schaufenstern einschlägige Kleidung. Durch persönliche Gespräche mit dem Vermieter ist es dem Bernburger Bündnis gelungen, dass der Mietvertrag gekündigt wurde und der Laden zum 31. August 2008 die Geschäftsräume verlassen musste.

Der schleichenden Ausbreitung Rechtsextremer in der Stadt wollten und wollen viele BernburgerInnen nicht tatenlos zusehen. Unter dem Motto „Das Fass ist voll" demonstrierten am 11. März 2008 ca. 800 BürgerInnen gewaltfrei gegen die Bundesgeschäftsstelle der JN in Bernburg. Die Teilnehmer bildeten eine Menschenkette vom Markt bis zur Saale. In Anlehnung an das Motto gaben sie Eimer mit Saalewasser bis zum Marktplatz weiter und füllten sie dort in ein Fass. Überaus erfreulich war, dass alle Altersgruppen, alle Parteien, Gewerkschaften, Verbände und Behörden vertreten waren.
Am 19. Dezember 2008 eröffnete die NPD im gleichen Gebäude, in dem sich auch die Bundesgeschäftsstelle der JN befindet, ihre Landesgeschäftstelle. Das Bernburger Bündnis organisierte daher in dem Ladenlokal, in dem sich bis 31. August der „Nordic Flame"-Laden befand, eine Weihnachtsfeier unter dem Motto „Bunte Weihnachten" mit viel Musik, Keksen und Tee. Die TeilnehmerInnen knüpften mitgebrachte Geschenkbänder zu einem langen bunten Band, das die Abgrenzung aller BernburgerInnen gegenüber Rechtsradikalen symbolisieren sollte.

Derzeit arbeitet des „Bernburger Bündnis für Demokratie und Toleranz - Gegen Rechtsextremismus und Gewalt" in vier Arbeitsgruppen weiter.
Einige Mitglieder kümmern sich um die Internetpräsenz (Interner Linkwww.salzlandkreis.de/salzland/aktuelles/bfd.htm). Andere finden sich in einer Arbeitsgruppe zusammen, die Projekte für Schulen in und um Bernburg erarbeitet hat. Für Lehrer und Erzieher werden Workshops angeboten, Eltern wird das Thema rechtsextreme Gewalt näher gebracht. Offene Gesprächsrunden für Jugendliche sensibilisieren und fördern demokratisches Denken. Durch erlebnispädagogische Projekte sollen Gemeinschaft gestärkt und Sozialverhalten gefördert werden.
Die dritte Arbeitsgruppe organisierte neben den bereits erwähnten Kundgebungen ein Fußballturnier am 4. Oktober 2008. Unter dem Motto: „Kick gegen Rechts" waren viele Laienmannschaften aus Verwaltungen, Firmen, Verbänden etc. zu einem Turnier aufgerufen. Ein Banner mit der Aufschrift „Kein Platz für Nazis - Nirgendwo" wurde zeitversetzt an vielen prominenten Gebäude der Stadt befestigt. Für das Jahr 2009 sind weitere Aktionen des Bündnisses geplant („Musik gegen Rechts", „Kick gegen Rechts" etc.)
Eine vierte Arbeitsgruppe organisiert Fortbildungen, Vorträge und Informationsabende für Menschen, die sich mit dem Thema Rechtsradikalismus auseinandersetzen möchten. Zum Beispiel wurden Veranstaltungen mit Tilen wie „Argumente gegen Rechts" oder „Nazis im Nadelstreifenanzug" durchgeführt. An Infoständen im Zentrum der Stadt informieren Mitglieder des Bernburger Bündnisses über die Aktivitäten rechtsextremer Organisationen und stehen für Gespräche und Diskussionen mit BürgerInnen zur Verfügung.

Das Bernburger BĂĽndnis ist regional mit benachbarten Initiativen (z. B. StaĂźfurt) vernetzt. Es hat sich ein Forum gebildet, in dem Erfahrungen und Informationen ausgetauscht werden. Auf diese Weise konnte beispielsweise in Nienburg (Saale) ein Aufmarsch der rechten Szene am 18. Juni 2008 verhindert werden.
Flankiert wird die Arbeit des BĂĽndnisses durch das Regionale Beratungsteam gegen Rechtsextremismus von Miteinander e.V. - Netzwerk fĂĽr Demokratie und Weltoffenheit in Sachsen-Anhalt (Halle) (Interner Linkwww.miteinander-ev.de) unterstĂĽtzt.