01.12.2008

HERZ-SCHLAG - Eine Wanderausstellung zum Thema häusliche Gewalt

Preisträger im Wettbewerb "Aktiv für Demokratie und Toleranz 2007"

Foto: Frauenhaus NorderstedtFoto: Ausstellungsbesuch einer SchĂĽlergruppe; Frauenhaus Norderstedt
Foto: Ausstellungsobjekt Gewaltspitale; Frauenhaus Norderstedt
Von Susanne HauĂźmann und Renate Heim (Frauenhaus Norderstedt)

Die Ausstellung HERZ-SCHLAG wurde ursprünglich 2005 von uns, Renate Heim und Susanne Haussmann, zwei Mitarbeiterinnen des Frauenhauses Norderstedt des Diakonischen Werkes Niendorf, konzipert. Anlässlich des 25. jährigen Jubiläums des Frauenhauses entstand die Ausstellung in enger Zusammenarbeit mit den Bewohnerinnen und Kindern unseres Frauenhauses.
HERZ-SCHLAG möchte das Thema häusliche Gewalt enttabuisieren und die Öffentlichkeit auf die in der Familie und im familiären Nahbereich stattfindende Gewalt aufmerksam machen. Das Besondere an HERZ-SCHLAG ist die Authentizität der Ausstellungsgegenstände und Installationen. Die Ausstellung "lebt" davon, dass sie von den Betroffenen (Frauen und Kindern unseres Frauenhauses) mitgestaltet wurde. HERZ-SCHLAG wird stetig durch neue persönliche Installationen ergänzt.

Inzwischen setzen wir die Ausstellung für die Präventionsarbeit in Schulen ein und stellen sie im Rahmen einer Wanderausstellung auch anderen Institutionen für ihre Gewaltpräventionsarbeit zur Verfügung.
Zielgruppe für das Präventionsprojekt HERZ-SCHLAG sind vorrangig Schüler/innen ab dem 14. Lebensjahr. Zum Einen haben Jugendliche in diesem Alter meist selbst die ersten Erfahrungen mit Partnerbeziehungen gemacht und somit erfahren, welche Rollenmuster und Verhaltensdynamiken in Beziehungen zum Tragen kommen. Aber auch in der eigenen Familie oder im Freundes- und Bekanntenkreis sind viele Jugendliche mit dem Thema häusliche Gewalt konfrontiert. Allzu oft haben sie keinen Ansprechpartner/in und werden mit ihren Ängsten, Fragen und den Gefühlen von Wut, Verzweiflung und Hass allein gelassen. Die verschiedenen Ebenen, auf denen das Thema häusliche Gewalt in der Ausstellung behandelt wird und die Authentizität der Installationen, Texte und vielem anderen führt bei den Jugendlichen dazu, dass sie ein starkes Interesse, eine besondere Offenheit und auch spürbare Betroffenheit zeigen ( „das kenne ich auch " / „ich konnte mir gar nicht vorstellen, dass es so etwas gibt").

Unser Ziel im Jahr 2008 war es, eine stärkere Vernetzung auch über die bundesdeutschen Grenzen hinaus mit Initiativen herzustellen, die im Bereich Gewaltprävention engagiert sind. In Zusammenarbeit mit einer Krakauer Frauenorganisation, die sich im Bereich häusliche Gewalt engagiert, haben wir Anfang Juni 2008 unsere Ausstellung HERZ-SCHLAG eine Woche sehr erfolgreich in Krakau gezeigt. Die Ausstellung gibt es in einer ins Polnische übersetzten Version und so konnten wir dort Führungen für Student/innen, Polizeibeamt/innen, Sozialarbeiter/innen, Jugendliche und andere Interessierte anbieten und im Rahmen von Diskussionsveranstaltungen viele interessante Informationen austauschen.
Langfristig wird von uns eine deutsch-polnische Zusammenarbeit in Städten an der deutsch-polnischen Grenze (Frankfurt/Slubice, Görlitz/Zgorzelec u.a.) in Form von bilateralen Projektwochen angestrebt. Nach dem schon erprobten Konzept könnten in diesen Städten Fortbildungs- und Präventionseinheiten durchgeführt werden, selbstverständlich immer in enger Kooperation mit den dort ansässigen Initiativen und Institutionen, die im Bereich häusliche Gewalt engagiert sind.

Das Projekt HERZ-SCHLAG „liegt uns am Herzen"!
Wir, die Initiatorinnen arbeiten in unserer Freizeit, also ehrenamtlich daran, die oben genannten Ziele umzusetzen und unsere Erfahrungen aus der Praxis immer wieder in das Projekt mit aufzunehmen. Lediglich die von uns durchgefĂĽhrten Unterrichtseinheiten und die anschlieĂźenden FĂĽhrungen der Schulklassen durch die Ausstellung werden ĂĽber unseren Frauenhausetat finanziert, d.h. von uns und unseren Kolleginnen in der Funktion als Mitarbeiterinnen in unserer Arbeitszeit geleistet.
Ohne die zusätzliche Unterstützung verschiedenster Personen aus unserem Freundes- und Bekanntenkreis und den Mitgliedern des Fördervereins hätten wir HERZ-SCHLAG allerdings in der jetzigen Form nicht aufbauen können. Das Projekt HERZ-SCHLAG wurde bisher ausschließlich über die knappen Mittel des Fördervereins des Frauenhauses Norderstedt finanziert. Entsprechend entstand eine Ausstellung, die nicht mit Hochglanzbroschüren für sich wirbt und deren Ausstattung durchaus noch verbesserungsfähig wäre. Die positive Resonanz, die wir für unsere Ausstellung von verschiedenster Seite bekommen, bestärkt uns jedoch darin, dass es möglich ist, eigene Ideen und Konzepte auch ohne viel Geld umzusetzen. Inzwischen stoßen wir allerdings an die Grenzen unserer Möglichkeiten. Das Einwerben von finanziellen Mitteln ist selbstverständlich ein wenig leichter, wenn unser Projekt in der Öffentlichkeit einen höheren Bekanntheitsgrad erlangt. Deshalb haben wir uns über die Auszeichnungen bei dem Wettbewerb „Aktiv für Demokratie und Toleranz" durch das Bündnis für Demokratie und Toleranz und durch die Initiative „Land der Ideen" im Herbst 2008 besonders gefreut. Sie werden uns in der Umsetzung unserer Pläne ein Stückchen weiterbringen.



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