03.07.2009

Jugendliche berichten von ihren EindrĂĽcken

Jugendkongress "Deutschland in bester Verfassung?!" 2009

“Es geht um unsere Welt, und wie wir sie besser machen können!“


Foto: Elisabeth Loose
Elisabeth Loose ist 21 Jahre alt. Mehrmalige Besuche in Berlin, unter anderem beim Jugendkongress des Bündnisses für Demokratie und Toleranz (BfDT) im letzten Jahr, haben sie in die Bundeshauptstadt geführt. Heute studiert sie an der Humboldt-Universität zu Berlin „Musik und Medien“ und „Regionalstudien Asien/Afrika“.

Wer am Jugendkongress für Demokratie und Toleranz teilnehmen darf, kann sich glücklich schätzen. Letztes Jahr war ich eine dieser Glücklichen und fuhr mit einer Gruppe von etwa fünfzehn Mann, unterstützt von der Arbeiterwohlfahrt (AWO), nach Berlin. Dort konnte ich mich davon überzeugen, wie viel großes und kleines Engagement es doch unter Jugendlichen gibt. In vielen breit gefächerten Workshopangeboten, wie zum Beispiel „Erlebnis Rechtsextremismus“ oder einem Schreibworkshop der SPIESSER-Redaktion, hatte ich die Gelegenheit, Altersgenossen aus den verschiedensten Regionen Deutschlands kennen zu lernen. Aber nicht einfach nur bei einem kurzen Plausch über Hinz und Kunz, wie in der Schule oder im Café. Nein, es ging um wirklich wichtige Themen: Toleranz und Intoleranz, Demokratie und Extremismus, Recht und Unrecht. Kurz: Wir befassten uns mit unserer Welt und wie wir sie vielleicht ein bisschen besser machen könnten.

Möglichkeiten dazu boten sich auch schon vor Ort. Der wohl zum Standardrepertoire des Kongressprogramms gehörende Gospelworkshop war eins meiner persönlichen Highlights. Da ging es nicht nur um bloßes Vor-sich-hin-Trällern: Am Ende der Workshopphase durften wir den abschließenden Festgottesdienst musikalisch begleiten. Und wer keine Lust auf Singen, sondern mehr auf Geschichte hatte, schaute sich das Stasi-Gefängnis in Hohenschönhausen an. Der Besuch lohnt sich auf jeden Fall! Ehemalige Insassen führten uns durch die Gedenkstätte und erzählten von ihrem persönlichen Schicksal, dass sie mit Hohenschönhausen verbindet. Geschichte eindrucksvoll und hautnah erleben; so hab ich den Besuch des Gefängnisses empfunden. Wenn ich heute an die Zellen und das System dieses Gefängnisses denke, läuft mir immer noch ein kleiner Schauer über den Rücken.

Aber nicht alles ist schwere Kost auf dem Kongress. Fernab der Workshops bieten sich zahlreiche Chancen auf mehr: Auf dem Markt der Möglichkeiten stellen sich Initiativen, Stiftungen und Vereine vor, gleich nebenan auf dem Alex präsentiert sich das Stadttreiben Berlins und auch Abends kommt der Spaß wahrlich nicht zu kurz. Die Verpflegung im Kongresszentrum gibt dem Ganzen den letzten Schliff. Einziger Wehrmuttropfen der ganzen Veranstaltung: Die Workshopanzahl ist so hoch, dass man notgedrungen nicht an allem teilnehmen kann, was für einen selbst von Interesse ist. Da heißt es genau abwägen und gekonnt wählen. Am Ende bleiben dann die Erfahrung und ein paar Tage fernab der Heimat, die wieder einmal gezeigt haben, dass es noch viel zu tun gibt, wir es gemeinsam aber packen können!







Mein Erlebnisbericht zum Jugendkongress des BfDT


Foto: Axel Döring
Von Axel Döring. Er ist 18 Jahre alt und hat gerade das Abitur auf dem beruflichen Schulzentrum in Oschatz gemacht. Ende des Sommers möchte er mit einem Work&Travel-Visum nach Australien gehen. Durch das Jugendmagazin SPIESSER ist er auf den Kongress aufmerksam geworden.

Der Jugendkongress ist nun eine Woche her und obwohl es jetzt schon später ist, trotze ich der Müdigkeit und dem Ratschlag meiner Eltern, „doch mal schlafen zu gehen“, um diesen kleinen Bericht zu schreiben. Denn die tollsten Erinnerungen spuken in meinem Kopf und wollen endlich niedergeschrieben werden. Deshalb: Vorhang auf!

Als mich meine Eltern am Montagabend vom Zug abholten, hatte ich zum ersten Mal die Möglichkeit etwas über die vergangenen Tage zu erzählen. Doch viel mehr als: „Es war grandios…die Menschen, die Eindrücke, wo soll ich nur anfangen?“, brachte ich nicht heraus. Zugegeben war mir schon in Berlin klar, dass ich erst einmal ein paar ruhige Tage bräuchte, um die vielen Eindrücke sacken zu lassen. Um das zu verarbeiteten was ich gesehen, gehört und erlebt hatte.

Vorausgegangen war meiner Ankunft immerhin die Abschlussfeier in der Kalkscheune. Ein langer und schöner Sonntagabend und zugleich krönender Abschluss des Kongresses. Dort bot sich mir die Gelegenheiten einige Mitglieder des ContRA Vereins kennenzulernen. Diese hatten am Vormittag im Haus der Kulturen eine Auszeichnung als Botschafter für Demokratie und Toleranz erhalten. Außerdem konnte ich noch Sebastian Zillessen fragen, wie man sich so fühlt, wenn man als Schüler im Podium neben hochrangigen Politikern sitzt. Das waren Gespräche, die man nicht jeden Tag führen kann.

Bei der Verleihung selbst fühlte ich mich anfangs etwas „underdressed“, denn ich trug nur Jeans und ein buntes T-Shirt. Ich hatte wohl den feierlichen Rahmen unterschätzt und versuchte mich deshalb etwas verschüchtert im Sessel zu verstecken. Jetzt im Nachhinein muss ich darüber lächeln.
Aber eigentlich war ich mit meinen Gedanken noch in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, die wir zuvor besuchten. Voller Rührung lauschte ich dort den Worten der Pfarrer; ihrer Botschaft vom „Miteinander“, die vom Gesang des Gospel-Chores getragen wurde.

Doch auch in den zwei Tagen zuvor sammelte ich tolle Erfahrungen und Eindrücke. Neben den Workshops sollte ich das Bürgerfest am Brandenburger Tor erwähnen. Dort sang Udo Jürgens von der Sehnsucht nach New York; ich hingegen war glücklich in Deutschlands Metropole Teil des Jugendkongresses zu sein. Auf der „Fanmeile“ präsentierten sich viele Institutionen, Stiftungen und Verbände und verteilten Unmengen an Give-Aways. Ich vermute, dass die meisten Menschen die Flyer und Prospekte nie lesen und fand das deshalb irgendwie verschwenderisch.

Rückblickend möchte ich noch hervorheben, dass mir die positive Energie des Kongresses schon am ersten Tag zur Eröffnungsveranstaltung bewusst wurde. Es war grandios, um das Wort noch mal zu verwenden. Das Theaterstück KOSMOS BRD von afrodeutschen Mädchen, die Musik von Tayo & the Soul Knights, die Reden und vor allem die von mir so bewunderten Jungs vom Impro-Theater, die eine wirklich obercoole Show ablieferten. Lustig wurde es unter anderem, als sie fragten, wer es bereue hier zu sein und dadurch das Finale von „Germanies Next Topmodel“ zu verpassen. Die Entscheidung fiel den meisten leicht, denn hier war einfach das bessere Entertainment, die bessere Komik. Hier gab es mehr Wortwitz und mehr Geist zu bestaunen. Schon lange hatte nicht mehr so herzlich gelacht wie an diesem Abend.

Schlussendlich blicke ich mit strahlenden Augen auf fünf Tage zurück, die mir schon jetzt legendär vorkommen. Mir bleibt nichts weiter, als euch zwei Dinge zu empfehlen.
Erstens: Besorgt euch das neue kostenlose Coldplay Live Album, das habe ich mir während des Schreibens angehört und es ist gut. Aber wohl noch wichtiger: Nutzt die Möglichkeit im nächsten Jahr an diesem Kongress teilzunehmen, falls ihr noch nicht dabei wart. Ihr sammelt wertvolle Erfahrungen, trefft tolle Menschen und verbringt wundervolle Tage in Berlin.

Zuletzt möchte ich noch mein heimliches Motto des Kongresses weitergeben: Let’s fight together against discrimination. We can change!






Mein Erfahrungsbericht vom Jugendkongress 2009


Foto: Wiebke von Hein
Von Wiebke von Hein. Sie ist 21 Jahre alt und beendet in diesem Sommer eine Ausbildung zur Bankkauffrau bei der Commerzbank im Raum Hamburg. Wiebke hat am Jugendkongress 2009 mit der Gruppe „Dresdner Bank“ teilgenommen.

Um kurz vor drei an unserem ersten Berlin-Tag öffne ich die Tür meines Zimmers im Akzent-Hotel und sehe eine Jacke an der Garderobe hängen. Ob die hier jemand vergessen hat?!
Ich gehe hinein und schon schauen mich zwei erwartungsvolle Augenpaare an, denn ich schlafe die nächsten vier Nächte nicht allein, sondern gemeinsam mit zwei Mädels in einem gemütlichen Zimmer. Die ersten Kontakte sind somit schon geknüpft und weitere folgen, als unsere Gruppe „Dresdner Bank“ sich unten im Konferenzraum trifft, um sich danach gemeinsam auf zum bcc zu machen.
Im Eingangsbereich stechen uns sofort die Plakate gegen Rechtsextremismus ins Auge. Eines der Themen, die auf unserem Jugendkongress eine zentrale Rolle spielt. Bereits am ersten Abend war ein buntes Programm für uns vorbereitet und das Eis zwischen den 450 Teilnehmern wurde spätestens durch die „Steife Briese“ aus Hamburg gebrochen. Es fiel auf, wie viele interessante junge Leute aus allen Teilen Deutschlands, aber auch aus anderen Teilen der Welt zum Kongress angereist waren.

-„Hallo, ich bin die Ellen und wer bischt du?“-
Aus der angereisten Zwei-Mann-Partie bestehend aus Jan und mir, formte sich langsam aber sicher eine super nette und spaßige Truppe aus Schülern, Bänkern und LSVlern, die schon am Donnerstag gemeinsam das Nachtleben von Berlin erkundeten. Hier konnten sich die ersten demokratischen Ansätze finden, da wir des Öfteren per Handzeichen die Mehrheit entscheiden ließen, wo es als nächstes hingeht. So kamen wir am Abend des Vater-/Herren-/Himmelfahrtstages von einer Spree-Kneipe, in der man Kölsch ausschließlich in kleinen Gläsern bekommt („weil es besser schmeckt wa?!“), über eine indische Cocktail-Bar zu einer Hinterhof-Baracken-Party. Wir ließen den Abend aber relativ zeitig ausklingen, um an unserem ersten Workshop-Tag auch fit zu sein.

„Mobbing“ lautete dann das erste Thema für mich und ca. 25 Leute, die sich zu einem Stuhlkreis zusammen gefunden hatten, um über Aspekte des Mobbings, eigene Erfahrungen und Lösungsansätze zu diskutieren. Besonders spannend war für mich, dass der Workshop nicht von Erwachsenen, sondern von Jugendlichen geleitet wurde. Ich dachte in diesem Workshop nicht nur darüber nach, ob und wann ich selbst schon einmal Mobbing-Situationen (als Zuschauer, Täter oder Opfer) erlebt habe, sondern auch darüber, wie bemerkenswert es ist, dass sich junge Menschen in einer solchen Weise ehrenamtlich engagieren.
In der einstündigen Mittagspause spielten wir dann gewissermaßen „Reise nach Jerusalem“, denn mehr oder weniger beabsichtigt, gab es einen eindeutigen Mangel an Stühlen. Dieses Phänomen zog sich übrigens bis zur Abschlussparty durch, wobei ich das gesellige Essen auf dem Boden gar nicht missen möchte.
Die anderen beiden Workshops, an denen ich Teil nahm, waren zum einen „Das Grundgesetz hat Geburtstag: Wir gratulieren!“ und zum anderen der „SPIESSER-Schreibworkshop“. Auch hier empfand ich neben den Themen selbst vor allem die verschiedenen Persönlichkeiten mit ihren ganz individuellen (Lebens-)Erfahrungen und Meinungen zum Thema Demokratie, Grundgesetz und dem Leben in Deutschland – ein Gruß an Arun ;) – interessant. Der Schreibworkshop war super, weil ich mich an etwas ausprobieren konnte, was nichts mit meiner privaten Ausbildung zur Bankkauffrau zu tun hat und mich motiviert hat, diesen Bericht zu verfassen. Ich hoffe, dass dieser Workshop auch in den folgenden Jahren angeboten wird. Die beiden Referentinnen waren wirklich taff und haben uns bei der „redaktionellen Themenfindung“ gezeigt, dass die Arbeit für ein journalistisches Medium wie der Jugendzeitschrift „SPIESSER“ nicht immer ein Zuckerschlecken ist. Wir konnten uns selbst am Nachrichten schreiben, Interview führen sowie an einer Blattkritik erproben, so dass der zweite Workshop-Tag wie im Flug verging.

Den Sonntag begann ein Teil unserer Gruppe dann mit einem kleinen Kater-Frühstück, um halbwegs frisch und munter bei dem Festakt zum 60-jährigen Bestehen des Grundgesetzes im „Haus der Kulturen der Welt“ anzukommen. Zwei Teilnehmern des Jugendkongresses wurde es hier ermöglicht vor der Verleihung des Preises „Botschafter für Demokratie und Toleranz“ live mit Frau Zypries und Herrn Dr. Schäuble zu diskutieren. Im Anschluss folgte dann eine sehr gelungene Party mit einem tollen Buffet und ich war zu diesem Zeitpunkt zwar froh, bald wieder bei mir zu Haus in meinem eigenen Bett schlafen zu können, gleichzeitig aber auch sehr traurig, dass wir uns am nächsten Morgen schon wieder verabschieden mussten.
Meinen persönlichen „Kosmos“ hat der Jugendkongress 2009 auf jeden Fall erweitert. Auch wenn ich auch schon vor dem 24. Mai von mir behauptet hätte anderen Menschen gegenüber offen und tolerant zu sein: Hier wurde mir noch einmal verdeutlicht, dass „anders sein“, egal in welcher Hinsicht, keinesfalls negativ ist, sondern eine Gruppe von Menschen erst dynamisch und interessant werden lässt. In diesem Sinne hoffe ich, dass die positive Stimmung und die Erfahrungen bei allen Teilnehmern nicht zu schnell im Alltag untergehen.

Alles Liebe wĂĽnscht euch
Wiebke von Hein






„Unsere Verfassung muss gelebt werden!“ - Erlebnisbericht zum Jugendkongress


Foto: Fabian Dahinten
Von Fabian Dahinten. Er ist 16 Jahre alt und ehrenamtlich in der Jugendarbeit der THW-Jugendgruppe Bad Hersfeld tätig.

Der Titel ist eine Aussage, die mir gleich zu Beginn des Jugendkongresses in Berlin 2009 im Kopf hängen geblieben ist! Mit vielen Erwartungen bin ich nicht in unsere Hauptstadt gefahren, umso größer ist meine Begeisterung nun über den Kongress. Offen gegenüber Neuem oder Anderem zu sein – dies war eine der Grundvoraussetzungen, die jeder der 450 Teilnehmer/innen mitgebracht hat, und was die Veranstaltung mit zu einem großen Erfolg gemacht hat. Genau darum ging es auch, denn das Motto des Bündnisses für Demokratie und Toleranz – gegen Extremismus und Gewalt stand im Mittelpunkt der Veranstaltung.

Wie eine geschriebene Verfassung gelebt werden kann ist eigentlich ganz einfach. Wir müssen unsere Rechte kennen und uns dafür einsetzen. Denn aus Rechten wird schnell eine Pflicht wenn die Freiheit eines Anderen eingeschränkt wird. Dies ist bei Mobbing, Ausgrenzung und vor allem bei Gewalttaten der Fall. Egal durch was jemand auffällt, ob durch die Herkunft, die Hautfarbe, dem Glauben oder die sexuelle Orientierung. Die Gemeinschaft, das „miteinander“ leben, dass ist eine Tatsache die uns alle verbindet. Deswegen müssen wir uns für einander einsetzen. Es ist die Zivilcourage, die gefordert ist. Nicht wegsehen, handeln!
Die unterschiedlichsten Organisationen und Institutionen standen auf den Namensschildchen der Teilnehmer, perfekt um mit anderen ins Gespräch zu kommen. Über den gewöhnlichen Smalltalk ging es aber oft ziemlich schnell hinweg, zu interessanten Diskussionen über Ansichten, Auffassungen und ganz besonders um das Engagement des Gegenübers. Wo bewegt er wie etwas. Wahrscheinlich ist das eines der größten Dinge von denen, die ich von diesem Kongress mitgenommen habe. Es war eine super Atmosphäre um genau das, was eine Demokratie ausmacht, zu praktizieren. Zum Beispiel über Meinungen reden und kritische Themen zu diskutieren. Andere interessierte und engagierte Jugendliche kennen zu lernen ist wohl nirgends so einfach und auch spaßig wie in dem Rahmen des Jugendkongresses. Ich habe nicht selten gestaunt was so manch einer in seiner Freizeit macht und wie stark er oder sie sich für Andere einsetzt.

Vorbilder zum Anfassen – es sind Jugendliche wie du und ich. Das ist das, was unwahrscheinlich motiviert. Zu sehen, wie sehr sich jemand in seiner Freizeit für etwas einsetzt, aber trotzdem noch ein normales Leben führt. Ehrenamtlich bedeutet nun mal auch, dass alles parallel zur Schule und zur Arbeit geschieht. Aber auch das ist möglich, wie viele der Kongressteilnehmer/innen zeigen.
Doch wie kann ich mich gerade im Bereich des Bündnisses engagieren? Eine Frage die ich mittlerweile beantworten kann. Die Antwort ist, wie ich dann rausfand, ziemlich einfach. Es geht vorrangig darum, sich mit einem Verein oder einer Gruppe für etwas einzusetzen. Dabei werden sie von dem Bündnis unterstützt. Ich bin von der THW-Jugend e.V. zu dem Kongress gefahren, ein Zusammenhang den ich jetzt sehr gut nachvollziehen kann. Bei Öffentlichkeitsarbeit werben wir gerade mit der Vermittlung von Werten, unser Motto ist „Gemeinsam sind wir stark“! Bingo! Welches Motto gilt denn in einer Demokratie? Über die Formulierung lässt sich reden, doch der Sinn ist identisch. Weiteres Potential hab ich auch schon ausfindig gemacht. In meiner Stadt Bad Hersfeld gibt es ein Projekt „Gewaltfreies Lolls - Lolls ohne Prolls“. Im Rahmen des Lullusfestes in Bad Hersfeld bietet sich garantiert die Möglichkeit die gewonnene Erfahrung und vor allem die Motivation in dieses Projekt einfließen zu lassen.

Es gibt viele Möglichkeiten etwas zu bewegen, Potential ist überall da. Was fehlt ist meistens das Engagement. Doch wenn es jemanden gibt der sagt, dass kann so nicht weitergehen, und auch nur mit Kleinigkeiten beginnt die Sache anzugehen. Dann kann aus einer Idee schnell etwas Größeres und Bedeutenderes werden. Und schon wären wir wieder bei meiner Überschrift angekommen „Die Verfassung muss gelebt werden“. Sie kann nur dann Leben und überleben wenn es Menschen gibt die sich für andere, für eine gute Sache einsetzen.






Jugendkongress vom BĂĽndnis fĂĽr Demokratie und Toleranz


Foto: Max Rindfleisch
Von Max Rindfleisch. Er ist 17 Jahre alt. In seiner Freizeit ist der Abiturient der 11. Klasse fĂĽr den Bezirksjugendrat Wuppertal aktiv, der sich fĂĽr alle Interessen der Jugend einsetzt. AuĂźerdem arbeitet er momentan an einem Film ĂĽber Rechtsradikalismus im Jugendbereich des Medienprojekts Wuppertal mit.

Donnerstags morgens, 9:10 h. Ankunft in Berlin, zwar noch ohne Orientierung, aber wenigstens da.
Vor uns, also den drei 17-Jährigen, die aus Wuppertal angereist waren um den diesjährigen Jugendkongress zu besuchen, liegen noch acht Stunden bis zur offiziellen Eröffnung. Aber Berlin ist groß und zwei Drittel meiner Gruppe waren noch nie hier, also erst mal schön einfach „nur“ Tourist sein und „Sightseeing“ betreiben. Reichstag, Brandenburger Tor und Potsdamer Platz waren nach kurzer Zeit abgehakt. Dann erreichten wir das Berliner Congress Center (bcc) und erhielten auch unsere BVG-Tickets, Einladung und so weiter. Zum Eröffnungsplenum kam ich natürlich zu spät, auch weil wir ziemlich weit weg einquartiert wurden. Das gute Programm mit musikalischer Unterstützung hat mich positiv überrascht, so dass ich sicher war, dass es hier nicht allzu „spießig“ sein würde.

Der erste Tag begann für mich mit dem Workshop „Sechzig Jahre Grundgesetz: Stück für Stück ins Homo-Glück.“, der von zwei Mitarbeitern des Lesben- und Schwulenverbands in Deutschland (LSVD) geleitet wurde. Ich habe eine Menge über die Rechte von Schwulen und Lesben gelernt, zum Beispiel im Bezug auf die so genannte „Homo-Ehe“. Nach der 1 stündigen Pause ging es dann zum Gospelchor. Na gut, zwar bin ich nicht gerade ein Vorzeigesänger, und überzeugter Atheist, aber Gospel ist nicht nur Kirchenmusik. Das weiß ich spätestens nach dem Workshop, der von Christoph Zschunke mit unglaublichem Einsatz geleitet wurde. Spätestens nach dem ersten Lied war (fast) kein Anwesender mehr davon abzuhalten, mitzusingen.
17.00 h und der erste Tag war beendet.

Um halb zehn ging es dann am Samstag wieder los. Diesmal für mich auch pünktlich, so dass ich den gesamten „Markt der Möglichkeiten“ betrachten konnte. Alle möglichen Organisationen waren dort vertreten, zum Beispiel die Berliner Polizei. Außerdem waren mehrere kleine Kunstausstellungen zum Thema Rechtsextremismus auf den oberen beiden Ebenen des bcc ausgestellt. Um 1015 h ging es dann für mich mit dem „SPIESSER“-Schreibkurs weiter. Hier erklärten uns zwei Redakteure der Zeitung, wie man in einer Redaktion arbeitet. Leider konnten wir nur mit Papier und Stift arbeiten, da es keine Laptops für den Kurs gab. Obwohl nur 10 Leute in dem Workshop waren, hat es sehr viel Spaß gemacht. Gerne hätten wir mehr Zeit gehabt, um alles so gut wie möglich zu machen.
Um halb sechs war ich dann auch beim Abschlussplenum, das ähnlich offen gestaltet war wie die Eröffnung.
Am Sonntag habe ich dann noch Berlin erkundet. Die Abschlussfeier am Ende des Tages war sehr schön, aber für mich leider sehr kurz, da ich nur eine knappe Stunde da sein konnte. Denn um 2109 h fuhren wir dann wieder gen Heimat.