28.02.2022

4 Fragen an... Staatsministerin Reem Alabali-Radovan

Staatsministerin Reem Alabali-Radovan © Bundesregierung/BergmannStaatsministerin Reem Alabali-Radovan © Bundesregierung/Bergmann
Seit Januar 2022 hat der Beirat des BfDT ein neues Mitglied: Reem Alabali-Radovan, Staatsministerin beim Bundeskanzler und Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration sowie Beauftragte der Bundesregierung für Antirassismus. Wir haben ihr vier Fragen zu der Rolle von zivilgesellschaftlichem Engagement in unserer Demokratie und ihren Erwartungen an die Beiratstätigkeit gestellt.

1. Welche Rolle spielt zivilgesellschaftliches Engagement in unserer Demokratie für Sie?
Es spielt die Hauptrolle! Bei der Stärkung unserer Demokratie und im Kampf gegen Rassismus brauchen wir einen starken Staat, aber noch viel mehr eine aktive Zivilgesellschaft. Gemeinsam, vor Ort, in den Nachbarschaften muss das gute Miteinander wachsen. Tag für Tag. Dafür sorgen Millionen von Engagierten in ihrem Umfeld, im Stadtteiltreff, im Seniorencafé, im Sportverein, im Ausländerbeirat. Das stärkt die Wurzeln unserer Demokratie, das hält unser Land zusammen.

2. Wie sind Sie persönlich mit den Themen Ehrenamt und der praktischen Demokratie- und Toleranzförderung in Berührung gekommen?
Das hat schon meine Kindheit geprägt: Mit sechs Jahren kam ich mit meinen Eltern aus Moskau in der Erstaufnahme für Geflüchtete in Mecklenburg-Vorpommern an. Damals gab es helfende Hände, die mich auf den ersten Wegen unterstützt haben, obwohl sie es nicht mussten. Nach meinem Studium habe ich dann in der Erstaufnahme gearbeitet und weiß, wie wichtig das Ehrenamt im Schulterschluss mit dem Hauptamt ist - damit geflüchtete Frauen, Männer und Kinder zur Ruhe kommen und die ersten Schritte in einem neuen Umfeld gelingen, ob in der Kita und Schule, bei Behördengängen oder beim Mitmachen im Sportverein oder in der Freiwilligen Feuerwehr.

3. Welche eigenen Erfahrungen können und möchten Sie in den Beirat des BfDT einbringen?
Ich bringe die Perspektive einer ostdeutschen Frau mit Einwanderungsgeschichte mit. Schwerin ist mein Zuhause, Mecklenburg-Vorpommern meine Heimat. Bei meiner Arbeit in der Erstaufnahme von Mecklenburg-Vorpommern und später als Integrationsbeauftragte des Bundeslandes habe ich gespürt und erlebt, wie wichtig das Schmieden starker Bündnisse vor Ort ist - natürlich auch für Demokratie und Toleranz. Darauf setze ich einen Schwerpunkt meiner Arbeit im Bundeskanzleramt und darum bin ich sehr gerne Mitglied im Beirat des BfDT.

4. Welche Erwartungen haben Sie an Ihre Tätigkeit als Mitglied im Beirat des BfDT?
Ich möchte das Bündnis dabei unterstützen, die Demokratie in unserem Land zu stärken. Die Mehrheit will zusammenhalten, ist tolerant, hilfsbereit und gegen Hass. Aber wir müssen alle gemeinsam lauter und sichtbarer sein. Dafür will ich mich im und mit dem Netzwerk des BfDT einsetzen - übrigens auch als Mittlerin, damit wir mehr Frauen und Männer, auch mit familiärer Einwanderungsgeschichte, für zivilgesellschaftliches Engagement gewinnen können.