04.02.2022

4 Fragen an... Benjamin Strasser, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Justiz

Parlamentarischer Staatssekretär Benjamin Strasser  © Bundesregierung/Steffen KuglerParlamentarischer Staatssekretär Benjamin Strasser © Bundesregierung/Steffen Kugler
Seit Januar 2022 ist Benjamin Strasser, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Justiz, Mitglied im BfDT-Beirat. Wir haben ihm vier Fragen zu der Rolle von zivilgesellschaftlichem Engagement in unserer Demokratie und seinen Erwartungen an die Beiratstätigkeit gestellt.

1. Welche Rolle spielt zivilgesellschaftliches Engagement in unserer Demokratie fĂĽr Sie?
Abraham Lincoln hat einmal gesagt, Demokratie sei "the government of the people, by the people and for the people". Diese Definition macht eins ganz besonders deutlich: Ohne zivilgesellschaftliches Engagement funktioniert Demokratie nicht. Tatsächlich trägt zivilgesellschaftliches Engagement unsere Demokratie. Je mehr Menschen sich aktiv in unserer Gesellschaft beteiligen, desto stärker ist unsere Demokratie, weil dann der Interessensausgleich besonders hoch ist. Zivilgesellschaftliche Organisation werden häufig auch als "Schulen der Demokratie" bezeichnet, weil sie den Menschen ganz wichtige demokratische Grundwerte vermitteln wie z.B. Toleranz.

2. Wie sind Sie persönlich mit den Themen Ehrenamt und der praktischen Demokratie- und Toleranzförderung in Berührung gekommen?
Mit Ehrenamt bin ich sehr früh in Berührung gekommen. Ich war in der kirchlichen Jugendarbeit aktiv und habe selbst Gruppen sowie Freizeiten geleitet. Auch Parteipolitik habe ich viele Jahre ehrenamtlich betrieben. In den letzten Jahren als Abgeordneter habe ich den Nutzen praktischer Demokratie- und Toleranzförderung in zahlreichen Gesprächen mit Akteuren aus der Zivilgesellschaft im Zusammenhang mit Antisemitismusbekämpfung und Extremismusprävention erlebt.

3. Welche eigenen Erfahrungen können und möchten Sie in den Beirat des BfDT einbringen?
Die Arbeit als parlamentarischer Berater von Ulrich Goll MdL für den NSU-Untersuchungsausschuss des Landtages Baden-Württemberg und als Mitglied und Obmann der FDP-Fraktion im Deutschen Bundestag im Untersuchungsausschuss zum Terroranschlag am Breitscheidplatz haben mich nachhaltig geprägt – vor allem die Begegnungen mit den Opfern und Hinterbliebenen dieser furchtbaren Taten. Dass auf Deutschlands Straßen wieder offen rechtsextreme und antisemitische Parolen gegrölt werden, besorgt mich deshalb zutiefst. Wir brauchen ein starkes zivilgesellschaftliches Bündnis für Demokratie und Toleranz, um dem entgegenzuwirken. Dafür möchte ich mich einsetzen. Das sind wir den Opfern und Hinterbliebenen des rechten NSU-Terrors und des Anschlags am Berliner Breitscheidplatz schuldig.

4. Welche Erwartungen haben Sie an Ihre Tätigkeit als Mitglied im Beirat des BfDT?

Ich hoffe, mit meinen Kolleginnen und Kollegen in diesem Gremium zivilgesellschaftliches Engagement für Demokratie und Toleranz in Deutschland nachhaltig zu stärken. Unsere Demokratie stützt sich darauf, im wahrsten Sinne des Wortes. Leider müssen viele Menschen, die sich beispielsweise offen gegen Rassismus oder Antisemitismus positionieren, damit rechnen, angefeindet zu werden. Deswegen freue ich mich, dass das BfDT jährlich das vielfältige Engagement der Menschen vor Ort anerkennt und als das auszeichnet, was es ist: eine großartige Botschaft für Demokratie und Toleranz in unserem Land!