20.07.2021

Zum Tod von Esther Bejarano

Esther Bejarano (Foto: Urban)

Am 10. Juli 2021 verstarb die Aktivistin, Musikerin und Holocaust-Ăśberlebende.



Esther Bejarano wurde 1924 als jüngste Tochter der jüdischen Familie in Saarlouis geboren. Beide Eltern wurden während des Zweiten Weltkriegs von den Nazis umgebracht. Sie selbst musste in einem Lager Zwangsarbeit leisten, bis sie 1943 in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert wurde. Dieses überlebte sie, da sie im Mädchenorchester Akkordeon spielte. Später wurde Esther Bejarano in das Konzentrationslager in Ravensbrück in Brandenburg verlegt, wo sie für die Siemens-Werke arbeitete. Als sich die sowjetischen Truppen näherten, wurde das Lager wie viele andere geräumt und die Insassinnen wurden gezwungen zu fliehen. Esther Bejarano überlebte, während viele auf diesen "Todesmärschen" umkamen. In den letzten Kriegstagen wurde sie von amerikanischen Soldaten gerettet.
Nach Ende des Krieges zog Esther Bejarano nach Israel, wo sie eine Ausbildung zur Sängerin machte und ihre Familie gründete. Nach 15 Jahren zog sie mit ihrem Mann und den zwei Kindern nach Hamburg, wo sie eine Boutique öffnete und ihr Mann als Feinmechaniker arbeitete.

"Nie mehr schweigen, wenn Unrecht geschieht. Seid solidarisch! Helft einander! Achtet auf die Schwächsten! Bleibt mutig! Ich vertraue auf die Jugend, ich vertraue auf euch! Nie wieder Faschismus – nie wieder Krieg!"



Esther Bejarano setzte sich über Jahrzehnte auf vielfältige Weise gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus und Rassismus ein.
Sie war Ehrenvorsitzende der Interner LinkVereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten, Vorsitzende des Interner LinkDeutschen Auschwitz-Komitees und demonstrierte u.a. gegen Rechtsextremismus und die NPD. Sie mischte sich in politische Debatten ein, kritisierte z.B. die Asylpolitik der EU, und forderte die jüngeren Generationen dazu auf, bei rechtsradikalen Äußerungen nicht zu schweigen.
2013 veröffentlichte sie ihr autobiografisches Buch "Erinnerungen". In Talkshows, auf Veranstaltungen und in unzähligen Klassenzimmern sprach sie über ihre Zeit in Auschwitz.
Als Sängerin war die Musik Teil ihres Engagement – sie rappte mit der Band Interner LinkMicrophone Mafia, sang über Widerstand und Befreiung.

Esther Bejaranos Engagement für Toleranz wurde vielfach gewürdigt, unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz. Auch das BfDT hat Esther Bejarano im Jahr 2012 als Vorsitzende und Mitbegründerin des Auschwitz-Komitees als Interner LinkBfDT-Botschafterin für Demokratie und Toleranz ausgezeichnet. Ein Video-Portrait anlässlich der Auszeichnung finden Sie Interner Linkhier.

Am 10. Juli 2021 verstarb die Musikerin und Aktivistin Esther Bejarano im Alter von 96 Jahren.

Mit Esther Bejarano geht eine laute und wichtige Stimme gegen antidemokratische Kräfte. Sie kämpfte nicht nur gegen diese, sondern als Zeitzeugin auch gegen das Vergessen. Das Vergessen darüber, wohin Menschenfeindlichkeit und Hass führen können. Als Mahnerin, Kämpferin und Person, die sie war, wird sie fehlen.