10.12.2020

JEDI #7: Zivilcourage im Netz zeigen – Einen Umgang mit Hassrede lernen

JEDI #7 © BfDTJEDI #7 © BfDT
Beim Scrollen durchs Netz oder beim Lesen von Facebook-Seiten – alltäglich begegnen uns Hasskommentare, die Menschen oder Personengruppen auf eine verletzende und menschenunwürdige Weise herabsetzen. Oft entsteht der Eindruck, dieser Hass spiegele die Einstellung eines großen Teils der Gesellschaft wider. Das nimmt Vielen den Mut, sich an Diskussionen zu beteiligen. Dabei ist es nur eine kleine Gruppe, die ihren Hass lautstark und durch Algorithmen sichtbar platziert in die Kommentarspalten tippt.

Oft fehlt es uns aber an Wissen, wie wir in solchen Situationen reagieren können. Wir haben Angst, den richtigen Ton zu treffen, befürchten persönliche Angriffe oder sind unsicher, wie wir Argumente unseres Gegenübers entkräften können. Bei JEDI #7 – "Engagement im Fokus – digitale Zivilcourage" lernten die Teilnehmenden in zwei Workshops Strategien zum Umgang mit Hate Speech kennen.

Beim ersten Workshop, dem "Bootcamp für digitale Zivilcourage" von Interner Linkichbinhier e.V., übernahmen die Teilnehmenden in zwei Hassrede-Simulationen unterschiedliche aktive Rollen – auch die der Hassrede. Hierfür bekamen die Teilnehmenden unterschiedliche Rollen zugeteilt, beispielsweise die des "Trolls", der "Counter-Speaker*in" oder des "Interessierten". Während der Übungen sollten die Teilnehmenden entsprechend ihrer Rolle Beiträge und Kommentare in einem Chat verfassen. Anschließend bekamen sie intensives Feedback.

Die beiden Referentinnen von ichbinhier e.V. erklärten, dass häufig der Eindruck entstehe, dass Hasskommentare dominieren. Dass liege vor allem an den "stillen Mitleser/-innen", die sich zwar oft von den negativen Beiträgen gestört fühlen, sich jedoch nicht die Mühe machen, darauf einzugehen. Dieser Eindruck nehme Vielen den Mut, an demokratischen Diskussionen teilzunehmen. Es sei daher wichtig, selbst positive Kommentare zu verfassen und bereits vorhandene durch likes und Herzchen-Reaktionen zu unterstützen. Akteur/-innen sollen Position für ein weltoffenes und respektvolles Miteinander beziehen, andere darauf hinweisen, wenn sie Beiträge für unangebracht halten und gegen Hetze im Netz argumentieren. Was außerdem bei Gegenrede hilfreich sein kann, sei sachlich zu blieben, Fakten heranzuziehen und nicht auf persönliche Angriffe einzugehen, erklärten sie auf Nachfrage.

Auch wenn die Anonymität im Netz vieles erschwere, gäbe es auch Vorteile bei digitaler Gegenrede: Die Vorteile im Internet seien, dass die Verfasser/-innen der Gegenrede, bzw. der Love Speech, genügend Zeit haben, sich eine Antwort in Ruhe zu überlegen oder sich diese vor dem Versenden noch einmal durchzulesen.

Im zweiten Workshop "#NoHate #LoveWins" des Interner LinkPeernetzwerks Jetzt e.V lernten die Teilnehmenden Memes als eine Möglichkeit mit Hatespeech umzugehen kennen. Memes sind eine kreative und satirische Methode, um Hass im Netz zu begegnen. Nachdem es einen kurzen Einstieg in die Welt der Memes gab, lernten die Teilnehmenden wichtige Kategorien bei der Erstellung von Memes kennen. Dazu zählen beispielsweise die Botschaft, der Witz und das Design der jeweiligen Grafik. Im Anschluss erstellten die Teilnehmenden eigene Memes zu Themen und Phänomenen wie "Rassismus", "Querdenker" und "Mansplaining".

Wir bedanken uns bei allen Referierenden und Teilnehmenden und freuen uns bereits auf JEDI #8. Dieses wird voraussichtlich im FrĂĽhjahr 2021 stattfinden.

Du/Sie hast/haben bereits eine Idee für ein Thema für das nächste JEDI-Cluster? Dann freuen wir uns über eine E-Mail an buendnis@bpb.de.