18.01.2018

CIVIS Medienkonferenz 2018 in Berlin

„Das neue deutsche WIR: Ausbruch aus der Krise?“ lautete das Motto der diesjĂ€hrigen CIVIS Medienkonferenz 2018.

Diskussion während der CIVIS Medienkonferenz 2018 (Bild: CIVIS/Oliver Ziebe)Diskussion wĂ€hrend der CIVIS Medienkonferenz 2018 (Bild: CIVIS/Oliver Ziebe)

Doch welches neue deutsche WIR ist eigentlich gemeint? Die Frage nach IdentitĂ€t in einer Gesellschaft der digitalen Transformation war das zentrale Thema auf der jĂ€hrlichen Tagung der CIVIS-Medienstiftung am 11. Januar 2018 in der Berliner Akademie der KĂŒnste.

Verschiedene GĂ€ste und Referent/-innen aus den Bereichen Politik, Wissenschaft und Medien beschĂ€ftigten sich mit der Frage, wie das gesellschaftliche Zusammenleben in der digitalen Zukunft funktionieren kann, entgegen der Bedrohung fĂŒr den gesellschaftlichen Zusammenhalt durch extreme und rĂŒckwĂ€rtsgewandte Tendenzen. Michael Radix, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der CIVIS-Medienstiftung, sieht die offene, liberale Gesellschaft in Gefahr, von IdentitĂ€tsfragen gepalten zu werden.

Stefan Raue, Intendant des Deutschlandradios und stellvertretender Vorsitzender des Kuratorium CIVIS-Medienstiftung, stellte in seiner Eröffnungsrede die These auf, dass es „derzeit kein charismatisches, mobilisierendes, politisches Angebot im demokratischen Spektrum gibt, das es mit den frivolen und den radikalen FlĂŒgeln aufnehmen kann“. Vielmehr beobachtet er einen Angriff der extremrechten Zivilgesellschaft, die ihr völkisch-sozialdarwinistisches Gedankengut lautstark in den öffentlichen Raum trĂ€gt. Aus diesem Grund plĂ€diert er fĂŒr eine aktive Auseinandersetzung mit den nationalen IdentitĂ€tsangeboten der Neuen Rechten sowie fĂŒr eine eigene identitĂ€tsstiftende politische Mobilisierung.

Aydan Özoğuz im Gespräch während der CIVIS Medienkonferenz 2018 (Bild: CIVIS/Oliver Ziebe)Aydan Özoğuz im GesprĂ€ch wĂ€hrend der CIVIS Medienkonferenz 2018 (Bild: CIVIS/Oliver Ziebe)
Die Krise der Mitte mache sich dahingehend bemerkbar, dass sich ganze Bevölkerungsgruppen ausgeschlossen fĂŒhlen. Innerhalb solcher Gruppen wird sich vermehrt an die eigene ethnische IdentitĂ€t geklammert. In diesem Kontext analysiert Prof. Dr. Andreas Zick, Direktor des Instituts fĂŒr interdisziplinĂ€re Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) und Mitglied des Beirats des BfDT, dass 28% der ‚Mitte‘ der Gesellschaft Neurechte Einstellungsmuster besitzen. Er beobachtet die Entwicklung von neuen ideologischen Milieus mit Verbindungen weit in der ‚Mitte‘ und neuen Vernetzungsformen. IdentitĂ€ten (Wir gegen Die) können in sozialen Vergleichsgesellschaften Konflikte erzeugen. Diese Konflikte werden vor allem in den sozialen Medien durch Abwertung und Entmenschlichung bestimmter Gruppen geschĂŒrt.

Wie lassen sich also Leitbilder in Zeiten von Populismus und Globalisierung entwickeln? Aydan Özoğuz, Staatsministerin fĂŒr Migration und Integration und ebenfalls Mitglied des Beirats des BfDT, plĂ€diert dafĂŒr, kĂŒnftig ein Leitbild fĂŒr die vielfĂ€ltige und bunte deutsche Gesellschaft zu entwerfen. Auf die These der Revolution von rechts entgegnet sie, dass es antisemitistische, fremdenfeindliche oder homophobe Stimmen immer in Deutschland gegeben habe, jetzt seien sie nur lauter geworden. Konfliktforscher Prof. Dr. Zick verweist im Sinne des Habermas’schen Verfassungspatriotismus auf das Grundgesetz und die darin zugeschriebene Bedeutung der MenschenwĂŒrde als identitĂ€tsstiftendes Element.

Die Tagung rĂŒckte zudem die Rolle der Medien beim Erstarken des Rechtspopulismus in den Fokus. Mehrere renommierte Journalistinnen und Journalisten setzten sich im Diskurs selbstkritisch mit dieser Frage auseinander und plĂ€dierten fĂŒr einen Entschleunigungsprozess im Medienbetrieb. Auch ein gewisser Nachhol- und Lernbedarf bei der Rekrutierung des eigenen Nachwuchses im Sinne einer vielfĂ€ltigeren Widerspiegelung der Gesellschaft wurde thematisiert. Professor Dr. Bernhard Pörksen, Professor fĂŒr Medienwissenschaft der UniversitĂ€t TĂŒbingen, wirbt in diesem Zusammenhang fĂŒr die „Ideale des guten Journalismus“ und empfiehlt folglich verstĂ€rkt darzulegen, wie man zu EinschĂ€tzungen und Rechercheergebnisse gekommen sei.

Alle VortrÀge und Diskussionen der Konferenz können auf der Interner LinkWebseite der CIVIS-Medienstiftung angeschaut werden.