Indien in der Prignitz

von Conrad Baumgart

Foto: Indisches Essen im brandenburger Topf (Baumgart)
Foto: Präsentation zu Leben und Religion in Indien (Baumgart)
Foto: Ausstellung im Zelt (Baumgart)
Um genau zu sein in Boberow, einer der vielen Ortsteile von Karstädt. Die gut 6.000 Einwohner verteilen sich hier auf 250 km². Eine Fläche, mit der die Gemeinde die der Landeshauptstadt Potsdam locker überbietet. Dementsprechend ist die Bevölkerungsdichte in Karstädt 1/17 von der in Potsdam.

Am 22.10.2011 haben wir, die Landesarbeitsgemeinschaft für politisch-kulturelle Bildung in Brandenburg e. V. (LAG), dort einen „Indischen Tag“ veranstaltet. Michael Fritsch, ein Bewohner des Dorfes hatte einige Zeit zuvor eine Reise über den Landweg nach Indien gemacht. Der Lehmbauer und Gorleben-Aktivist hat dabei viele Leute getroffen und deren Lebensweisen kennen gelernt. Nun ließ er die TeilnehmerInnen an seinen Erfahrungen und Erlebnissen teilhaben, indem sie seine Reise mit allen Sinnen nachempfinden konnten: Es gab eine Diashow zum Sehen, indische Linsensuppe zum Schmecken, Kaschmirtücher zum Fühlen, orientalische Musik zum Hören und der Tee duftete wunderbar. Michael beantwortete alle Fragen aus dem Publikum ausführlich. Es wurde deutlich, wie spannend und inspirierend es sein kann, sich mit anderen Kulturen zu beschäftigen. Zwischen Lehmofen und Teekanne konnte der Abend dann bei gemütlichen Gesprächen ausklingen.

Das Beispiel hat gezeigt, dass es möglich ist, auch in der ländlichen Region Kultur und Bildung auf die Beine zu stellen. Bei unserem Projekt, PolaR – Politische Bildung im ländlichen Raum, schien es uns dabei wichtig zu sein, keine Veranstaltungen 1:1 von der Stadt auf das Dorf zu kopieren, sondern genau auf die Wünsche und Bedürfnisse der Aktiven vor Ort einzugehen. Simone Ahrend fungierte als Koordinatorin in der Prignitz. Sie kennt sich in der Region gut aus, suchte den Kontakte zu den Aktiven vor Ort und beriet diese zu Themen wie Projektplanung und Öffentlichkeitsarbeit. Die KoordinatorInnen nutzen dabei oft „Türöffner“ wie Vereinsvorsitzende, PfarrerInnen und auch GastwirtInnen, um Kontakt in die Dorfgemeinschaften zu bekommen. Die LAG koordiniert, verwaltet, vermittelt ReferentInnen und organisiert Treffen zum Austausch und zur Vernetzung. Die konkrete Arbeit liegt bei den KoordinatorInnen und bei den Engagierten im Dorf. Die Themen müssen dabei unbedingt nahe an der Lebenswirklichkeit der Menschen im Dorf sein.

Auch wenn der Indientag großen Anklang gefunden hat, sind es meist die lokalen Themen und Probleme, die viele Menschen anziehen. Im Übrigen ist es von Vorteil, die politische Bildung nie ohne Kommentierung „politische Bildung“ zu nennen, um themenferne, potentielle TeilnehmerInnen nicht abzuschrecken. Im Laufe der Veranstaltungen wird ihnen dann klar, wie politisch Kultur bzw. lokale Themen zusammenhängen.

Es funktioniert. Zum Ende des Projekts werden wir 100 Veranstaltungen mit ca. 2.000 TeilnehmerInnen durchgeführt haben. Die Themen und Formen sind dabei sehr unterschiedlich. Von Fahrradtouren zur Entwicklung der Architektur in der Prignitz über einen Vortrag mit Diskussion zum Obstbau in Brandenburg und dem Burgenland bis zu Gesprächsrunden zum Nutzen des Handwerks in Blüthen und einer Kinderbürgermeisterwahl war so einiges und noch viel mehr dabei.

Trotz geringer finanzieller Mitteln ist es gelungen viele Veranstaltungen durchzuführen, die gezeigt haben, dass die Menschen in ländlichen Regionen ein Interesse daran haben, sich aktiv in das Dorfleben und in gesellschaftliche und politische Prozesse einzubringen. Wenn die Themen lebensnah sind, entstehen lebhafte Diskussionen, die darüber hinaus in die Verwaltungen und Entscheidungsgremien getragen werden.

Solche Beteiligungs- und Diskussionsprozesse verhindern u. a. nicht nur abstruse Gestaltungs- und Bebauungsaktionen in Kommunen, sondern stiften Identität, mitunter Heimatgefühl, lassen kommunale Demokratie lebendig werden, können der Abwanderung junger Menschen entgegen wirken und damit die Zukunft von Kommunen sichern.

Das Projekt läuft noch bis zum Ende dieses Jahres. Wir freuen uns über jede neue KooperationspartnerIn, die Interesse hat, mit uns ein Projekt durchzuführen.

Interner LinkHomepage Landesarbeitsgemeinschaft für politisch-kulturelle Bildung in Brandenburg


 

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