Football is Freedom – Ein Filmprojekt zum Thema Diskriminierung im Fußball

Foto: Fans gegen Sexismus (Fanprojekt Darmstadt)
Foto: Beim Dreh (Fanprojekt Darmstadt)
Logo: Fanprojekt Darmstadt
Von Michael Kirschner (Fanprojekt Darmstadt)

Die Idee zum Film „Football is Freedom“ entstand im Sommer 2008. Die jugendlichen Anhänger des SV Darmstadt 98 wollten auf diesem Wege Diskriminierung im Kontext von Fußballspielen öffentlich thematisieren. Das Darmstädter Fanprojekt und die Aktionsgemeinschaft bewegungsorientierte Sozialarbeit e.V. (AGBS) waren schnell begeistert und unterstützten die Fans bei der Umsetzung des Films. Erfahrungen auf dem Gebiet des Filmemachens hatte keiner der Teilnehmer, doch davon ließ sich niemand abschrecken. Ermöglicht wurde das Ganze auch durch die Stiftung „Aktion Mensch“, welche das Projekt über die AGBS finanziell förderte.

Nachdem eine lange Liste von Diskriminierungsformen im Fußball erstellt und diskutiert wurde, beschlossen die Teilnehmer den Fokus auf die Themen Rassismus, Sexismus und Homophobie zu legen. Um sich der Thematik zu nähern wurden zunächst in den verschiedensten Medien Informationen gesammelt und gemeinsam besprochen. Nach und nach konkretisierte sich die Idee einer filmischen Dokumentation. Im Film sollten Experten zu Wort kommen und über ihr Fachgebiet aufklären. Außerdem sollten Betroffene die Möglichkeit erhalten aus ihrem Alltag zu berichten.

Mit diesem Ziel vor Augen führten die Fans in eineinhalb Jahren nicht weniger als zehn Interviews, mit den unterschiedlichsten Personen und Gruppen. So berichtet die Fußballweltmeisterin Steffi Jones ebenso wie türkischstämmige Spieler des Darmstädter Vereins FC Bursaspor, von ihren persönlichen Erfahrungen. Ein Aussteiger aus der rechtsextremen Szene schildert, wie Neonazis im Stadion gezielt Nachwuchs rekrutieren und der Sportjournalist Ronny Blaschke rückt die Verhältnisse im Fußball in einen gesellschaftlichen Gesamtkontext. Auch der Trainer und mehrere Spieler des Bezugsvereins Darmstadt 98 wurden miteinbezogen und sprachen offen über ihre Erfahrungen als Sportler.

Um über den eigenen Tellerrand hinauszublicken, fuhr das Filmprojekt im Sommer 2009 nach Berlin. Hier wurden gleich drei Interviews geführt, die den Film später prägen sollten. Nachhaltigen Eindruck auf die jungen Fans machte auch der Besuch der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Buchenwald, der mit der Berlinfahrt verbunden wurde.

Da weder Equipment noch Know-How auf dem Gebiet des Filmens und Schneidens vorhanden waren, engagierte das Filmprojekt den Medienpädagogen Harald Kuntze. Er brachte den Jugendlichen professionelle Filmtechniken bei und stand beim langwierigen Prozess des Schneidens mit Rat und Tat zur Seite. So entstand über zwei Jahre hinweg ein facettenreicher Film, der mehr will als informieren. Er will Anstoß sein um über die Themen Rassismus, Homophobie und Sexismus im Fußball zu reflektieren und zu diskutieren. Auch die Möglichkeiten von Fans, Vereinen und Verbänden diesen Phänomenen entgegenzuwirken, werden aufgezeigt. Er richtet sich nicht nur an Fußballfans sondern will breite Bevölkerungsschichten – egal ob alt oder jung – für diese Thematik sensibilisieren und ermuntert sie selbst für eine tolerante Gesellschaft aktiv zu werden.

Nach der Premiere der Dokumentation im ausverkauften Darmstädter Kino Cinemaxx am 2. Juni 2010 lief der Film in zahlreichen Städten im gesamten Bundesgebiet und in den unterschiedlichsten Kontexten. So wird „Football is Freedom“ beispielsweise auf Ausstellungen (etwa „Tatort-Stadion“ in verschiedenen Städten oder der Anne-Frank-Ausstellung in Darmstadt und Jena), Veranstaltungen (etwa die Martinsviertler Tage gegen Rassismus und rechtsextreme Gewalt in Darmstadt oder die Wochen gegen Rechtsextremismus in Celle) und in verschiedenen Jugendhäusern und Fanprojekten gezeigt.

Zudem wurde der Film in Fortbildungsseminare von Absolventen des „Freiwilligen sozialen Jahrs“ eingebunden. Anhand der Vorführung des Films wurden die verschiedensten Diskriminierungsformen anschaulich vorgestellt und anschließend über das Gesehene diskutiert. Auf diesem Wege war es dem Filmprojekt möglich an der Ausbildung von jungen Menschen, die zum Teil einen Berufsweg im sozialen und pädagogischen Bereich anstreben, beizutragen.

Die Dokumentation Football is Freedom ist für 7€ zu erhalten. Kontakt: Michael.Kirschner@internationaler-bund.de oder n.cuerten@agbs-ev.de



 

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