Roter Stern Leipzig – Ein Fußballverein macht sich stark gegen Rassismus und Diskriminierung

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Kinderteam F-Jugend
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Von Adam Bednarsky (Roter Stern Leipzig ´99 e.V.)

Der Rote Stern Leipzig (RSL) wurde 1999 von vierzig Jugendlichen gegründet. Wir wollten dadurch einen bewussten Kontrapunkt zu den Entwicklungen im Fußball setzen. Diskriminierungsformen wie Rassismus, Sexismus und Homophobie wurden in vielen Vereinen und Fanszenen kaum problematisiert. Mittlerweile sind beim RSL 400 Mitglieder aller Altersgruppen organisiert und bereichern das Projekt im Sinne unseres Mottos: More than Soccer!

Ziel unseres Vereins ist es, innerhalb und außerhalb unserer Strukturen ein Problembewusstsein zu schaffen, das diskriminierende Äußerungen und gewalttätiges Verhalten thematisiert und so ein aktives, zivilgesellschaftliches Handeln gegen jegliche Form von Diskriminierung ermöglicht. Daher versuchen wir, in unserem Verein hierarchische Strukturen zu vermeiden. Beispielsweise dient ein wöchentliches Plenum der Entscheidungsfindung in allen Fragen des Vereinslebens. Dieses Plenum ist für jedes Vereinsmitglied offen. Hier werden Entscheidungen nach dem Konsensprinzip getroffen. Dies ist für uns eine wichtige Grundlage, um die von uns nach außen getragenen Prinzipien, wie Gleichberechtigung, Mitbestimmung und Mitverantwortung, auch in unserem Verein zu leben. Die Aktionsebenen des RSL sind untergliedert in den sportlichen und kulturellen Bereich und unser zivilgesellschaftliches Engagement.

Der Rote Stern Leipzig startete mit fünf Kinderteams im Alter von 4 bis 12 Jahren, einem Frauenteam, vier Herrenteams und einer Senioren-Mannschaft in die Saison 2010/11. Seit 10 Jahren nehmen Teams des RSL an der jährlichen Mondiali Antirazzisti, einem internationalen antirassistischen Fußballturnier in Italien teil. Dort treten wir grundsätzlich mit gemischten Teams an. [Interner Linkwww.mondialiantirazzisti.org/]

Wir sind immer bemüht, eine breite Öffentlichkeit im Sinne unseres Selbstverständnisses zu sensibilisieren. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf den lokal verankerten Fußballfans. Der Leipziger Fußball hat in den letzten Jahren besonders durch die gewalttätigen Ausschreitungen von Fans der hiesigen Vereine, die nicht selten von rassistischen und antisemitischen Schmähungen begleitet wurden, ein negatives Außenbild produziert und die besondere lokale Situation unterstrichen. Dagegen setzen wir mit dem Angebot von Begegnungsmöglichkeiten für jugendliche Fußballfans und sportbegeisterte Menschen ein integratives Zeichen. Im ehrenamtlich geführten Fanprojekt des RSL werden kulturelle Veranstaltungen wie Konzerte, Diskussionen und Lesungen durchgeführt.

More than Soccer! steht aber nicht nur für kulturelles, sondern auch für zivilgesellschaftliches Engagement. In Anlehnung an die beim DFB-Fankongress im Juni 2007 verabschiedete Erklärung Gegen Diskriminierung im Fußball arbeitet der RSL an verschiedenen Kampagnen und Initiativen, so auch an der Initiative für mehr gesellschaftliche Verantwortung im Breitensport-Fußball (IVF) [Interner Linkhttp://fussball-und-diskriminierung.de/]. Die IVF haben wir 2009 ins Leben gerufen. Durch die hohe Popularität des Fußballs und den hohen Organisationsgrad in den Sportvereinen können mit der IVF breite Bevölkerungsschichten angesprochen werden. Ziel der Projekttätigkeit ist es, die verschiedenen Akteure (lokale Fußball-Verbände, Vereine und ihren Aktiven und weitere Multiplikator_innen) zu sensibilisieren. Außerdem sollen sie bei ihren eigenen Bemühungen zur Bekämpfung von Diskriminierung und bei der Stärkung von Integrationspotentialen unterstützt werden: Mit aktuellen Informationen, kompetenten Referent_innen, durch Beratung bei der Entwicklung von Handlungsstrategien und bei der Bildung von Netzwerken.

Im Juli 2010 haben wir ein weiteres Teilprojekt der IVF vorstellen können. Unter dem Titel „Strafraum Sachsen – Fußball und Diskriminierung in Sachsen“ wurde eine Ausstellung erstellt [Interner Linkhttp://strafraumsachsen.blogsport.eu/]. Die Ausstellung präsentiert und diskutiert die Desintegrationsmechanismen von Diskriminierung und schlägt mittels dieser eine Brücke von gesellschaftlichen Normalitäten zum allseits beliebten und gespielten Fußball. Dabei werden aber auch die integrativen Möglichkeiten des Fußballs und seine Identifikationsangebote in den Blick genommen.

Mit unserer Arbeit versuchen wir, ein lebendiges Zeichen gegen jegliche Art von Diskriminierung in einem sportlichen Umfeld zu setzen. Denn wer in emotional aufwühlenden Situationen einen fairen und respektvollen Umgang pflegt, wird damit auch im Alltag bestehen. Nicht immer und überall wird uns dies gelingen. Wir sind uns bewusst, wie viele Schwierigkeiten wir auf diesem Weg noch meistern müssen. Das Miteinander in unserem Verein gibt uns aber das gute Gefühl, schon viel erreicht zu haben. Diesen Weg wollen wir weiterverfolgen und ein etablierter, bunter Verein sein, der viele Menschen unterschiedlicher Herkunft erreicht.

Mehr Infos unter Interner Linkwww.roter-stern-leipzig.de.



 

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