12.08.2010

Projekt „Fairness, Respekt und Toleranz im Sport – für eine demokratische Gesellschaft“

Foto: Bürgerforum GräfenbergFoto: Bürgerforum Gräfenberg
Foto: Bürgerforum Gräfenberg
Foto: Bürgerforum Gräfenberg
Von Ludwig K. Haas (Projektleiter)

Gräfenberg, eine Kleinstadt mit ca. 4.000 Einwohnern im Städtedreieck von Nürnberg, Bamberg und Bayreuth war drei Jahre lang Schauplatz von mehr als 40 Neonazi-Aufmärschen. Mit der Parole „Denkmäler sind für alle da“ marschierten die Neonazis durch die Innenstadt von Gräfenberg, terrorisierten die Stadt und bedrohten gezielt einzelne Personen des Gräfenberger Bürgerforums. Mit kreativen und gewaltfreien Gegenaktionen erreichte das Bürgerforum, dass hier seit September 2009 keine öffentlichen Aufmärsche mehr zu verzeichnen sind. Hinsehen statt Wegsehen hat sich gelohnt. Trotzdem ist die Gefahr noch nicht gebannt: Das Verteilen von CDs auf Schulhöfen, Flugblätter oder auch der sogenannte Nationale Frankentag der Rechtsextremisten im nahen Geschwand am 31. Juli dieses Jahres zeigen deutlich, dass sich die Spielwiese der Rechtsextremen verlagert hat.

„Die Welt ist bunt – der Sport auch“, unter diesem Motto läuft nun eine Aktion mit acht Sportvereinen aus dem Gräfenberger Umland, die im Februar dieses Jahres auf Initiative des Bürgerforums ins Leben gerufen worden ist. Die Vereine haben es sich zur Aufgabe gemacht Fairness, Respekt und Toleranz im Sport, aber auch im täglichen Leben zu fördern. NEIN zu Gewalt, Fremdenfeindlichkeit, Diskriminierung und Antisemitismus ist das Leitmotiv dieser gemeinsamen Aktionen. Die Förderung des Gemeinsinns und der Mitmenschlichkeit, der Achtung und Integration anderer Kulturen stehen im Mittelpunkt. Mit dieser Initiative handeln die beteiligten Vereine auch im Sinne des Bayerischen Fußballverbandes (BFV), der auf Landesebene entsprechende Aktionen durchführt.

Nun kann man natürlich der Meinung sein, Toleranz und Fairness im Sport seien eigentlich Selbstverständlichkeiten – uns betrifft das ja nicht, das geht uns nichts an, Problemsituationen gibt es nur anderswo. Diese Einschätzung kann sich leider ganz schnell in das Gegenteil wandeln. Das haben die C-Junioren bei einem Spiel vor wenigen Wochen hautnah erlebt, wie ein Vereinsvorstand vor kurzem berichtete. Leider kam es während des Spiels zu einer Schlägerei, so dass es abgebrochen werden musste. Solchen Vorkommnissen entgegenzuwirken und vorzubeugen ist die Herausforderung.

Die Erstellung und Umsetzung eines Handlungskonzeptes ist und war eine der ersten Aufgaben des Projektes. Sensibilisierung, Wissensvermittlung und Unterstützung der Betreuer im Sportbereich, insbesondere im Kinder- und Jugendbereich der Vereine ist das Hauptziel der gemeinsamen Aktionen. So fand beispielsweise anlässlich des 50-jährigen Bestehens des FC Thuisbrunn (Ortsteil der Stadt Gräfenberg) am 10. Juli 2010 ein Kinder- und Jugendturnier mit über 200 Fußballerinnen und Fußballern statt. Im Beisein des Bürgermeisters, der Vereinsvorstände und des Projektleiters wurde ein 400 x 120 cm großes Transparent enthüllt: „Die Welt ist bunt – der Sport auch“. Zahlreiche Broschüren und Info-Material standen am Info-Stand zur Verfügung, Erfahrungen wurden ausgetauscht. In den offiziellen Reden wurden die Projektziele dargestellt. Im Grußwort des Nürnberger Oberbürgermeisters, Herrn Dr. Ulrich Maly, der gleichzeitig Vorsitzender der Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg ist, heißt es: „Leider wird der Fußball in der heutigen Zeit auch von Neonazis benutzt, um unter dem Deckmantel der Fankultur ihre rassistischen Parolen unters Volk zu bringen. Wer kennt nicht die hässlichen Vorfälle in den Stadien in Form von rassistischen Spruchbändern, Sprechchören und Anfeindungen von Spielern … Dem gilt es entschieden entgegenzuwirken.“

Die Einweihung eines neuen Vereinsheims und ein Fußballturnier der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Gräfenberg, an dem die ersten und die Seniorenmannschaften der vier ansässigen Vereine teilnahmen, waren weitere Bühnen für die Darstellung der Projektziele. Bei diesem VG-Turnier traten zum Beispiel die Endspielmannschaften, der Schiedsrichter und die Linienrichter sowie die Betreuer mit einem einheitlich gestalteten Aufwärm-T-Shirt zur Enthüllung des Banners „Die Welt ist bunt – der Sport auch“ auf. Auch auf den T-Shirts ist der gleiche Slogan, also unser Leitmotiv, zu lesen. „Werbung am lebenden Objekt“, Netzwerkbildung und Zusammenarbeit mit gleichgesinnten Personen, Vereinen und Institutionen sind Merkmale unserer Projektarbeit, die im 2. Halbjahr 2010 verstärkt fortgesetzt wird.

Unterstützt werden die acht Vereine des Projekts, in denen über 5.400 Mitglieder organisiert sind, durch das Bürgerforum Gräfenberg, das Evangelisch-Lutherische Dekanat Gräfenberg und durch eine Förderung durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms VIELFALT TUT GUT. Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie. Der Landkreis Forchheim und der Kreisjugendring Forchheim unterstützen und fördern das Projekt. Aktive Unterstützung leistet der Jugendpfleger. Last but not least: Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) freut sich über das soziale Engagement und begrüßt die Maßnahmen der Vereine aus dem Gräfenberger Gebiet.

Informationen zur Arbeit des Bürgerforums erhalten Sie auf der Homepage des Bürgerforums Gräfenberg Interner Linkwww.graefenberg-ist-bunt.de.



 

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