1. FC Bonn – Ein Projektbericht

Foto: Bei der Vorbereitung (1. FC Bonn)
Foto: Sporthalle "Rheinische Kliniken"
Foto: Beim Training (1. FC Bonn)
Von Rosemarie Wahlen (Vorsitzende 1. FC Bonn)

Der 1. FC Bonn wurde im Jahre 2006 gegründet. Der Verein liegt in einem Bonner Vorort, der als sozialer Brennpunkt gilt. Aufgrund von jahrelanger Vereinsarbeit in anderen Vereinen stellten wir fest, dass viele Vereinsstrukturen festgefahren sind, so dass soziale Randgruppen keine Chance bekamen. Daher gründeten wir 2006 einen eigenen Verein. Eine Aufnahme in unseren Verein soll ohne Vorbehalte gegenüber der schulischen Ausbildung, beruflichen Perspektiven, kriminellen Vorbelastungen, Rauschgiftproblemen und unabhängig von den Elternhäusern erfolgen.

Der sportliche Leiter des Vereins arbeitet z.B. mit der Bewährungsstelle Bonn für junge Erwachsene, mit Anwaltskanzleien sowie der Landesklinik Bonn zusammen. Unser Verein wird von den entsprechenden Stellen für die Ableistung von Sozialstunden eingesetzt, um jungen Menschen den Weg in das Gefängnis zu ersparen. So sind wir auch in der Lage, im Rahmen der abzuleistenden Sozialstunden bedürftige Senioren zu unterstützen. Darüber hinaus besteht eine sogenannte „Bachpatenschaft“ mit der Stadt Bonn: Im Rahmen der Sozialstunden erfolgt eine Reinigung einer zugewiesenen Uferfläche und Grünanlage.

Justizvollzugsanstalten wie z.B. die JVA Rheinbach und JVA Siegburg kontaktieren den Verein regelmäßig in Bezug auf Insassen, die in absehbarer Zeit entlassen werden sollen. Durch den 1. FC Bonn sollen sie die Möglichkeit erhalten, integriert und sozial auf den richtigen Weg zu gelangen. Es finden Freundschafts- und Trainingsspiele in den Justizvollzugsanstalten zwischen dem 1. FC Bonn und Inhaftierten statt.
Diese Veranstaltungen haben vor allem einen pädagogischen Hintergrund und sollen kriminalitätspräventiv wirken. Die Aufnahme in den Verein erfolgt unter der Bedingung, dass sie sich an aufgestellte Regeln halten. Die jungen Menschen lernen so, sich einzuordnen. Durch die sportlichen Aktivitäten erfahren sie Erfolgserlebnisse.

Wir bauen ein Netzwerk auf um jungen Menschen die Möglichkeit aufzuzeigen, wie sie Zukunft aktiv gestalten können. Wir suchen und vermitteln Praktikumsplätze, Ausbildungsplätze und Arbeitsplätze und helfen dabei, einen Schulabschluss nachzuholen. Bereits acht Spieler des Vereins konnten nach anfänglichen Probezeiten in unterschiedlichen Berufszweigen mittlerweile eine Festanstellung erlangen. Zwei junge Männer und eine junge Frau haben den Schulabschluss nachgeholt und vier junge Männer wurden erfolgreich in eine Ausbildung vermittelt.

Der 1.FC Bonn hat eine Vielzahl von unterschiedlichen Nationen und Konfessionen als Mitglieder. Ein besonderer Höhepunkt war die Ostertaufe eines Mitglieds in der Bonner Münsterbasilika. Alle Glaubensrichtungen innerhalb unseres Vereins waren dabei anwesend. Auch wurde die Taufe des jüngsten Kindes eines unserer Spieler mit Unterstützung des Vereins und Anwesenheit vieler Mitglieder ausgerichtet und gefeiert.

Besonderen Wert legen wir auf die Anwesenheit und Einbeziehung der Familien unserer Vereinmitglieder, so dass keine Probleme zwischen Zugehörigkeit zum Verein und der Familie entsteht. Somit ist es selbstverständlich, dass auch die Kinder der Spieler sowohl beim Training, wie auch bei den Spielen dabei sind, und von allen betreut werden. Unser Plan für die neue Saison ist es daher, auch ein Angebot für Kinder ins Leben zu rufen. Dort wollen wir den Nachwuchs unserer Spieler aufnehmen und natürlich auch andere interessierte Kinder. Zwei Spieler des Vereins haben sich sofort für die Betreuung der Kindermannschaft gemeldet. Eines unserer Mitglieder (15 Jahre jung) besucht zur Zeit einen Trainerlehrgang. Die Kinder sollen durch den jugendlichen Trainer besonders angesprochen, und nicht nur durch Erwachsene betreut werden.

Besonders wichtig ist uns auch die Gewaltprävention. Drei unserer Spieler haben deshalb eine Schiedsrichterausbildung gemacht. Hier ist für uns besonders wichtig, den Spielern die Position des „Außenstehenden“ nahe zu bringen, um Verständnis und Akzeptanz zu wecken. Als Multiplikatoren tragen diese Spieler ihre neuen Erkenntnisse in die Mannschaft.

Unsere Zielsetzung war es nicht, bloß einen weiteren Fußballverein zu gründen, sondern einen Rahmen anzubieten, in dem die Mitglieder des Vereins sich angenommen fühlen. Sie sollen Erfolgserlebnisse haben und einen Weg finden, über ihre vielfältigen Anliegen zu reden. Sie sollen wissen, dass es hier Personen gibt, die sie Ernst nehmen und sich ihrer Probleme annehmen, Lösungen mit ihnen suchen und bei der Umsetzung helfen. Bis jetzt ist dieser Weg erfolgreich und bestätigt uns allen, dass es richtig war diesen Verein ins Leben zu rufen. Dass es den Aktiven nicht nur um Fußball geht, zeigt auch die Teilnahme an den außersportlichen Aktivitäten, die immer wieder gerne genutzt werden. So sind wir, insbesondere durch die finanzielle Unterstützung von verschiedenen Organisationen, in diesem Jahr in der Lage gewesen eine Weihnachtsfeier zu organisieren, an der alle Mitglieder, auch die nichtchristlichen Glaubens, teilnehmen werden. Auch das erste Trainingslager war ein großer Erfolg. Leider konnten wir aus finanziellen Gründen nur einen Tag in der Eifel verbringen und nicht wie eigentlich vorgesehen ein ganzes Wochenende. Die Spieler haben jedoch den Wunsch geäußert den Trainingstag auszuweiten und zu wiederholen.

Es hat sich gezeigt, dass die geschilderten Aktivitäten sehr gerne angenommen werden und den Zusammenhalt unter den Mitgliedern fördern. Auch dieses Gefühl – sich auf einander verlassen zu können – ist für viele neu.



 

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