03.09.2009

Interessenvertretung der Mieter des Doppelhochhauses an der Landsberger Allee 175/177 in Berlin-Lichtenberg

Foto: Interessenvertretung der Mieter Landsberger Allee 175/177Foto: Interessenvertretung der Mieter Landsberger Allee 175/177
Foto: Interessenvertretung der Mieter Landsberger Allee 175/177
Foto: Waltraut John und Hannelore Schleef bei der Preisverleihung "Aktiv für Demokratie und Toleranz" des BfDT
Von Waltraut John (Sprecherin der Interessenvertretung der Mieter Landsberger Allee 175/177)

Wir sind die Interessenvertretung der Mieter des Doppelhochhauses an der Landsberger Allee 175 / 177 in Berlin-Lichtenberg! Unser Doppelhochhaus wurde 1974 erbaut – ein Plattenbau eben – und die ersten Mieter zogen im November 1974 in dieses Haus ein. Ein Doppelhochhaus mit 279 Wohnungseinheiten. Wenn alle vermietet sind, ist es wie in einem kleinen Dorf, denn dann leben hier ca. 1000 Bewohner. Mit den Tramlinien haben wir gute Verkehrsanbindungen und Einkaufsmöglichkeiten. Zum Alexanderplatz braucht man nicht einmal 15 Minuten. Für Erholung und Entspannung im Grünen sorgen der nahe gelegene Fennpfuhl und der Erholungspark „Prenzlauer Berg“. In der Kita, gleich gegenüber, werden die Kleinsten gut versorgt und bei den größeren Kids sorgen die im Kiez vorhandenen Bildungs- und Freizeiteinrichtungen für Abwechselung. Wozu eine Interessenvertretung?

Es begann am 24. Juni 2004 mit einer erstmaligen Mieterversammlung. Zu diesem Zeitpunkt wohnten 60 % ausländische Mieter aus 23 Nationen in unserem Doppelhochhaus. Ein Multi-Kulti-Haus in dem man nicht miteinander sondern nebeneinander, durch Missverständnisse und Sprachschwierigkeiten getrennt lebte. 60 MieterInnen unterschiedlichster Nationalität waren erschienen und machten auf Probleme über Sicherheit und Ordnung einschließlich technischer Defekte im Haus sowie dem verwahrlosten Umfeld aufmerksam. Eine weitere Verschlechterung der Wohnqualität wollten sie nicht hinnehmen und forderten von der neuen Hausverwaltung des inzwischen in Privatbesitz übergegangenen Hauses die Beseitigung der Mängel. Es erfolgte eine umgehende Reaktion und die gröbsten Mängel wurden behoben. Damit die Interessen der Mieter gegenüber dem Eigentümer und der Verwaltung weiterhin durchgesetzt werden können wurde auf dieser Mieterversammlung die Interessenvertretung ins Leben gerufen. Waltraut John war bereit, den „Schriftkram“ zu übernehmen. Seit dem 27. Oktober 2004, dem Tag der Konstituierung, ist sie unsere Sprecherin. Auch Hannelore Schleef erklärte ihre Bereitschaft zur Mitarbeit. Heute ist sie die rechte Hand von Frau John. Wir haben uns als Interessenvertretung mit 11 MieterInnen deutscher und ausländischer Nationalität konstituiert. Eine feste Anzahl unserer Mitglieder gibt es nicht. Alle arbeiten ehrenamtlich. Wir sind kein eingetragener Verein.

Unser Ziel: Die Beseitigung der aufgelisteten Mängel gegenüber der Verwaltung und damit gegenüber dem Eigentümer weiterhin durchsetzen. Bei auftretenden Problemen versuchten und versuchen wir gemeinsam mit der für unser Haus zuständigen Verwaltung eine Lösung anzustreben. Ein friedvolles Miteinander und nicht Nebeneinander, Zuhören statt Weghören und die Beseitigung von Sprachbarrieren sind unsere Hauptanliegen. Im sozialen Bereich bieten wir unsere Hilfe an, ebenso sind wir bemüht das Leben im kulturellen Bereich zu bereichern. Allein ist dies natürlich nicht zu schaffen. Deshalb haben wir im Kiez und in Berlin viele unterstützende Hände – Vereine, sozio-kulturelle Einrichtungen („promigra“ die Aussiedlerintegrationshilfe, das Sozio-Kulturelle Zentrum, der Auer Club), die Bürgermeisterin von Berlin-Lichtenberg, Härtefallberatung, Schuldnerberatung, Sozialamt, Jugendamt und auch das JobCenter.

Zum 30. Jahrestag der Grundsteinlegung des Doppelhochhauses sowie der Einweihung des Foyers mit Concierge wurde vom damaligen Eigentümer und der Verwaltung ein Hausfest vorgeschlagen. Der Concierge war eine Forderung der Mitbewohner. Wir wollten mehr Sicherheit und Ordnung in unser multikulturelles Hochhaus bekommen. Die Vorbereitung, Organisation und Durchführung des Hausfestes war die erste große Herausforderung, die wir erfolgreich bestanden haben.

Unsere Auffassung ist, der Weg zu unseren Mitbewohnern geht nur über die Kinder. Nur so erreichen wir die unterschiedlichen Kulturen und Religionen, die hier wohnen und leben. Das hat sich in der Praxis bewährt. Deshalb ist auch das Kinder- und Hausfest Tradition geworden. Hier helfen alle Mitbewohner mit, aber auch unser Netzwerk. Es findet jährlich statt, in diesem Jahr am 28.August. Die Vorbereitungsphase hat bereits begonnen. Darüber hinaus finden Bastelnachmittage zu unterschiedlichen Anlässen, Theaterbesuche, Museumsbesuche, Nachhilfeunterricht für die 1.-7. Klasse in den Fächern Deutsch und Mathematik einmal pro Woche statt, es gibt auch Deutschkurse für unsere ausländischen Mitbewohner.

Ein Großteil unserer Arbeit findet im Hintergrund statt, nämlich Hilfe für unsere Mitbewohner bei Problemen mit dem Jobcenter, beim Bleiberecht, mit dem Sozialamt und vieles mehr. Hier ist ein absolutes Vertrauensverhältnis entstanden. Die Anforderungen auf diesem Gebiet sind gewaltig. Wenn wir gewusst hätten, was damit alles verbunden ist, hätten wir es vielleicht nicht getan. Aber die Liebe und Achtung unser Mitbewohner, vor allem der Kinder, trägt uns immer weiter. Unsere Interessenvertretung trifft sich regelmäßig, etwa alle 4-5 Wochen. Wir feiern gemeinsam Weihnachten, treffen uns zum Grillnachmittag, bei dem alle etwas dazu beitragen. Wer Interesse hat und neugierig geworden ist, kann sich gerne mit uns in Verbindung setzen. Wir wissen, dass das was wir tagtäglich praktizieren so nicht verallgemeinerungsfähig ist. Aber vielleicht ist es in der einen oder anderen Form übertragbar bzw. ein Vorbild. Unser Engagement ist schon durch das Bündnis für Demokratie und Toleranz als auch von der Stiftung „Bürger für Bürger“ anerkannt und ausgezeichnet worden.

Kontakt zu Waltraut John unter mieter177@t-online.de!




 

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