Fremde werden Freunde - Eine Initiative für Toleranz und Gastfreunfschaft in Erfurt

Foto: Auszeichnung des Projekts "Fremde werden Freunde"
Foto: FWF
Foto:; Ausstellung FWF
Von Petra Eweleit (Projektleiterin „Fremde werden Freunde")

Im Rahmen des Projektes „Fremde werden Freunde" werden Patenschaften zwischen ausländischen Studierenden und Erfurter Bürgern vermittelt.
Es ist ein Kooperationsprojekt der Stadtverwaltung Erfurt, der Universität und der Fachhochschule und des Thüringer Institutes für Akademische Weiterbildung. Das TIAW e.V. ist der Projektträger.

Im Dezember 2002 wurde es ins Leben gerufen und leistet auf kommunaler Ebene einen ganz entscheidenden Beitrag im bundesweiten Bemühen um die Integration unserer ausländischen Mitbürger. Die Idee wurde von der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/ Oder übernommen (Internet, Kontakte) und auf Erfurter Bedingungen zugeschnitten. Es wurde eine feste Personalstelle eingerichtet, die von den Projektpartnern gemeinsam finanziert wird.

Das Projekt hat sich in den sechs Jahren seines Bestehens zu einem wichtigen Zentrum interkulturellen Zusammenwirkens entwickelt. Es wurde ein breites Netzwerk mit zahlreichen Einrichtungen und Organisationen der Stadt Erfurt aufgebaut. Jedes Jahr beteiligen sich immer mehr ausländische Studierende und Paten an dem Projekt. Im Dezember 2002 waren es 46 Patenschaften mit Studierenden aus 9 Ländern, heute sind es über 200 Paten, die mit 150 Studierenden aus über 40 Ländern in Kontakt sind. Insgesamt wurden bisher etwa 700 Patenschaften mit Studierenden aus 66 Ländern vermittelt. Dieses von Neugierde und Offenheit geprägte Zusammenkommen erleichtert nicht nur den Studierenden das Sich-zu-Hause-Fühlen in einem fremden Land, sondern eröffnet auch den Erfurtern neue Perspektiven.

Seit 2006 werden außerdem Kontakte zur Thüringer Wirtschaft aufgebaut, um das Potenzial der ausländischen Studierenden hinsichtlich ihrer interkulturellen, sprachlichen und nicht zuletzt fachlichen Kompetenz zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit den Herkunftsländern der Studierenden zu nutzen. Es werden Betriebsbesichtigungen, Praktika, Projektarbeiten und Minijobs vermittelt. Dafür wurde eine weitere Personalstelle eingerichtet.

Wie sieht so eine Patenschaft konkret aus?

Einerseits gibt es zentrale Veranstaltungen, wie z.B. der Begrüßungsabend zu Beginn eines Semesters, wo sich Paten und Studierende kennen lernen. In jedem Semester wird eine gemeinsame Exkursion mit Paten und Studierenden organisiert. Diese führten u.a. nach Wernigerode, Saalfeld/Feengrotten, Bad Langensalza und zum Baumkronenpfad, zu den Dornburger Schlössern und vielen weiteren Orten. Oft unternehmen mehrere Studierende und Paten gemeinsam etwas: gehen wandern, nehmen an verschiedenen Veranstaltungen teil, treffen sich bei Grillabenden, beteiligen sich an Aktionen wie „Erfurt rennt" oder treffen sich beim monatlich stattfindenden Internationalen Stammtisch (www.stammtisch.erfurt-international.de), den es in Erfurt seit 10 Jahren gibt. Aber im Wesentlichen bestimmen Pate und Student selbst, wie sie die Patenschaft mit Leben erfüllen. Dazu gehören Einladungen nach Hause, man feiert gemeinsam Feste: Ostern, Weihnachten, Geburtstag; man kocht gemeinsam - bei den Paten hat sich der Speiseplan längst zu einem internationalen entwickelt. Dabei lernt man ein bisschen Chinesisch, frischt sein Englisch auf, testet, was noch an Russischkenntnissen vorhanden ist;  andererseits helfen die Paten den Studierenden beim Erlernen der deutschen Sprache, machen sie mit unserer Lebensweise vertraut, mit unseren Sitten und Bräuchen und helfen den Studierenden, sich hier in Deutschland zurecht zu finden. „Fremde werden Freunde" ist ein Projekt, von dem beide Seiten profitieren. Die Paten schätzen es sehr, viel Interessantes über die Heimatländer ihrer Studenten zu erfahren. Oft entwickeln sich aus diesen freundschaftlichen Kontakten dauerhafte Verbindungen: man schreibt E-Mails und telefoniert, die Studenten statten Erfurt und ihren Paten erneut einen Besuch ab und manche Paten besuchen ihre Studenten in deren Heimatland.

Dabei werden Erinnerungen an Erfurt ausgetauscht. So vergisst Kweku aus Ghana wahrscheinlich sein ganzes Leben lang nicht, wie er mit seiner Patenfamilie echte Thüringer Klöße gekocht hat. Yudha aus Indonesien wird sich immer daran erinnern, wie er in Erfurt mit seinem Paten Thüringer Grillmeister geworden ist und das erste Mal in seinem Leben auf Skiern stand. Hasnain aus Pakistan wird oft an die zahlreichen Veranstaltungen denken, wo er mit Vertretern anderer Religionen über das Leben in einem islamischen Land gesprochen hat und wo er Interessantes über das jüdische Leben und die Aufarbeitung der Vergangenheit in Deutschland erfahren hat.

Durch zahlreiche persönliche Kontakte werden Vorurteile abgebaut, Freundschaften über Ländergrenzen hinweg geschlossen und Eindrücke über ein weltoffenes  und tolerantes Erfurt von den Studierenden in ihre Heimatländer mitgenommen. Eine Broschüre und ein Film unterstützen dies mit zahlreichen Bildern.

Andererseits sind die fremden Kulturen, die in zahlreichen Veranstaltungen und persönlichen Gesprächen vermittelt werden, eine Bereicherung des kulturellen Lebens in unserer Stadt. Mittlerweile ist das Projekt „Fremde werden Freunde" ein fester Bestandteil des interkulturellen Lebens in Erfurt geworden.

Gern geben wir unsere Erfahrungen weiter. Kontakt unter:
Interner Linkwww.fremde-werden-freunde.de




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