Pflegegruppe Jüdischer Friedhof des Christian-Dietrich-Grabbe-Gymnasiums, Detmold

Der jüdische Friedhof in Detmold ist einer der wenigen in der Region, der auch heute noch für Beerdigungen offen ist - trotzdem ist auf diesem letzten an jüdisches Leben in Detmold erinnernden Ort die große Mehrzahl der Gräber verwaist. Es gibt längst keine Angehörigen mehr, die den Ort der ewigen Ruhe betreuen könnten. Grund genug für die Schüler und Schülerinnen unserer Schule, sich des Friedhofs anzunehmen: Bereits im dritten Jahr machen wir einmal im Monat einen Pflegerundgang und kümmern uns um die alten Gräber, die aus dem 19. und beginnenden 20.Jahrhundert stammen. Dank der guten Zusammenarbeit mit der Stadt Detmold bekommen wir einen großen Wagen mit Gartengeräten und allen für die Arbeit nötigen Werkzeuge, der uns passend zu unserem Pflegetag von den Gärtnern der Stadt zur Verfügung gestellt wird.

Eine wechselnd besetzte Gruppe von 15 bis 25 Schülern der Unter- und Mittelstufe macht sich dann, betreut von Frau Rey, ans Werk und befreit die Gräber von Unkraut, übergroßen Farnen, allzu starkem Efeubewuchs und altem Laub. So ganz nebenbei wird uns somit ein Ort vertraut, der ganz andere Bräuche und auch ein anderes Aussehen hat, als das, was wir von christlichen Friedhöfen kennen: Die Jungen in unserer Gruppe tragen immer eine Mütze oder Kappe, weil es eine jüdische Tradition ist, dass Männer (und Jungen) eine religiösen Ort nicht ohne Kopfbedeckung betreten sollen. Zum Glück tun Baseballkappen den gleichen Zweck! Auffallend sind die hebräischen Inschriften auf den Grabsteinen, manchmal mit und manchmal ohne eine deutsche Übersetzung - je nachdem, wie angepasst an die Tradition der christlichen Nachbarn die jeweilige jüdische Familie war.

Jüdische Friedhöfe sollen auch keinen blühenden Blumenschmuck zeigen, um den Tod nicht durch künstliche Dekoration zu überdecken. Auch schreibt die jüdische Tradition vor, dass ein Mensch, der auf der Erde gelebt hat, ein Grab für immer haben soll. Es wird also nicht nach einigen Jahrzehnten neu belegt. Der Friedhof besitzt dadurch eine wirklich stille und Zeitlosigkeit ausstrahlende Atmosphäre. Nach jüdischem Brauch legen wir bei unseren Besuchen keine Blumen, sondern einen kleinen, möglichst schönen Stein oben auf den Grabstein. Auf welchen? Immer auf den Stein des Grabes, das uns beim jeweiligen Besuch das wichtigste ist: Wir haben schon zahlreiche Kindergräber gepflegt, oder ein anderes Mal Gräber mit Namen, die entweder besonders fremd oder den unseren besonders ähnlich sind. Oder einfach eines, das offensichtlich schon lange keine Aufmerksamkeit mehr erhalten hat... Es bedeutet nicht nur Arbeit, sondern auch einen ganze Menge Fürsorge und liebevolle Zuwendung, alte Grabplatten zu säubern, die Namen wieder leserlich zu waschen und die hohen Gräser zurück zu schneiden, die viele so schöne Steine verdeckt haben.




Projekt:Pflegegruppe Jüdischer Friedhof des Christian-Dietrich-Grabbe-Gymnasiums, Detmold
Ansprechpartner:Monika Rey
Kontaktdaten:05231-99260
monika.rey@freenet.de

Informiert bleiben

Facebook
YouTube

Logo BPB
Seit 2011 ist die Geschäftsstelle des BfDT Teil der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb